Viva Macau – das Las Vegas Asiens

Elvis Presley sang einst Viva Las Vegas und auch noch heute zieht es viele Touristen in die Wüste von Nevada. Sie wollen einmal in den Rausch des Glücksspiels kommen. Aber: Neben Las Vegas und Monaco kann sich auch eine chinesische Stadt zu den Casino-Zentralen der Welt zählen: Macau. Aus den Nachrichten kennen wir in der Regel Hongkong als die wohl prominenteste Sonderverwaltungszone mit einem hohen Grad an Autonomie. Dabei ist aber auch Macau erst seit 1999 wieder Teil Chinas.

Ein Land, zwei Systeme

In den 1990er Jahren war viel in China los. Erst ging Hongkong 1998 zurück an China und dann ein Jahr später Macau. Unter dem Prinzip ein Land, zwei Systeme wurden aus beiden ehemaligen Kolonien Sonderverwaltungszonen Chinas. Beiden Gebieten wird seitdem weitestgehend Autonomie gewährt, dennoch gehören sie zur Volksrepublik China. Für die Außen- und Verteidigungspolitik ist Beijing zuständig und den Rest können die Macanesen selber regeln. So fühlen sie sich auch ganz wohl mit ihren Freiheiten.

Dabei wollte China Macau damals eigentlich gar nicht zurück – zumindest noch nicht. 1949 verlangte China zwar nach Macau, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Erst nach den prokommunistischen Aufständen von 1966 wollte Portugal Macau zurück an China geben. Doch China lehnte ab – genau so wie 1974. Man wollte sich zuerst um Hongkong kümmern.

Die Bank gewinnt immer

Bevor ich gleich aber auf die portugiesischen Überbleibsel eingehe, komme ich zunächst zu dem Überraschenden an Macau. Denn während auf dem Festland das Glücksspiel verboten ist, wird in Macau gezockt wie die Weltmeister. Egal ob chinesische Casinos oder amerikanische Ableger: Hier kann man so ziemlich alles spielen, was das Spielerherz begehrt und dazu noch ein paar chinesische Variationen. So gut kenne ich mich damit aber auch nicht aus. Für jemanden, der noch nie in einem Casino war, war das doch eine sehr beeindruckende Sache. Und immer stellte ich mir die Frage, was die Menschen hier an den Spieltischen und Automaten so fasziniert, denn am Ende gewinnt doch eh die Bank. So habe ich es zumindest gelernt. Zu den Glücksspiel-Touristen gehören zu einem Großteil Festlandchinesen und Hongkonger, aber ab und zu gesellt sich dann auch eine westliche Langnase zu den Spielrunden.

Macau: Casino Lisboa/ Foto: Frederik Schmitz
Casino Lisboa

Aber nicht nur in Casinos kann in Macau gewettet werden, sondern auch in der Arena. Ist in Hongkong die Pferderennbahn the place to be, war dies in Macau einst die Hunderennbahn. Auch immer noch rennen hier Hunde um die Wette, aber Proteste zeigen ihre Wirkung und die Rennen werden von Jahr zu Jahr weniger und stehen wohl kurz vor dem Aus, wie es mir ein Taxifahrer auf dem Weg zur Area versicherte.

Ruínas de São Paulo

Wer schon einmal in Portugal war, der wird hier einiges wiedererkennen. Die portugiesische Kolonialzeit hat in Macau unübersehbare Spuren hinterlassen. Architektonisch erinnert recht wenig an China, sondern eher an Lissabon oder andere Städte in Portugal. Die Architektur Macaus trägt ganz klar die portugiesische oder wenn man so will europäische Handschrift. Wären da nicht die Chinesen und die chinesischen Beschriftungen an den Häusern. Weiter findet sich an jeder Ecke auch portugiesisches Bier und die berühmten Pastéis de Nata – ein Muss eines jeden Portugal-Urlaubs.

Macau: Pasteis de Nata/ Foto: Frederik Schmitz
Pasteis de Nata

Wahrzeichen Macaus ist die Fassade der Pauluskirche oder São Paulo auf Portugiesisch. Gemeinsam mit dem historischen Zentrum gehört die Fassade seit 2005 zum UNESCO Weltkulturerbe. Als die Jesuiten 1565 erstmals nach Macau kamen, um das Christentum zu verbreiten, errichteten sie 1594 die erste westliche Universität im Fernen Osten. Die bekannten Jesuiten Adam Schall von Bell und Matteo Ricci lernten hier einst die chinesische Sprache, bevor sie an den chinesischen Kaiserhof nach Beijing gingen, um im Dienste des Kaisers zu arbeiten. Auf dem Grundstück der Universität wurde von 1602-1640 die Pauluskirche errichtet. Nachdem sich die Jesuiten 1762 zurückgezogen hatten, übergaben sie die Einrichtungen an bereits 1517 angekommene Portugiesen. Ein großes Feuer 1835 zerstörte fast das gesamte Areal. Nur die Fassade blieb stehen – bis heute. 1887 erkannte dann die Qing-Regierung das Recht Portugals auf eine dauerhafte Besetzung an.

Macau: Ruínas de São Paulo/ Foto: Frederik Schmitz
Ruínas de São Paulo

Bacalhau à Brás & Co

Auch kulinarisch kann man in Macau einen kleinen Schlenker nach Portugal machen. Eine Reihe von Restaurants bietet hier eine Vielzahl typischer portugiesischer Gerichte. Sei es das Bacalhau à Brás oder Hähnchen Piri Piri. Es sind westliche Restaurants, die oft auch schon zur Zeit der portugiesischen Besetzung ihre Landsleute mit Köstlichkeiten aus der Heimat versorgten.

Macau: Bacalhau à Brás/ Foto: Frederik Schmitz
Bacalhau à Brás

Macau ist eine kleine europäische Enklave im tiefsten Asien. Mit dem Schnellboot ist man in kürzester Zeit dort. Aus dem Hafen herausgetreten fühlt man sich plötzlich nicht mehr wie in Asien, sondern zurück in Europa. Bei all der europäischen Kultur sind die Macanesen doch deutlich chinesischer als die Hongkonger. Morgens trifft man sich zur Frühgymnastik und kaum einer rennt im Nadelstreifenanzug über die Straße.

Ist man eh gerade in Hongkong unterwegs, sollte man unbedingt einen Abstecher nach Macau planen. Hier genügt auch schon ein Tag. In Macau kann man sich auch etwas von der Größe und der Hektik der Metropole Hongkong erholen. Die Zeit tickt hier noch etwas langsamer und gemächlicher. Man trifft sich in Parks und schlendert durch die Stadt. Aber aufgepasst: Bitte nicht das letzte Boot zurück nach Hongkong verpassen!

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