Die 4 heiligen Berge des Buddhismus

Im chinesischen Buddhismus werden die vier großen berühmten buddhistischen Berge 四大佛教名山 als heilig verehrt. Jedem dieser Berge werden spezifische Attribute, wie Wandlungsphasen, Metalle und Bodhisattvas („Erleuchtungswesen“) zugeordnet. Zusammen mit den fünf heiligen Bergen des Daoismus gelten die insgesamt neun Berge als die wichtigsten in China. Bereits seit dem 8. Jahrhundert werden in China umfassende Monographien über Berge aufgezeichnet und archiviert. Sie haben in China eine wichtige symbolische Funktion, da sie als Mittler zwischen Himmel und Erde fungieren. Sie stehen ebenfalls als Sinnbild für den Eremiten, der sich zur Meditation aus dem öffentlichen Leben in die Bergregionen zurückzog.

Geschichte des Buddhismus

Der Buddhismus hat eine lange Tradition und gilt als eine der drei philosophischen und religiösen Hauptströmungen in China. Bereits im 2. Jh. unserer Zeitrechnung ist der Buddhismus erstmals von Indien nach China gelangt und hat dort große Popularität erlangt. Die zwei Hauptrichtungen des Buddhismus sind der Theravada und das Mahayana, wobei sich im Laufe der Zeit viele Unterformen mit verschiedenen Wegen zur Erleuchtung herausgebildet haben. Ziel der buddhistischen Praxis ist jedoch in allen Schulen des Buddhismus dasselbe – durch die Überwindung aller irdischen Leidenschaften das Nirvana („Erlöschen“) zu realisieren. Laut Theorie entkommt der Mensch auf diese Weise dem Kreislauf der ewigen Wiedergeburten und kann die Buddhaschaft realisieren.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden auf den vier heiligen Bergen des Buddhismus und an anderen Orten zahlreiche buddhistische Tempelanlagen und Klöster errichtet. Zur Zeit der Kulturrevolution wurden leider viele der jahrhundertealten Gebäude zerstört und die Ausübung der buddhistischen Religion verboten. Seit den 1980er Jahren jedoch konnten viele Klöster und Tempel wieder aufgebaut werden und der Buddhismus erfreut sich wieder großer Beliebtheit. Er ist, nach dem Christentum, dem Islam und dem Hinduismus, mit etwa 400 bis 500 Millionen Anhängern, die viertgrößte Religion der Welt. Heute gibt es in China etwa 20.000 buddhistische Klöster und Tempel sowie 200.000 praktizierende Mönche und Nonnen.

Der Chan-Buddhismus

Eine der bekanntesten buddhistischen Unterformen ist der Chan-Buddhismus, der sich in Japan später als Zen-Buddhismus etablierte. Die Schule des Chan-Buddhismus soll im 6. Jh. von dem indischen Mönch Bodhidharma im weltweit berühmten Shaolin-Kloster 少林寺 begründet worden sein. Er leitete die neue Schule aus dem Mahayana-Buddhismus ab und brachte auch daoistische Elemente in die Lehre ein. Hauptmerkmal des Chan-Buddhismus ist die umfassende Selbstbetrachtung und Sitzmeditation, die den Praktizierenden zur Erleuchtung führen soll.

Laut einer Legende soll der Mönch Bodhidharma den Tee erschaffen haben. Aufgrund der tagelangen Meditation seien ihm die Augenlider häufig zugefallen, weshalb er sie abgerissen und fortgeworfen haben soll. An der Stelle wo diese auf die Erde trafen, soll eine Teepflanze gewachsen sein. Aus diesem Grund wird Bodhidharma in der Kunst oft mit deutlich hervortretenden Augen dargestellt.

1. Wutai Shan: Residenz des Bodhisattva Manjushri 

Der Wutai Shan 五台山 („Berg der fünf Terrassen“) liegt in der nordöstlichen Provinz Shanxi. Es handelt sich um eine Gebirgskette mit fünf Hauptgipfeln, von denen der 3058 Meter hohe Nordgipfel Beitaiding 北台顶 („Spitze der Nordterrasse“) der höchste ist. Da sich auf den Hängen des weitläufigen Wutai-Gebirges insgesamt 53 Tempel und Klöster verteilen, gilt die Region nicht nur in China, sondern in vielen Teilen Asiens als beliebtes Pilgerziel. Zu den wichtigsten und bekanntesten Tempeln zählen der Nanshan-Tempel 南禅寺 sowie der Foguang-Tempel 佛光寺. Beide Tempel blicken auf eine lange Geschichte zurück und weisen in ihrer Bauweise einzigartige Holzkonstruktionen auf, die bis in die Tang-Zeit (618-907) zurückreichen. Der Wutai Shan wurde im Juni 2009 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Auf dem Wutai Shan wird der Bodhisattva Manjushri (chines. Wen Shu 文殊), auch bekannt als Buddha der Weisheit, besonders verehrt. Häufig wird dieser mit einem Schwert in der rechten und einem Buch in der linken Hand dargestellt. Das Schwert steht für die Methode – das männliche Prinzip und das Buch steht für Weisheit – das weibliche Prinzip. Er hilft den Menschen dabei, die Unwissenheit zu überwinden und Weisheit zu erlangen.

2. Putuo Shan: Heimat des Bodhisattwa Guanyin

Das Putuo Gebirge 普陀山 erhebt sich auf der Insel Putuo, die zur Inselgruppe Zhoushan gehört und in der Nähe von Shanghai in der Provinz Zhejiang liegt. Der höchste Gipfel der rund 12 Quadratkilometern großen Insel ist der knapp 300 Meter hohe Foding Shan 佛顶山 („Buddha-Gipfel“), von welchem sich den Besuchern eine atemberaubende Aussicht auf das Meer und die umgebenden Inseln bietet. Auf dem Gipfel des Berges befindet sich außerdem einer der drei größten Tempel der Insel, der Huijichan-Tempel 慧济禅寺 aus dem 18. Jahrhundert.

Dem Putuo Shan ist der Bodhisattwa Guanyin 观音, der Bodhisattwa der Gnade und des Mitleids, zugeordnet. Guanyin ist eine Manifestation des Bodhisattwa Avalokiteshvara, der in insgesamt 33 verschiedenen Manifestationen vorkommen kann. Guanyin wird in China auch als Göttin verehrt und ist eine Abkürzung für Guanshiyin 观世音, was übersetzt „die Töne der Welt wahrnehmend“ bedeutet. Sie besitzt die Kraft, die Schreie und Klagen der unerlösten Lebewesen zu vernehmen und hilft ihnen auf dem Weg zur Erleuchtung.

Die „Drei großen Chan-Tempel von Putuo Shan“

Eine der Hauptattraktionen der grünen Insel ist daher auch die 20 Meter hohe goldene Guanyin-Statue, die sich am südöstlichen Ende von Putuo Shan befindet. Berühmt ist die kleine Insel allerdings vor allem für ihre Vielzahl an Tempeln. Sie beherbergt insgesamt über 20 Tempel, von denen der Pujichan-Tempel 普济禅寺, der Fayuchan-Tempel 法雨禅寺 und der Huijichan-Tempel 慧济禅寺 die größten sind. Die Tempel sind in China auch bekannt als die „Drei großen Chan-Tempel von Putuo Shan“ und haben große Bedeutung für den Chan-Buddhismus.

3. Emei Shan: Höchster der vier heiligen Berge des Buddhismus

Der Emei Shan 峨嵋山 („Emporragender Augenbrauen-Berg“) liegt in der Provinz Sichuan und ist mit 3099 Metern der höchste der vier heiligen Berge des Buddhismus. Der eher ungewöhnliche Name ist auf die längliche Form des Bergrückens zurückzuführen. Der Berg befindet sich etwa 130 Kilometer südwestlich von der Provinzhauptstadt Chengdu entfernt.

Sonnenaufgang vom „Goldgipfel“

Auf dem Gipfel Jin Ding („Goldgipfel“) des Emei Shan können Besucher einen spektakulären Sonnenaufgang über einem Meer aus Wolken genießen, der auch als das „Licht Buddhas“ bekannt ist. In den Wäldern des heiligen Berges sind zahlreiche Tiere und seltene Pflanzenarten beheimatet. So gibt es dort große Vorkommen des Tibetmakaken, der sich gern mit kleinen Snacks wie Nüssen füttern lässt, die lokale Händler vor Ort verkaufen. Da der Aufstieg zum Jin Ding Gipfel ungefähr zehn Stunden in Anspruch nimmt, fahren viele Besucher mit dem Bus über die neu gebaute Straße, die bis kurz vor den Gipfel führt. Im Jahr 1996 wurde der Emei Shan in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Der Emei Shan steht in enger Verbindung mit dem Bodhisattva Samantabhadra (chines. Puxian 普贤), dem „Schutzpatron der Meditierenden“. Der Legende nach soll er auf einem weißen Elefanten mit drei Köpfen auf den Emei Shan geflogen sein. Da man annimmt, dass sich Samantabhadra auf dem Emei Shan aufhält, hat man auf dessen „Goldgipfel“ eine 48 Meter hohe goldene Statue für ihn errichtet. Die Zahl 48 steht für die 48 Gelübde des Buddha Amithaba („Buddha des grenzenlosen Lichtes“). Die Statue ist komplett mit Gold überzogen und gilt als die größte goldene buddhistische Statue der Welt.

Tempel der 10.000 Jahre

Ältester Tempel des Berges ist der Wannian-Tempel 万年寺 („Tempel der 10.000 Jahre“), der seit 2006 auf der Liste der Denkmäler der Volksrepublik China steht. Er wurde im Jahr 401 der Östlichen Jin-Dynastie durch den Mönch Mingche 明彻 gegründet. Das Tempel-Heiligtum ist die aus der Song-Zeit stammende, über sieben Meter hohe Kupfer-Statue des Bodhisattva Samantabhadra auf einem weißen Elefanten.

4. Ruhmreiche Berge: Jiuhua Shan

Das Jiuhua-Gebirge 九华山 („Neun ruhmreiche Berge“) befindet sich im Kreis Qingyang in der Provinz Anhui. Die Bergregion ist berühmt für ihre wunderschöne und naturbelassene Landschaft, in der sich über 90 jahrhundertealte Tempel und Schreine finden. Höchster Punkt des Gebirges ist der Shiwang-Gipfel mit einer Höhe von 1342 Metern. Das Jiuhua-Gebirge gilt aufgrund seiner buddhistischen Stätten, von denen ein Großteil unter Denkmalschutz steht, in ganz Asien als wichtiges Pilger- und Reiseziel.

Dizang – Beschützer der Lebewesen der Unterwelt

Viele der Tempel und Schreine in dieser Bergregion sind dem barmherzigen Bodhisattva Ksitigarbha (chines. Dizang 地藏), dem Beschützer der Lebewesen der Unterwelt, geweiht. Er ist dafür bekannt, dass er die Seelen der Verstorbenen aus der Hölle errettet. In Japan ist er unter dem Namen Jizo sehr populär und gilt dort in erster Linie als Schutzgottheit der Kinder. Am Fuße des Berges ist eine monumentale, 99 Meter hohe Bronzestatue dieses Bodhisattvas zu bewundern, die Bestandteil des 2012 errichteten, futuristisch anmutenden Dayuan Culture Parks 大愿文化園 ist.

Guoqing-Tempel auf dem Tiantai-Berg

Eine der wichtigsten Pilgerstätten des Jiuhua-Gebirges ist der Guoqing-Tempel 国清寺 („Tempel des reinen Landes“), der sich auf der Südseite des Tiantai-Berges 天台山 („Himmelsterrassen-Berg“) befindet. Der 23.000 Quadratmeter große Tempelkomplex wurde im Jahr 598, während der Sui-Dynastie erbaut und während der Regierungsperiode des Qing-Kaisers Yongzheng im 18. Jahrhundert renoviert. Der Tempel gilt als Gründungsort der Tiantai-Schule, einer Unterform des Mahayana-Buddhismus, die auf den Mönch Zhiyi (538-597) zurückgeht. Er verfügt über mehr als 600 Räume und 14 Hallen, darunter die Große Halle des Shakyamuni und die Halle der 500 Arhats („Die Würdigen“), die neben einer großen Buddha-Statue auch 18 Holz-Statuen von sitzenden Arhats beherbergt.

China_Individualreisen

Sinologin M.A., Mitarbeiterin beim Museumsdienst Köln, Blog-Redakteurin

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