Reportage

Tourtagebuch von Ulrike Löhrl: Shangri-La, Lhasa

13. August 2010 veröffentlicht von Jan Kammann
Potala Palast in Lhasa

Potala Palast in Lhasa

Unsere Mitarbeiterin Ulrike Löhrl ist angelangt im Paradies auf Erden und will dennoch immer höher hinaus. Sie war in Shangri-La auf dem Holzweg und ist nun auf dem Weg auf das Dach der Welt. Die tibetsiche Hauptstadt Lhasa bildet den Ausgangspunkt für ihre Entdeckungstour durch das faszinierende Land.

Nach einer Nacht im 3.400 m hoch gelegenen Shangri-La habe ich mich an die Höhe gewöhnt und begab mich auf den Holzweg. Genauer auf den Bohlenweg um den Shudu See im Pudacuo Nationalpark. Naturgemäß ist es früh morgens auf dieser Höhe etwas kälter, sodass viele meiner Mitreisenden sich in rote Daunenmäntel hüllten. Aus der Ferne sah es dann so aus, als bewege sich auf dem Pfad eine endlose Schlange aus fröstelnden Gestalten in roten Schlafsäcken. Mittags war ich froh, auf diese Maßnahme verzichtet zu haben, denn je höher die Sonne stieg, desto wärmer wurde es. Mäntel wurden zu umständlichen Handgepäck, T-Shirts waren nun angemessen.

Etwas kurios erschien mir auch die Angst vieler Chinesen vor der Höhenkrankheit. Viele waren ausgerüstet mit Sauerstofflaschen, aus denen sie regelmäßig tiefe Züge nahmen. Ich selbst hatte mit der Höhe während der Wanderung keine Probleme. Alles geht etwas langsamer vonstatten – aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

Im Park bewegt man sich entweder in Shuttle-Bussen oder auf eben diesen Bohlenwegen – bei Gegenverkehr lernt man hier schnell, sich durchzusetzen. Oft gehen chinesische Reisende in 2er oder gar 3er Gruppen nebeneinander, ohne dem Gegenverkehr Platz zu machen. Da heißt es dann resolut sein, ansonsten kommt man schnell mal vom rechten Weg ab. Weiterhin auffällig ist, dass viele Touristen es nicht lassen können, sich demonstrativ hinter den ‚Betreten des Graslandes verboten‘-Schildern fotografieren zu lassen. Na ja, was soll’s? Ich lasse das einfach mal unkommentiert…

Insgesamt war der Nationalpark ein wahres Highlight meiner bisherigen Reise. Die naturbelassene Hochgebirgslandschaft ließ mein Herz höher schlagen und ich fuhr zufrieden wieder ins Hotel.

Am Abend war Showtime. ‚Dream Shangri-La’ ist eine wunderschöne Erfahrung, wenn man erleben möchte, wie chinesische Touristen sich amüsieren. In der Show wurden tibetische Tänze und Gesänge zum Besten gegeben. Vorgetragen von einer Mädchengruppe und einer lokalen Boygroup, die den Saal mit ihrem Outfits, bestehend aus schwarzen Muskelshirts, Jeans und schwarzen Lederstiefeln, zum Toben brachten. Das Publikum bekam Tsampa (Gerstenbrei), Buttertee, tibetischen Käse und Gerstenschnaps serviert. Der Abend war allemal ein interessantes Erlebnis – mit einem Wermutstropfen: Am Ende taten mir die Ohren weh, denn die Boxen waren bis zum Anschlag aufgedreht.

Mir dröhnten also die Ohren und folgerichtig verfolgte mich dieses Erlebnis bis in meine Träume. Allerdings nur bis 5.45 Uhr. Dann erklang schon der Weckruf, denn jetzt ging es mit dem Flugzeug weiter nach Lhasa.

Allein der Flug war schon atemberaubend. Wir schwebten über eine geschlossene Wolkendecke, aus denen manchmal die mächtigen Gipfel des Himalayas herausragten. Je weiter wir nach Westen kamen, desto mehr lockerte die Bewölkung auf – am Ende hatte ich freie Sicht auf die weltweit wohl schönste Gebirgslandschaft: Berge, Schneefelder, graue Gletscherzungen und etwas tiefer kleine Weiler mit terrassierten Feldern. Der Anblick ist atemberaubend, stimmt aber auch nachdenklich: Wie lebt es sich in dieser Abgeschiedenheit in solch einer Höhe? Würde ein Tibeter sagen, sein Leben ist hart? Alles Fragen, von denen ich hoffe, sie in den nächsten Tagen beantworten zu können.

Nach der Landung wurden wir abgeholt von einem netten tibetischen Reiseleiter, der wunderbar Deutsch spricht. Für 8 Tage wird er unser Begleiter sein in seinem faszinierenden Heimatland.

Soweit erstmal. Ich bin gespannt auf die kommenden Tage und werde weiter berichten.

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