Moderne chinesische Kunst

Kreatives China

Noch heute unterliegen immer wieder einige Menschen dem Vorurteil, dass Chinesen nicht kreativ wären. „Die können zwar Dinge gut nachmachen, aber selbst schaffen Sie nicht Neues.“ Am Schulsystem soll dies liegen, dass „kein eigenständiges Denken fördert“.

Sätze wie diese begegnen uns außerhalb des Reichs der Mitte immer wieder. Diese ignorieren jedoch ein gar nicht mehr so junges Phänomen, dass sich besonders in den großen Städten durchsetzt: Die kreative Szenen florieren, immer mehr junge Wilde drängen an die Oberfläche des Landes und verlangen Aufmerksamkeit für ihre eigene Kreativität.

In den visuellen Künsten äußert sich dies nicht zuletzt in der Entstehung neuer Künstlerviertel – einem Phänomen, dass auch aus dem Ausland deutlich wahrnehmbar ist. Sicherlich haben viele schon vom Chaochangi Distrikt mit der 798 Art Zone in Peking gehört. Auch die Moganshan Lu in Shanghai ist international bekannt und bietet schon lange nicht mehr nur Mao Zedong-Pop-Kunst.

Doch der Innovationswille der jungen Generation ist bei weitem nicht auf diesen Bereich beschränkt. Denken wir nur mal an die Musik: Während z.B. die Band Queen Sea Big Shark erst kleine Clubs in Peking rockte und sich nun auch außerhalb von China einen Namen macht, entsteht z.B. in Shanghai immer mehr neue, noch nie gehörte Elekto-Musik. Wieder andere Kreative unterstreichen diese Klangwellen visuell, mit abstrakten Kurzfilmen, wabernden Farben und Formen. Manchmal erinnern die Bilder an die in den siebziger Jahren so beliebten Lavalampen, manchmal eher an einen Stummfilm aus den Dreißigern. Man kennt sich in Künstlerkreisen und arbeitet gern zusammen.

Schon lange sind die aufstrebenden neuen Künste keine Untergrundbewegung mehr, schon lange können Beobachter die jungen Wilden nicht mehr einfach auf eine politisch oppositionelle Botschaft reduzieren.

In den neunziger Jahren noch undenkbar, können sie sich an Hochschulen immer mehr in innovativen Ausdrucksmitteln ausbilden lassen, seien es Film, Design oder bildende Kunst. Die kreativen Köpfe hinter dieser Bewegung arbeiten in Agenturen, Studios oder Galerien. Hier haben Sie eine Stimme gefunden, die – nicht zuletzt durch das Netz 2.0 – immer lauter um Anerkennung brüllt. Ein Schrei, der die vorurteilbehafteten Stimmen wohl bald verstummen lassen wird.

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Für Sie schreibt: Laura Rudschuck-Henne

Online-Marketing und Redaktion bei China Tours

3 Kommentare

  1. genial – besonders die Band Queen Sea Big Shark ist ein toller Tipp – so erweitert sich mein Musik-I-like-Portfolio um eine weitere Band. Vielen Dank für den Artikel.

  2. Hey Malte, danke für den Link – ein wirklich guter Artikel. Im kreativen Bereich tut sich in China wirklich unheimlich viel und die Jugend tritt stolz für ihre Produkte “made in China” ein. Das merkt man spätestens daran, dass alte chinesische Marken der 70er und 80er im Moment besonders im Modebereich wiederentdeckt und trendy werden.
    Eine wirklich spannende Zeit, um hier zu sein.

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