Das Mondfest – Wie Chang’e zum Mond flog

Ein jedes Jahr, kurz nach dem chinesischen Nationalfeiertag, wird in China das Mondfest gefeiert. Zhongqiujie, wie es auf Chinesisch heißt, ist in der Bedeutung für die chinesische Kultur vielleicht nicht direkt mit dem Frühlingsfest vergleichbar, aber liegt mindestens knapp dahinter. Aber wie kommt es, dass heute in China ein Fest alleine für den Mond gefeiert wird und auch andere chinesisch geprägte Länder wie Korea und Vietnam dieses Fest feiern?

Die Pille der Unsterblichkeit

Mehrere Legenden ranken sich um die Figur Chang’e und überall wird sie ein bisschen anders erzählt. Hier meine Version, die ich in China im Unterricht einmal auswndig lernen musste.

Chang’e, eine wunderschöne junge Frau und Houyi lebten auf der Erde. Als eines Morgens nicht eine Sonne, sondern gleich zehn Sonnen aufgingen, drohte die Erde unterzugehen. Houyi, ein ausgezeichneter Bogenschütze, machte sich auf einen Berg und schoss von dort aus neun der zehn Sonnen vom Himmel und das Unheil war abgewandt.

Überwältigt von der Leistung Houyis, machten ihn die Menschen zum König über ihr Land und er nahm Cheng’e zur Frau. Die Macht stieg ihm mit der Zeit immer weiter zu Kopfe und vom Retter wurde er zu einem echten Tyrannen. Um seine Sterblichkeit zu überwinden, sehnte er sich nach einer Pille, die ihn unsterblich machte. Er ließ die besten Alchemisten „seines“ Landes nach einer solchen Pille suchen. Eines Tages schien die Pille gefunden und sie sollte dem König gebracht werden. Chang’e aber dachte daran, was mit den Menschen passieren würde, wenn solch ein Tyrann unsterblich sei. Bevor die Pille also beim König ankam, stahl sie diese und verschluckte sie in ihrer Verzweiflung selber.

Kurz darauf stieg sie in de Himmel auf und flog zum Mond, wo sie, zumindest der Legende nach, bis heute wohnt.

So lautete die Geschichte, wie ich sie in etwa gelernt habe, aber im Internet sind diverse Versionen zu finden. Welche nun stimmen mag, ist wahrscheinlich auch gar nicht so wichtig. Dafür ist es ja auch eine Legende.

Die Familie

Seit der Tang-Dynastie feiern Chinesen das Mondfest und bis heute ist es zu einem richtigen Familienfest geworden. In früheren Zeiten wurden im Frühling der Sonne und im Herbst dem Mond Opfer dargebracht.

Heute ist es der Vollmond, der für die Familie steht und der pünktlich zum Mondfest am Himmel steht. Es ist eines dieser Feste, an denen wieder ganz China auf den Beinen ist, um nach Hause zu den Eltern oder anderen Verwandten zu fahren. Und es ist eines der Feiertage, an denen es in China ein paar Tage mehr frei gibt, damit die Menschen auch die teilweise weiten Wege auf sich nehmen können.

Der runde Mond steht dafür, dass die ganze Familie beisammen ist, wie an einem großen runden Tisch und gemeinsam die Familie feiert. Es wird gegessen, getrunken, man lauscht gemeinsam der Legende um Chang’e und beobachtet den Mond.

Der Mond

Der Mond weckt auch die Sehnsucht nach Hause. In einem der berühmtesten Gedichte des chinesischen Dichters Li Bai (701-762) heißt es:

静夜思
床前明月光
疑是地上霜
举头望明月
低头思故乡

Gedanken bei stiller Nacht
Vor meinem Bett schimmert der helle Vollmondnschein
Und der Frost bedeckt den Boden
Ich hebe meinen Kopf und blicke zum hellen Mond hinauf
Ich neige den Kopf nach unten und sehne mich nach Zuhause.

Mondkuchen

Gerade bei chinesischen Festen spielt das Essen eine ganz besondere Rolle. Denke ich an die Vielzahl chinesischer Feste, so fallen mir zu jedem spezielle Speisen ein. Was dem Drachenbootfest die Zongzi und der Wintersonnenwende die Jiaozi, sind dem Mondfest die Mondkuchen.

Mondfest: Chinesische Mondkuchen
Chinesische Mondkuchen

Kleine und zuckersüße Küchlein mit verschiedensten Füllungen gibt es rund um das Mondfest in allen Supermärkten zu kaufen. Auch in Deutschland bekommt man sie inzwischen. Und sie werden sehr gerne an Freunde und Verwandte verschenkt.

Obendrauf meist recht filigran verziert, kann die Füllung zwischen den verschiedensten Geschmacksrichtungen schwanken. Und auch hier hat die Region einen großen Einfluss. Während im Norden eher süße Füllungen aus roter Bohnenpaste oder Nüssen bevorzugt werden, sind es im Süden die herzhaften Fleischfüllungen. Und nur Stilecht mit einem Eigelb in der Mitte. Das gesalzene Eigelb, manche gibt es auch mit gleich zwei Dottern, steht für den runden Mond. Eine sehr mächtige Angelegenheit und mit Fleischfüllung nicht jedermanns Sache, denn der Teig ist auf jeden Fall süß. Komme die Füllung, die wolle.

Die Mondkuchen sollen übrigens mit den Mongolen nach China gekommen sein, die in ihnen Botschaften versteckten. Also vielleicht der Vorläufer des Glückskeks.

Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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