Ich verstaue meinen Rucksack mit sanfter Gewalt unter dem Sitz meines Vordermannes und falte meine Beine zusammen. Nicht einmal die Sicherheitsanweisungen habe ich gelesen, da dringt ein Geräusch an meine Ohren, das mich mental schneller nach China versetzt, als das Flugzeug meinen Körper dahin bringt: ein sanftes Schnarchen. Chinesen haben die bewundernswerte Fähigkeit überall zu schlafen, nicht nur im Flieger von Frankfurt nach Shanghai.
Die meisten Shanghaier wohnen weit außerhalb des Stadtzentrums. Um zu ihren Arbeitsplätzen zu kommen sind sie gut ein bis zwei Stunden unterwegs. Jeden Morgen zwischen 6 und 8 Uhr, wird deshalb in allen öffentlichen Verkehrsmitteln mit vereinten Kräften geschnarcht. Wer mit dem Moped oder Elektrofahrrad durch die Stadt kurvt singt gelegentlich, vermutlich um nicht einzuschlafen. Mich hat das kamikazemäßige Slalomfahren auf Shanghais Straßen jedenfalls noch nie dazu animiert ein Lied zu singen. Aber deutsches Liedgut wie „Im Frühtau zu Berge“ passt sowieso weniger nach Shanghai. (weiterlesen …)























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