Kolumne

Augenblick, China: Die Legende eines großen Dichters

22. Juni 2012 veröffentlicht von Anne Gonschorek

Es war einmal… ein großer chinesischer Dichter namens Qu Yuan (屈原).

Vor langer langer Zeit (ca. 340 v. Chr. – 278 v. Chr.) als die Reiche im alten Kaiserreich China noch im Streit lagen, galt Qu Yuan als aristokratisches Mitglied des Königshauses von Chu. Er hatte ein gutes Leben, denn er besetzte einen hohen Posten am Hofe des Königs Huai.

Der König allerdings war ehrgeizig. Er wollte sein Reich erweitern und führte eine Reihe von grausamen und ruchlosen Kriegen. Qu Yuan aber war von großem Patriotismus und Edelmut und hielt nicht viel von seines Königs niederen Methoden. Eines Tages sprach er sich gegen die übermäßige Gewalt der Truppen aus und spielte so seinen politischen Rivalen in die Hände.

Es dauerte auch gar nicht lang, bis diese ihr Netz aus Intrigen gesponnen hatten, Qu Yuan des Verrats bezichtigt hatten und ihn seines Amtes entheben ließen. Der große Dichter wurde ins Exil verbannt.

Zongzi Reistaschen

Zongzi Reistaschen

Die Legende besagt, dass der Ungnade geratene Poet daraufhin jahrelang durch die Weiten Chinas zog und seine Geschichten, Legenden und Volkslieder sammelte. Das Schicksal seiner noch immer von Kriegen zerrissenen Heimat vor Augen, haderte der Patriot mit seinem Leben und stürzte sich am fünften Tag des fünften Mondes in den Fluss Mi Lo in Hunan.

Die Fischer des nahen Dorfes sahen in Qu Yuan’s Einfluss ihre einzige Chance zu einer Landreform. Laut Legende lieferten sie sich deshalb ein Wettrennen, um ihn vor den Fluten zu retten. Mit lauten Trommelschlägen versuchten sie, die gefährlichen Fische zu vertreiben, doch umsonst. Die gefräßigen Flussbewohner näherten sich dem Körper des Dichters immer mehr.

Die schlauen Fischer warfen deshalb ihre mit Reis gefüllten Blätter ins Wasser, um die Fische abzulenken. Leider jedoch war es für den Dichter schon zu spät.

-Es gibt unzählige Geschichten und Legenden über den Ursprung des Drachenbootfestes. Das auch Duan Wu Fest (端午節) genannte Spektakel ist eines der wichtigsten Chinas und fällt (ob nun wegen des Dichters oder nicht) jedes Jahr auf den fünften Tag des fünften Mondmonats nach dem traditionellen chinesischen Kalender.

Dieses Jahr fiel der Feiertag auf den 22. Juni und beschert uns hier im Land der Mitte nun ein langes Wochenende. Ich beschwere mich nicht und genieße einfach die legendären Reistaschen, die es jetzt in Hülle und Fülle zu genießen gibt: Zongzi.

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2 Antworten zu “Augenblick, China: Die Legende eines großen Dichters”

  1. Ein sehr interessanter Einblick in die Welt der Chinesen. Ich selber war nur einmal vor einigen Jahren in HongKong, leider die Hafenstädte von China nur von See aus gesehen. Aber der damalige Eindruck war faszinierend, dieses Land hat immer noch Geheimnisse die man entdecken muss.

  2. Anne Gonschorek sagt:

    Sehr geehrter Herr Becker,

    Freut uns sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat! Ich stimme Ihnen vollkommen zu, China ist voller Sagen und Legenden, die noch heute eine große Bedeutung haben. Das wird nicht nur beim Drachenbootfest, sondern auch durch Traditionen wie das Dixitheater oder selbst durch einen Besuch beim Wahrsager deutlich.

    Ich hoffe, Sie finden bald noch einmal Gelegenheit, China zu besuchen!

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