Guangzhou – Die größte Stadt des Perlflussdeltas

Die größte Stadt der im Südosten Chinas liegenden Provinz Guangdong 广东省 ist in den westlichen Ländern auch als Kanton bekannt – die Rede ist von der Provinzhauptstadt Guangzhou 广州. Geografisch ist sie dem Perlflussdelta zuzuordnen und liegt in etwa 120 Km nordwestlich von Hongkong 香港 und 145 km von Macao 澳门. Im Vergleich zu den Megametropolen Peking 北京  und Shanghai 上海 ist Guangzhou die drittgrößte chinesische Stadt und gehört zu Chinas sogenannten fünf nationalen Zentralstädten, ein Terminus aus dem Jahr 2005 als Teil des Konzeptes einer Reformation der chinesischen Urbanisierung.

Über viele Jahre galt die Stadt Guangzhou als einziger chinesischer Hafen, der ausländischen Händlern den Zutritt erlaubte. Zu dieser Zeit war der Hafen auch ein gängiger und bekannter Name in Bezug auf die maritime Seidenstraße. Damals übernahm die britische Regierung die Herrschaft über die Stadt und der Hafen wurde während des ersten Opiumkrieges komplett geöffnet.

Heute ist die Region für das ganz besondere Kanton-Flair bekannt. In den Jahren 2013 bis 2015 zeichnete das Wirtschaftsmagazin Forbes Guangzhou als Stadt mit dem umfangreichsten Gewerbe aus. Allerdings wissen nicht nur die schiere Anzahl an Shops, Boutiquen und Restaurants die Touristen zu überzeugen, sondern auch die vielen Sehenswürdigkeiten und historischen Stätte.

Kanton-Tower in Guangzhou

Dem einen oder anderen ist der höchste Turm Asiens sicherlich auch als Guangzhou TV Astronomical and Sightseeing Tower bekannt. Mit seinen insgesamt 600 Metern ist er eine der spektakulärsten Sehenswürdigkeiten der Region. Doch wie der Name schon verrät, dient der Turm nicht nur als touristisches Reiseziel, sondern auch für die Funkübertragung von Fernsehen und Radio.

Um das Antlitz des Turmes noch einmal zu übertrumpfen, ziert ein horizontales Riesenrad den Turm in 450 Metern Höhe und ist somit das höchste Riesenrad der Welt. Dieses bietet unter diesen Bedingungen natürlich eine fantastische Panoramaaussicht auf die Stadt Guangzhou. Das Rad hält 16 Gondeln bereit, in die jeweils vier bis sechs Besucher Platz finden. Jede Gondel benötigt knapp 20 Minuten, um den Turm einmal zu umkreisen. Der Preis für eine solche Rundfahrt beläuft sich auf 130 Yuan, also knapp 17 Euro. Es ist allerdings anzumerken, dass dieses Ticket nicht im Preis für den Aufstieg des Turmes inbegriffen ist.

Kanton-Tower 2

Das architektonische Supermodel von Kanton

Aufgrund seiner Architektur trägt der Turm den Titel Supermodel. Die schmalste Stelle befindet sich mit 30 Metern Durchmesser auf Höhe der 66. Etage. Im Kanton-Tower befinden sich  Fernseh- und Radioanstalten, Aussichtsplattformen, rotierende Restaurants, Ausstellungsräume, Konferenzräume, Geschäfte und 4D Kinos. Des Weiteren hält das architektonische Wunderwerk für die Besucher Erlebnisbereiche innerhalb als auch außerhalb des Gebäudes bereit. Unter anderem können die Besucher sich in freigelegenen Gartenanlagen innerhalb des Konstruktes ausruhen oder die atemberaubende Sicht auf die Stadt von der offenliegenden Aussichtplattform genießen.

In erster Linie soll der Turm das Stadtbild und das Leben Guangzhous widerspiegeln. Des Weiteren dient er als Touristenmagnet und bietet diesbezüglich die bereits erwähnten Aussichtsplattformen. Diese bieten eine mehr als atemberaubende Aussicht auf die Stadt, die vor allem Nachts zu überzeugen weiß. Ein weiteres architektonisches Highlight ist sicher das geringe Gewicht des Towers, der trotz seiner Größe nur 50.000 Tonnen wiegt. Zudem wurde eine besondere Bauweise angewandt, die den Turm Erdbebenbeständig macht. Seine Bauweise hält seismische Aktivitäten auf einer Skala von 8 und darüber hinaus aus.

Auch auf technischer Ebene überzeugt das Konstrukt. Für den Transport zu den zahlreichen Ebenen dienen sechs Hochgeschwindigkeitsaufzüge, die auf einer Höhe bis zu 438 Metern arbeiten. Damit gehören sie zu den weltweit höchsten Aufzügen. Der Aufstieg erfolgt in gerade einmal 1,5 Minuten.
Kanton-Tower

Ahnentempel der Familie Chen

Neben architektonischen und hochtechnisierten Riesenkonstruktionen wie dem Kanton-Tower, gibt es selbstverständlich Gebäude, die von vergangenen Tagen Guangzhous erzählen. Eines von Ihnen ist der Ahnentempel der Familie Chen 陈家祠, der auch die Chen-Clan-Akademie genannt wird. Das Anwesen diente zu seiner Zeit der Opfergabe für die Ahnen und Studien. Heute ist es Teil des Guangdong-Museums für Volkskunst und Handwerksarbeiten, die den architektonischen Charakter Guangdongs repräsentieren sollen.

Neben dem Ahnentempel der Familie Chen gehören der Ahnentempel in Foshan 佛山市, die ehemalige Residenz des Sun Yat-sen in Zhongshan 中山市 und die Gedächtnishalle der Opium-Kriege in Dongguan 东莞市 zu den vier touristischen Sehenswürdigkeiten in der Guangdong Provinz.

Der Chen-Tempel besteht aus insgesamt neun Hallen, sechs Höfen und neunzehn Gebäuden, die alle durch Korridore miteinander verbunden sind. Im Eingangsbereich befinden sich Steintrommeln und zwei Farbbilder. Die Bilder zeigen das Abbild des Türgottes mit einer Größe von vier Metern und gelten als die Besten der Guangdong Provinz. Das Gebäude wurde im traditionellen chinesisch-symmetrischen Stil erbaut und die Haupthalle stellt das Zentrum des Tempels dar. Er wurde im Jahr 1894 fertiggestellt und der Bau wurde durch die Spenden der Chen Familie aus insgesamt 72 Landkreisen wie auch Familienmitgliedern aus Übersee finanziert.Chen Family Temple

Sun Yat-sen Gedächtnishalle

Wie bereits erwähnt, zählt die Sun Yat-sen Gedächtnishalle 中山纪念堂 mit zu den vier Hauptsehenswürdigkeiten der Guangdong Provinz. Diese liegt am südlichen Abhang des Yuexiu Berges 越秀山 und wurde in den Jahren 1929 bis 1931 errichtet. Die Architektur der Gedächtnishalle orientiert sich ebenfalls am typischen chinesischen Baustil. 1998 wurde das komplette Anwesen renoviert. Während ihrer Nutzung diente die Halle als Veranstaltungsort für Konferenzen und Festlichkeiten. Zu diesem Zweck bietet das Gebäude Platz für bis zu 1000 Personen. Im Inneren befindet sich eine Galerie, die Bilder und Briefe von Sun Yat-sen zeigt.

Auf dem Anwesen befindet sich zudem der älteste Baumwollbaum der Stadt Guangzhou, der dem Abbild eines alten Mannes ähnelt, der den großartigen Veränderungen der Stadt beiwohnt. Neben ihm sind auch die zwei größten Magnolienbäume Guangzhous zu finden. 1956 wurde die Front der Gedächtnishallte mit einer bronzenen Statue des Sun Yat-sen ergänzt.

Allen Besuchern ist ein Tagesausflug in das Sun Yat-sen Anwesen sehr zu empfehlen. So befreit der Gang vom lauten und modernen Stadtleben Guangzhous und lässt jeden Besucher am Leben dieses großartigen Mannes chinesischer Geschichte teilhaben.

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Mausoleum des Nanyue-König der westlichen Han Dynastie

In der Jiefan Bei Road Guangzhous befindet sich das Mausoleum des Nanyue-Königs der westlichen Han Dynastie 西汉南越王博物馆. Das Grab ist das älteste und größte Han-Grab und beherbergt die Grabbeigaben südlich des Nanling-Berges. Das Mausoleum gehört zu den 80 beliebtesten Museen der Welt und bedeckt eine Fläche von 14.000 m² und umfasst zehn Ausstellungshallen. Das sich 20 Meter im Erdboden befindende Grab wurde aus 750 großen Steinen errichtet, auf denen sich farbenprächtige Wandmalereien befinden. Über 1000 Kulturrelikte wurden ausgegraben und zeugen mit Bronze- und Terrakottastücken von der südchinesischen Yue-Kultur 越文化.

Ein ganz besonderes und wertvolles Stück des Mausoleums ist ein Kleidungsstück aus Jade und Seide. Gewänder mit Jadebestandteilen, die zusätzlich mit Gold, Silber oder Kupfer verbunden wurden waren keine Seltenheit. Allerdings ist dieses Stück, das aus Jade und Seide hergestellt wurde das Einzige seiner Art weltweit. Historische Aufzeichnungen über ähnliche Stücke existieren ebenfalls nicht.

Mausoleum of Nanyue King

Tempel der leuchtenden kindlichen Frömmigkeit

Im nördlichen Ende der Guangxiao Road steht ein weiteres historisches Gebäude, das zu den einflussreichsten Tempelanlagen Chinas gehört der Tempel der leuchtenden kindlichen Frömmigkeit 光孝寺. Seine Geschichte reicht mehr als 1700 Jahre zurück. Damit habe der Tempel bereits vor der Gründung der Stadt Guangzhou existiert. Das Gebäude wurde während der westlichen Han-Dynastie als Privathaus errichtet und diente als Unterrichtshalle bevor es dann vollends während der südlichen Song-Dynastie zu einem Zen-buddhistischen Tempel umfunktioniert wurde.

Die Architektur des Tempels und die Kulturrelikte überliefern die Geschichte des chinesischen Buddhismus, der Kultur, Architektur und die örtliche Geschichte der Guangdong Provinz. Der Komplex teilt sich auf in die Mahavira-Halle, die Halle der sechs Ahnen, die Samgharama-Halle, die Halle des Himmelskönigs, den östlichen und westlichen Eisenturm und die Mahakaruna Dharani Sutrensäule.

Die Mahavira-Halle wurde im Jahr 401 während der östlichen Jin Dynastie erbaut. Sie ist 25,4 Meter lang und 24,8 Meter breit. Ihre Höhe misst 13,6 Meter. Neben den bereits genannten Teilen der Tempelanlage, können weitere wundervolle Gebäude und Relikte in der Anlage besucht und betrachtet werden. Beispielsweise befindet sich in der Halle des Himmelskönigs eine 380 Jahre alte Stele, die während der Ming Dynastie beschriftet wurde.

Guangxiao-Tempel

Entdecken Sie Guangzhou auf dieser Reise!

Frühlingshaftes Südchina

 

Sinologe M.A., Übersetzer,
Interkulturelle Beratung,
Delegationsbetreuung, Blog-Redakteur

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