Reportage

Der etwas andere Reisemarkt

21. September 2010 veröffentlicht von Jan Kammann

Haus der Spezialisten on tour

Am Sonntag fand im Hamburger Yu-Garten in der Feldbrunnenstraße ein bunter Reisemarkt statt. Das Ambiente chinesisch, die Atmosphäre weltoffen. Zu dieser Veranstaltung hatte das Haus der Spezialisten geladen, der Dachverband abenteuerlustiger Reisefüchse.

Viventura entführte Interessierte nach Südamerika, Nomad nach Arabien, Zentralasien, Nord- und Zentralafrika und mit Travel To Nature konnten Besucher sich nach Mittelamerika und darüber hinaus aufmachen. Mit Comtour waren leidenschaftliche Indienkenner vor Ort und Venter Tours klärte über Reisen ins südliche Afrika auf. Selbstverständlich war auch China Tours mit einem Stand auf dem Markt und brachte Licht in das geheimnisvolle Reich der Mitte.

Doch damit nicht genug – für viel gute Laune sorgte das besondere Rahmenprogramm. Spannende Vorträge, die die Zuhörer detailreich und anschaulich in abgelegene Regionen der Erde entführten waren genauso dabei wie praktische Sprach- und Kochkurse.

Besonderer Beliebtheit erfreute sich ein Sari-Wickelkurs: Neugierige konnten lernen, wie das indische Stoffungetüm korrekt und stilvoll angelegt wird, damit es zu diesem würdevollen Kleidungsstück wird. Nach anfänglicher Unbeholfenheit, schritten kurzer Zeit später viele Schönheiten, gewandet in das indische Traditionskleid, durch die original chinesischen Pavillons des Hamburger Yu-Gartens.

Südamerikanisch ging es zu beim Cocktailmischen: Gemixt wurde der Pisco Sour auf Basis des peruanischen oder chilenischen Traubenschnapses Pisco – eindeutig zuordnen kann man die Herkunft des Getränks nicht, in beiden Ländern gilt es als Nationalgetränk. Das ist auch nicht so wichtig – Hauptsache ist, es schmeckt. Und das tat es. Drei Viertel Schnaps, je ein Viertel Eiweiß, Zuckersirup und Limettensaft geben einen erfrischenden Eindruck der südamerikanischen Cocktailkultur.

Wer es im Anschluss an das feucht-fröhliche Getränkemischen etwas ruhiger angehen lassen wollte, war herzlich eingeladen, sich beim Tai-Chi zu entspannen. Der Hamburger Ken Morinaga ist ein wahrer Meister seines Fachs und sorgte für einen ausgeglichenen Energiefluss im gesamten Yu-Garten.

Zu essen gab es natürlich auch: Gereicht wurden leckere Frühlingsrollen und Dim Sum, kleine gedämpfte Happen, die so typisch sind für chinesische Teehäuser.

Das absolute Tageshighlight bildete eine Modenschau der anderen Art. Eine Schar von Models präsentierten die Haute Couture der Kaffee-Moden. Sie präsentierten den letzten Chic des Designers Thomas Noack aus Leipzig, der die Kaffeeregale der Republik nach den aktuellsten Farbtrends durchstöbert hat. Herausgekommen ist eine Kollektion voller Überraschungen – mit einer eindeutigen Tendenz zur Rückkehr in die Antike. Gekonnt kombiniert der Stardesigner das Beste aus dem alten Rom, Ägypten und den Höfen des aristokratischen Europas – herausgekommen ist der letzte Schrei des neuen Jahrtausends. Zweifellos kann man sagen, dass mit Noack ein heller Stern am Modehimmel im Begriff ist aufzugehen.

Diese Show war schwer zu toppen und so gaben viele Besucher sich den Zerstreuungen am Rande des Reisemarktes hin. Es konnte China-Quartett gespielt werden gegen einen ausgewiesenen Kenner des Reichs der Mitte, der behauptete er sei unschlagbar in dem von ihm erfundenen Spiel. Das erwies sich als Trugschluss – er musste seine Wettschulden einlösen und einigen Mitarbeitern von China-Tours ein Exemplar des ansprechend gestalteten Spiels kostenlos überlassen.

Für nette Abwechslung sorgte auch die Pekinger Karikaturistin Ting Zhao, die auf Wunsch hochwertige und augenzwinkernde Porträts der Besucher anfertigte. Genauso kunstfertig übte die Kalligraphin Fang Fang ihr Handwerk aus – sie transferierte die Silben der Namen von Interessierten in chinesische Schriftzeichen und verhalf ihnen so aus der Namenlosigkeit im Reich der Mitte.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Veranstaltung viele Fassetten vieler ferne Länder abbildete – und das nicht in Form einer profanen Verkaufsveranstaltung, sondern in einer gekonnt und niemals kitschig wirkenden Art und Weise. Der Markt hat Lust gemacht auf Reisen in exotische Länder und Interesse geweckt am Leben der Menschen in den verschiedensten Regionen der Welt.

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