Xi’an: Ursprung der Seidenstraße und das Erbe des ersten Qin-Kaiser Teil 2

Im ersten Teil des Xi’an-Berichts lag der Fokus auf den sehr sehenswerten Kulturstätten außerhalb der chinesischen Provinzhauptstadt Xi’an 西安. Es wurden unter anderem die Terrakotta-Armee 兵马俑 und die Huaqing-Quellen 华清池 vorgestellt. Allerdings bietet auch das Stadtinnere viel Sehenswertes. So finden beispielsweise das Shaanxi Geschichtsmuseum 陕西历史博物馆 der Hauptstadt von Xi’an, der Glockenturm 西安钟楼 und auch die örtliche Küche ihren Platz in der Fortsetzung dieses Berichts.

Die antike Geschichte der Provinz Shaanxi

Das 1983 fertiggestellte Geschichtsmuseum der chinesischen Provinz Shaanxi ist als „AAAA“-Touristenattraktion klassifiziert und öffnete 1991 erstmals seine Türen. Das Gebäude spiegelt den Baustil der vergangenen Tang-Dynastie 唐朝 wieder und untergliedert sich im Innern in verschiedene Ausstellungsräume. Die Anordnung der Gebäude ähnelt dem Aufbau einer Haupthalle und vier dazugehörigen Hallen, die in der Antike der Ahnenverehrung dienten. Die Fläche des Museums beträgt 65.000m², von denen 55.600m² durch das Gebäude eingenommen werden. Davon veranschlagen die Ausstellungshallen 11.000m² und der Speicher mit Kulturrelikten 8.000m². Eine Sammlung von 370.000 Kulturrelikten befindet sich im Besitz des Museums, angefangen vom ersten von Menschenhand verwendeten Stein bis hin zu allen erdenklichen Werkzeugen und Erzeugnissen der Gesellschaft vor 1840.

Damit deckt die im Museum behandelte Zeitspanne mehr als eine Millionen Jahre ab, die maßgeblich für die Entwicklung der Provinz Shaanxi 陕西省 und des chinesischen Reichs beteiligt waren. Mitunter können sich die Besucher Bronzeerzeugnisse der Shang 上, Terrakotta-Skulpturen und –Vasen verschiedener Sorten und Formen, Gold- und Silberwaren der Han- 汉朝 und Tang-Dynastie wie auch Wandmalereien der Tang-Gräber ansehen. Vieles davon gilt dabei als einzigartig. Durch die vielfältigen und zahlreichen Materialien, wie auch ausführlichen Erklärungen zu den Relikten und Städteentwicklungen, ganz besonders der Stadt Xi’an, lernt der Besucher die chinesische Kultur und Sprache aus einem ganz neuen Blickwinkel kennen.

Shaanxi Geschichtsmuseum

So zeichnete sich die Stadt Xi’an, in der Antike Chang’an 长安, durch eine ordentlich quadratisch strukturierte Aufteilung aus. Im Osten der Stadt befand sich der östliche Markt 东市, im Westen befand sich der westliche Markt 西市. Besonders interessant daran ist, dass aus dieser Aufteilung heraus das chinesische Wort für „Sachen, Dinge“ 东西 oder der Ausdruck „Sachen kaufen“ 买东西 entstand. Denn ursprünglich hieß dongxi 东西 eben nur „Ost und West“.

Ein kleiner Tipp für alle Besucher: Täglich bietet das Museum 4.000 kostenlose Tickets an, die wie gewohnt an der Kasse erstanden werden können. Die Besucher müssen lediglich ihren Personalausweis oder Reisepass vorzeigen. Allerdings können vor 14 Uhr nur 2.500 Tickets erworben werden. Die restlichen 1.500 Tickets stehen dann am Nachmittag zur Verfügung.

Der Glocken- und Trommelturm

Im Stadtkern innerhalb der Stadtmauern und somit im Altstadtbereich befindet sich der antike Trommelturm 西安鼓楼. Dieser wurde 1380 während der Ming-Dynastie 明朝 (1368-1644) errichtet. Sein Pendant, der Glockenturm 西安钟楼, wurde 1384 fertig gestellt. Wie in jeder antiken Stadt dienten die beiden Türme der Zeitangabe. Die Glocke des Glockenturms ertönte zur Morgendämmerung und die Trommel des Trommelturms zur Abenddämmerung. Auch der Glockenturm befindet sich im Zentrum Xi’ans und beide Türme verbinden die vier Hauptstraßen von Westen, Norden, Osten und Süden. Die Türme bieten ähnlich wie die Stadtmauer einen wundervollen Ausblick auf die Stadt Xi’an. Durch seinen Standort bedingt erlaubt der Trommelturm zusätzlich einen hervorragenden Blick auf die muslimischen Viertel.

Der Glockenturm ist das größere der beiden Gebäude, nimmt eine Fläche von 1.377m² ein und misst eine Höhe von 40 Metern. Das Konstrukt wird von verschiedenen Legenden umgeben. Eine davon erzählt eine Geschichte aus der Ming-Dynastie, zu dessen Zeit mehrere Erdbeben das Guanzhong-Areal 关中 erschüttert haben. Tausende Menschen wurden verletzt und getötet. Der Legende zufolge sei ein Drachen die Ursache für die Beben. Dieser lebte in einem großen Fluss, der durch das Zentrum der Stadt Xi’an floss. Ein Beamter der Stadt schenkte den Worten Glaube und ordnete alle Schmiedestätten der Stadt an, eine mehrere tausend Meter lange Kette zu schmieden. Mit dieser wollte der Beamte den Drachen anketten und auf den Boden des Flusses sinken lassen. Daraufhin rief er 5.000 Handwerker zusammen, um den beschädigten Glockenturm bei Tag und bei Nacht zu reparieren und damit den Drachen zu bezähmen. Er glaubte fest daran, so die Drachenfamilie unterdrücken und damit die Erdbeben vermeiden zu können.

Nach der Fertigstellung des Glockenturms traten nie wieder Erdbeben auf. Die Geschichte mag sich fantastisch anhören, doch ist es unumstritten. Gerade bei Nacht sind sie besonders sehenswert und geben eine imposante Ausstrahlung von sich. Hell erleuchtet ragen sie im Stadtzentrum empor und Menschenmassen sammeln sich zur späten Stunde um sie. Darunter befinden sich Touristen, Händler und Paare, die einfach den Anblick zu zweit genießen wollen.

Glockenturm Xian

Die traditionelle Küche

Selbstverständlich weiß auch eine so kulturreiche Stadt wie Xi’an mit lokalen kulinarischen Spezialitäten zu überzeugen. Anders als im Süden Chinas, haben sich in diesem Teil Chinas Teigwaren als Hauptspeisen etabliert. Allerdings führte auch die Tatsache, dass Xi’an die Gründungsstätte der Seidenstraße ist, dazu, dass die Stadt Einflüsse vieler verschiedener Kulturen erfuhr, die ebenfalls die Küche beeinflusst haben. Kein Wunder, dass die Speisen nicht nur mit leckeren, sondern auch vielfältigen Gerichten Lust auf mehr machen.

Die muslimischen Einflüsse sind in Xi’an besonders groß. Mitunter etablierte sich die Speise Yangrou Paomo 羊肉泡馍 in der Vergangenheit als traditionelles Gericht der Shaanxi-Hauptstadt. Es handelt sich dabei um eine Art Nudelsuppe, in der sich keine Nudeln, sondern kleine Teigklümpchen befinden. Die Teigklümpchen ähneln optisch einer kleineren Ausgabe der chinesischen Mantou 馒头. Diese werden zusammen mit Lammfleisch in einer Lammbrühe gekocht. Anschließend wird das Gericht gemeinsam mit einer scharfen Chili-Soße und eingelegten Knoblauchzehen serviert.

Eine Alternative dazu ist das Niurou Paomo 牛肉泡馍, bei der Rind- statt Lammfleisch genutzt wird. Ein weiteres traditionelles Gericht sind die Liangpi 凉皮. Wörtlich übersetzt heißt das Gericht „Kalte Haut“, obwohl keinerlei tierische Produkte verarbeitet werden. Es handelt sich um ein Nudelgericht, das wahlweise aus Weizen oder Reis gefertigt wird. Das Gericht wird kalt serviert. Die Soße, in der die Nudeln eingelegt sind, kann dabei alle möglichen Geschmacksrichtungen von sauer bis süß abdecken.

Obwohl diese beiden Gerichte schon äußert schmackhaft sind, soll noch ein dritter Leckerbissen erwähnt werden, die Roujiamo 肉夹馍. Manche Händler titulieren es selbst als chinesischen Hamburger, da das Prinzip ähnlich ist. Tatsächlich kann es simpel mit „Fleischburger“ oder „Fleischsandwich“ übersetzt werden. Mit geschmortem Schweinefleisch, welches sich zwischen zwei leckeren Brothälften befindet, klingt das Essen sehr einfach. Dennoch überzeugt es durch seinen geschmacklichen Charakter und ist ein gern gesehener Snack für zwischendurch.

Liangpi

Fazit

Außerhalb von Xi’an lassen sich zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten mit dem Prädikat „wertvoll“ vorfinden. Die Terrakotta-Armee wie auch die Huaqing-Quellen wurden von der China National Tourism Administration mit dem Siegel „AAAAA Scenic Area“ ausgezeichnet. Mit den heißen Quellen werden aber auch den Genießern der körperlichen Erholung Möglichkeiten geboten, Xi’an auf eine sehr erholsame Art und Weise wahrzunehmen. Mit dem Ausblick auf die Stadtmauer der Provinzhauptstadt wird allerdings deutlich, dass auch die Innenstadt mit historischen und beeindruckenden Sehenswürdigkeiten aufwarten kann. Weitere Beispiele dafür sind unter anderem das Geschichtsmuseum und der Glockenturm. Aber auch die lokale Küche lädt immer wieder zu einem Besuch ein. Mit Einflüssen verschiedener Kulturen und somit ebenfalls als Produkt der Seidenstraße, verwöhnen kulinarische Köstlichkeiten der Provinz Shaanxi die Gaumen der Besucher mit Leckerbissen für Zwischendurch. Aber auch aufwändige Gerichte nach traditioneller Art der Provinz Shaanxi 陕菜 sind zu finden. Genauso wie Xi’an ein Quell für Kultur, Geschichte und Tradition ist, ist es genauso ein Teil des wertvollen antiken Zahnrades, welches China zu dem gemacht hat, was es heute ist.

 

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Patrick Müsker

Verfasst von

Sinologe M.A., Übersetzer, Interkulturelle Beratung, Delegationsbetreuung, Blog-Redakteur
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