Spieler Internetcafé

China mit allen Sinnen: Laut, stickig, heiß und dunkel

Treffpunkt digitaler Kommunikation: Von außen geben sich die Internetcafés im Reich der Mitte oft unauffällig – die Eingänge schlecht ausgeleuchtet, die Türen klein, die Hinweisschilder leicht zu übersehen. Hat man dann aber seinen Weg ins Innere der Online-Höllen gefunden, wird man regelrecht erschlagen von Lärm und schlechter Luft.

In den Cafés, die nicht selten die Dimensionen von ausgewachsenen Sporthallen erreichen, hängt ein Schleier aus Zigarettenqualm und Körpergeruch. Gelüftet wird nicht und auch Tageslicht fällt selten durch die fast immer verschlossenen Jalousien. Erhellt wird der Raum nur durch hunderte hell flimmernde Computerbildschirme, vor denen riesige Chefsessel stehen. Darin liegen die Spieler.

Ausgerüstet mit Headphones, bellen sie Kommandos in die Mikrophone, die mit Schusswechseln aus den Computerlautsprechern die Geräuschkulisse dominieren. Denn die bei weitem beliebtesten Spiele sind Ego-Shooter wie Call of Duty oder Half-Life.

Immer wieder wird in China überlegt, Sperrstunden in den Cafés einzuführen, um der Internetsucht von Jugendlichen Herr zu werden. Jüngsten Zahlen zufolge, sind bereits mehr als 10 Millionen junge Menschen süchtig. Von einem ‚schwerem gesellschaftlichen Problem’ ist die Rede, weil die Spieler sich durch tagelanges Dauerspielen der Realität entziehen. Im Alltag sind sie apathisch und antriebslos, sind den hohen Anforderungen in Schule, Uni und Arbeitswelt nicht mehr gewachsen. Um gegenzusteuern gibt es jetzt allerlei Therapiemethoden – die neuste sind Bootcamps, wo die Spieler nach militärischem Vorbild gedrillt werden.

Dem Besucher, der nur mal schnell eine E-Mail schreiben will, wird diese Tendenz mit allen Sinnen verdeutlicht: Laut, stickig, heiß und dunkel. Aber doch auch irgendwie interessant.

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Für Sie schreibt: China Tours

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