Tischgespräch mit dem “Bagel-Girl” von Shanghai

Ein rundes Brötchen, ein Loch in der Mitte und dick bestrichen mit cremigem Streichkäse, das sind Bagel, eine New Yorker Spezialität. Als Christine Asuncion vor rund drei Jahren nach Shanghai kam vermisste sie ihr tägliches Frühstück aus der Heimat so sehr, dass sie kurzerhand selbst anfing den Teig zu kneten. Inzwischen hat sie mit „Spread the Bagel“ ihr eigenes Unternehmen gegründet und versorgt Shanghais Expats mit original amerikanischen Bagels. China Tours hat sie zum Tischgespräch in ihrem neueröffneten Laden getroffen.

China Tours Magazin: Wie bist du auf die Idee gekommen, in China Bagel zu verkaufen?

Christine: Ich komme aus Kalifornien, dort standen Bagel fast täglich auf meinem Speiseplan. Ich erinnere mich noch, als ich klein war, hat meine Mutter auf dem Weg zur Schule immer an einem Bagel-Laden angehalten und wir haben dort zusammen gefrühstückt. Als ich dann 2009 nach Shanghai kam, gab es hier keine Bagel. Da dachte ich mir, wenn ich sie so sehr vermisse, geht es anderen bestimmt auch so. So entstand die Idee, ein Bagel-Unternehmen zu gründen.

China Tours Magazin: Wusstest du, wie man Bagel backt?

Christine: Nein, ich habe damals Englisch unterrichtet und einer meiner Schüler hatte zu Hause einen Ofen. Da habe ich es einfach ausprobiert. Im ersten Monat waren alle Bagel ein Desaster. Dann hatte ich den Teig so weit verbessert, dass ich ein paar Freunde zur Verkostung einladen konnte. Richtig gut waren sie aber immer noch nicht. Ich habe dann den ganzen Winter über experimentiert.

China Tours Magazin: Und wie wurde aus der Hausbäckerei dann ein Unternehmen?

Christine: Ich hatte damals noch einen Partner. Nachdem wir das Backen perfektioniert hatten, haben wir angefangen auf Bestellung zu liefern. Dazu haben wir eine Webseite entworfen und wir mussten natürlich Chinesen finden, die das Ausliefern übernehmen. Zum Glück habe ich an der Universität Chinesisch gelernt, so dass ich mich einigermaßen verständigen kann.

China Tours Magazin: Was waren bisher die größten Probleme, auf die du gestoßen bist?

Christine: Am schwierigsten war es, Lieferanten für die Zutaten zu finden. Es ist schwierig, gute Qualität zu bekommen. Meine ganzen Zutaten werden aus dem Ausland importiert, einschließlich des Mehls und Zuckers. Den Streichkäse für den Aufstrich mixe ich selbst.

China Tours Magazin: Seit kurzem hast du in Shanghai auch einen Laden, in dem man deine Bagel kaufen kann…

Christine: Genau, der Laden ist eine Kooperation mit vier anderen Expats, die alle ihr eigenes Unternehmen gestartet haben. Wir haben außer den Bagels auch noch Cookies, Cupcakes, Marmelade und Sandwiches. Alles selbstgemachte Produkte mit hochwertigen Zutaten, das ist selbst in Shanghai noch selten zu finden. Die Entstehungsgeschichte ist eigentlich bei uns allen ähnlich. Lexie zum Beispiel konnte in Shanghai keine Cookies finden, die auch nur annähernd so gut waren wie die, die ihre Mutter zu Hause backt. Also hat sie hier angefangen selbst zu backen und ihr Unternehmen „Strictly Cookies“ gegründet.

China Tours Magazin: Kaufen die Chinesen denn ein typisch amerikanisches Produkt wie Bagels?

Christine: Meine Kunden kommen in der Tat zu 99% aus dem Westen. Die chinesischen Kunden, die ich habe, haben alle eine gewisse Zeit im Ausland gelebt und dort Bagels kennen und lieben gelernt.

China Tours Magazin: Was ist das Besondere an „Spread the Bagel“?

Christine: Meine Bagel sind original New York Bagel. Das heißt, sie werden gekocht bevor sie gebacken werden. Dazu kommt, dass ich den Teig für mindestens acht Stunden im Kühlschrank ruhen lasse. Außerdem habe ich natürlich eine spezielle Teigmischung, die ich aber nicht verraten werde. Das Ergebnis ist ein Bagel, wie er sein sollte: außen kross und knusprig, innen weich und mit reichlich Schmierkäse bestrichen. Aber probier selbst…

China Tours Magazin: Dann wünschen wir dir noch viel Erfolg für dein Unternehmen und vielen Dank für diesen wirklich leckeren Bagel!

Eine Auswahl der Produkte in Christines Laden
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Für Sie schreibt: China Tours

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