Kindermode (Foto Jana Fröhner)

City Beats: Von Pampers, Pipi und stylischen Kids

Shanghai kann sicherlich zu den modernsten Städten Chinas gezählt werden. Wie fortschrittlich die Stadt tatsächlich ist, lässt sich natürlich an den hochmodernen Bauten aus Glas und Stahl ermessen, die in den letzten Jahren unentwegt aus dem Boden schossen.

Einen ganz anderen Ansatz stellt jedoch die Methode dar, die ich scherzhaft als den Pampers-Index bezeichne. Hierbei handelt es sich um das Verhältnis von der Anzahl der Kleinkinder, die man täglich auf der Straße sieht, zu der Zahl der Windelträger.

Natürlich ist dies, wie Sie sich sicher denken können, keine offizielle Maßeinheit – dahinter verbirgt sich Folgendes: Wer schon einmal im Land der Mitte war, dem ist es vielleicht aufgefallen. Chinesische Kinder wachsen oft ohne Windeln auf. Stattdessen ist, zumindest bei den ganz Kleinen, Freikörperkultur angesagt. Dank praktischem Schlitz in der Hose über dem Allerwertesten können die Racker einfach Laufen lassen, wenn ihnen danach ist. Manche ganz minimalistisch veranlagte Kids tragen gern auch einfach nur ein kleines Schürzchen, quasi als luftiges Outfit für den Hochsommer.

Dieser freie Umgang – bei uns sicherlich kaum vorstellbar – ist in China noch Gang und Gebe. Je mehr sich jedoch die Städte modernisieren, desto mehr scheint das Konzept der Windel Einzug in das Leben der Kleinen zu halten. Daher mein Pampers-Index.

Dass diese Entwicklung durchaus auch etwas Gutes hat, musste ich vor einigen Tagen am eigenen Leib erfahren. Ich wohne am Rande des Stadtzentrums von Shanghai, wo die Pampers-Kind-Rate noch durchaus gering ist. Auf meinem täglichen Weg zur nächsten U-Bahn-Station stand auf einer Treppe am Wegesrand ein kleiner, sehr aufgewühlter Junge. Warum er so geweint hat, habe ich nie herausgefunden, jedoch begann er, als ich gerade an ihm vorbei ging, nach Herzenslust auf den Bürgersteig zu pinkeln. Schnell ausgewichen – puh, nicht getroffen. Aus dem Haus gehen ist in China eben doch an manchen Tagen recht abenteuerlich.

Die schimpfende Mutter und den Kleinen hinter mir lassend konnte ich mich des Gedankens aber nicht erwehren, dass Windeln gar keine schlechte Erfindung waren. Man darf also gespannt sein, wie sich der Shanghaier Index in den nächsten Jahren entwickeln wird.

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Für Sie schreibt: Laura Rudschuck-Henne

Online-Marketing und Redaktion bei China Tours

5 Kommentare

  1. Ein minimaler Nachteil gegenüber den Vorteilen für die windelfreien Familien, wie ich finde.
    So, Pampers erobert Chinas Markt. Schön für Pampers, schlecht für jene Chinesen, die sich überzeugen lassen, ihr bewährtes kostenloses Konzept sei schlechter als die teure Plastikwindel. Fatal auch für die Umwelt. Denn was die bevölkerungsreichste Nation für Müllberge produzieren wird.

  2. Liebe Leserin,

    dieses Bild zeigt die Realität in China. Dieser freie Umgang ist in Deutschland sicherlich kaum vorstellbar, in China ist es allerdings üblich und im Stadtbild oft zu sehen.

    Herzliche Grüße,

    das China Tours-Team

  3. Ich stimme Kuni zu. An dem Bild finde ich überhaupt nichts, was anstößig sein könnte. Viele Touristen aus Deutschland schütteln den Kopf, wenn sie Kinder mit solchen Hosen sehen, aber das ist doch alles eher eine Frage der Gewohnheiten (wie fast alles im Leben).
    Für die Babyhaut soll es ja auch ganz gut sein, wenn etwas Luft dran kommt und die Berge an Pampers sind sowohl finanziell als auch ökologisch nicht die beste Wahl.
    Auf deutschen Gehwegen muss man aber doch noch mehr aufpassen. Was da an Hundek… auf den Wegen liegt, ist eindeutig mehr als in China und in deutschen Städten ist der Schnee nach 3 Tagen gelb – trotz Pampers 😉
    Viele Grüße
    Miao Zhou

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