Zu Besuch im Hängenden Kloster in Hunyuan / Von Geraldine Friedrich
Dünn wie Zahnstocher wirken die Tannenstämme, die das „Xuankongsi“, zu deutsch „Hängendes Kloster“, am Berg Hengshan, 70 Kilometer südöstlich der chinesischen Kohlestadt Datong, von unten stützen. Die Balken liegen zu zwei Dritteln in den Felsen. Die teils winzigen Hallen mit Pagodendächern scheinen dadurch wie Schwalbennester an der Felswand 50 Meter über dem Boden zu kleben. Kaum zu glauben, dass Arbeiter diese Anlage bereits vor rund 1500 Jahren errichteten. Wer kommt bloß auf die Idee ein Kloster an einer steil abfallenden Felswand zu bauen? Zudem liegen die Minigebäude die meiste Zeit im Schatten, im Juli konnten sich die Mönche gerade mal über vier Stunden Sonnenlicht täglich freuen, ohne Heizung im Winter nicht vergnügungssteuerpflichtig. Die Durchschnittstemperatur in und um Datong beträgt im Jahresmittel 5,5 Grad Celsius, im Winter sind minus 20 Grad normal.
Doch alles hat seinen Grund. Denn unterhalb des Hängenden Klosters verlief die damalige Pilgerroute von Datong nach Wutai Shan, einem der vier heiligen Berge des Buddhismus in China. Die Reisenden machten auf dem Wege Halt im Kloster um sich dort zu erholen. Zudem verläuft unterhalb der Steilwand der Fluss Hun, der bei heftigem Regen schnell über die Ufer trat. Da die meisten Chinesen abergläubisch waren – und heute immer noch sind – dachten sie, man könne durch die Errichtung eines Tempels, der auf die davor liegende „Schlucht des Goldenen Drachen“ (Jinlongxia) blickt, den Fluss besänftigen und sich gleich selbst vor Fluten und vor Feinden schützen. (weiterlesen …)



















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