Lugu-See Teil 1

Reise ins Land der Töchter- Bei den Mosuo in Yunnan Teil 1

China Tours-Praktikantin Laura Dostal ist auf ihrer Yunnan Reise bis an den Lugu-See gefahren. Im ersten Teil ihres Reiseberichtes beschreibt sie den Weg, der sie zu dem schönen Ort im Südwesten Chinas führte:

Im bergigen Südwesten Chinas, genau auf der Grenze zwischen Yunnan und Sichuan, liegt ein Ort, an dem noch vieles anders ist, als sonstwo in China und auf der Welt- Der Lugu- See, ein idyllisches Fleckchen, an dem  die Minderheit der Mosuo lebt. Diese werden oft als die letzte matriarchalische Gesellschaft auf Erden bezeichnet. Kurz gesagt, hier haben die Frauen das Sagen.

Über ein halbes Jahre hatte ich im März 2006 schon in China verbracht, als mich ein Freund besuchte, um mit mir durch Yunnan zu reisen. Im Rahmen meines Studiums hatte ich mir für mein einjähriges Auslandsstudium die Hauptstadt der südchinesischen Provinz, Kunming, ausgewählt, die „Stadt des ewigen Frühlings“, wie seine Einwohner sie gern nennen, eine Bezeichnung, die, so sehr wie ich mich in diese Stadt auch verliebt habe, allerdings nur mit der Warnung stehen lassen kann, dass dieser ewige„Frühling“ ab November doch recht frisch werden kann, und man sich zeitig genug nach einem ordentlichen Elektroheizer umsehen sollte, der einem das Verweilen in den meist dünnen Wänden über die Wintermonate ein wenig erträglicher macht.

Frühling in Kunming, der “Stadt des ewigen Frühlings”

Frühlingsfest in Kunming
Frühlingsfest in Kunming

Irgendwann im Februar hatte sich die Sonne dann aber zum Glück  zurückgemeldet, so dass auch die Temperaturen wieder stiegen, und das bunte Leben in Kunming weiter gehen konnte. Ich besuchte meinen Chinesisch-Unterricht und genoss das entspannte Studentenleben im Universitätsviertel der Stadt. Hier tummeln sich jeden Tag chinessiche und ausländische Studenten, die  sich in den zahlreichn Cafes zum Lernen und Teetrinken treffen, um abends zusammen in den günstigen chinesischen Restaurants der Gegend essen zu gehen.
Doch treibt wohl jeden, der sich dafür entscheidet, nach China zu reisen, zum Glück auch eine Abenteuerlust, den Willen, verschiedenste Seiten dieses kontrastreichen Landes kennenzulernen, und so nutzt man jede Gelegenheit, auch mal der Stadt zu entfliehen und sich auf die Suche nach dem „anderen“ China zu machen. Sei es auf einem Markt am anderen Ende der Stadt, beim sonntäglichen Besuchs eines Tempels, oder, und das ist in der schönen Provinz Yunnan ein Muss: auf Reisen außerhalb der Stadt, im bergigen Norden Yunnans, oder dem Dschungel-Paradies Xishuangbanna im Süden an der Grenze zu Myanmar. In China gibt es 56 verschiedene anerkannte Nationalitäten, von denen die Han-Chinesen mit ca. 92 Prozent die Mehrheit darstellen. In Yunnan sind etwa 26 verschiedene ethnische Minderheiten angesiedelt, was Yunnan zu der Provinz mit der höchsten ethnischen Diversität in China macht. Dies macht die Provinz nicht nur landschaftlich so interessant und vielfältig.
Ich konnte es also kaum erwarten, als ich Besuch bekam und mich auf die Reise machen konnte.

Dali und Lijiang

 

 

 

In den Gassen der Altstadt von Lijiang
In den Gassen der Altstadt von Lijiang

Ich fuhr mit meinem Freund zunächst ins 370 km von Kunming enfernte Dali. Die kleine Stadt ist von Kunming aus mit dem Bus in nur vier Stunden zu erreichen und stellt ein beliebtes Ausflugsziel für alle Kunminger dar. Die hübsch beleuchtete Altstadt gleicht am Abend, zumindest an den Wochenenden, zwar oft einem Jahrmarkt, da so viele Touristen durch die Fußgänger- Zone der Altstadt schlendern, um an Souvenirshops, Restaurants und Bars halt zu machen. Viele Chinesen aus Kunming kommen für einen oder zwei Tage her, um am Wochenende ein wenig zu entspannen. So herrscht aber trotz des Tourismus  in Dali  auch eine unglaublich entspannte Atmosphäre; außerdem  gibt genug Möglichkeiten, der Menschenmenge zu entfliehen, die im übrigen unter der Woche gar nicht anzufinden ist.  Man kann außerhalb der Stadt wandern, über den See fahren und kleine Dörfer besuchen, und abends gemütlich in „Jim´s Tibetan guesthouse“ das gute Yakcurry essen, um danach vielleicht doch ein wenig durch die Altstadt zu schlendern. Dali eignet sich hervorragend, der Großstadt ohne große Anstrengung für einen oder zwei Tage zu entkommen, Yunnan-Reise light, sozusagen. Da chinesische Städter solche Kurztrips lieben, boomt das Wochenendgeschäft in Dali.
Ähnlich gemütlich, aber architektonisch beeindruckender, war unsere nächste Station: Lijiang. Lijiangs Altstadt ist eine der am besten erhaltensten Altstädte Chinas, in deren Gassen man stundenlang spazieren gehen und sich wunderbar verirren kann. Auch wohnen kann man dort gemütlich und günstig in einem der zahlreichen kleinen Hotels. Auch hier gilt die Vorwarnung: Besonders an Wochenenden darf man nicht davon ausgehen, in der Stadt allein zu sein. Am Abend tummelt sich alles in den beleuchteten Gassen. Gruppen junger Leute der Naxi-Nationalität veranstalten Gesangswettbewerbe, indem eine Gruppe gegen eine andere „ansingt“. Trotz der vielen Touristen und der Show hat auch die Altstadt von Lijiang ein einzigartiges Flair und ist Pflicht auf jeder Yunnan-Reise.

Reise zu den Mosuo am Lugu-See

Der Lugu-See mit seinem anliegenden Dorf
Der Lugu-See mit seinem anliegenden Dorf

In Lijiang setzten wir uns erneut in den Bus, denn es wartete noch ein Abenteuer, das auch mir neu war. In Dali und Lijiang war ich schon einige Male gewesen, doch gab es noch einen Ort, von dem ich in Kunming immer wieder gehört hatte und der in den letzten Jahren nicht nur wegen seiner natürlichen Schönheit immer mehr Interesse auf sich zog: Wir fuhren an den Lugu-See. Auf 2690m Höhe in der Berglandschaft zwischen Yunnan und der benachbarten Provinz Sichuan gelegen, und damit der höchstgelegenste See in Yunnan, bildet der Ort eine Grenze zwischen den beiden Provinzen und ist von Lijiang aus in einer vier bis sechs-stündigen holprigen Busfahrt zu erreichen. Der See stellt ein wunderschönes Fleckchen Natur dar, das bis vor kurzem mit den nur kleinen Dörfern ringsherum fast unberührt wirkte. Yang Erche Namu heißt die Frau, die ihn und seine Einwohner, die ethnische Gruppe der Mosuo, bekannt machte. Namu wuchs als Kind einer Mosuo-Familie in einem Dorf am Lugu-See auf und schaffte es auf Grund ihres musikalischen Talentes auf das Shanghaier Musikkonservatorium. Sie wurde ein Star, veröffentlichte im Jahr 2004 außerdem ihr erstes Buch, welches auch auf Englisch erschien, und wurd sogar im Westen bekannt. In ihrem autobiographischen Roman „Land der Töchter“ wird von Namus Kindheit erzählt, und der Kultur der Mosuo. Seitdem ist das Interesse der chinesischen Welt an den Menschen vom Lug-See, die offiziell nicht als Nationalität anerkannt sind, sonder den Naxi untergeordnet werden, ständig gewachsen.
Namu stellte immer die Besinnung auf ihre Herkunft, die eigene Kultur und die Rolle der Frauen darin in den Mittelpunkt ihrer Kunst. Ihre Berühmtheit trug stark zur Faszination an der Exotik der Mosuo bei , und führte zu einem Interesse und überhaupt zu einer weiter verbreiteten Kenntnis dieser Volksgruppe in China. Bald wurde auch die idyllische Heimat der Mosuo, der Lugu-See, zu einem beliebten Ausflugsziel für chinesische Touristen in Yunnan, und auch ausländische Touristen verirrten sich dorthin.

Die Mosuo

Zwei Mosuo Frauen
Zwei Mosuo Frauen

Zu den Bräuchen der Mosuo gehört unter anderem das System der Besuchsehe, was bedeutet, dass ein Mann seine Partnerin nur über Nacht besucht und am nächsten Morgen wieder auf den Hof seiner Familie (aus mütterlicher Linie) zurückkehrt. Auch ist es tradtitionell keineswegs natürlich, mit einen einzigen Partner ein ganzes Leben lang zusammen zu sein.
Das Familiensystem der Mosuo ist matrilinear, das heißt, dass Verwandtschaftsverhältnisse nur über die Abstammung der Mutter gebildet werden. Meist leben alle Verwandten aus mütterlicher Linie zusammen auf einem Hof, so dass Kinder von der Mutter, Tanten und Onkeln großgezogen werden; ihren Vater dagegen sehen Kinder nur ab und zu. Immer ist eine Frau auf dem Hof das Familienoberhaupt, und trägt die Verantwortung für die Geschäfte und die Organisation der Familie. Man muss dazu allerdings sagen, dass heute gerade immer mehr junge Mosuo dieses System brechen und sich entscheiden, mit ihrem Partner zusammen zu leben und ihre Kinder gemeinsam großzuziehen.

In der nächsten Woche folgt der zweite Teil des Yunnan Reiseberichtes, in dem Sie erfahren, wie die Reise zu den Mosuo weiterging.

Sie sind neugierig geworden auf Yunnan  und das Reich der Frauen am Lugu-See? Auf der China Tours Reise Traumhafter Südwesten können Sie selbst zu den Mosuo reisen, und Yunnans Städte Dali und Lijiang und Kunming besuchen! Alle Infos zur Reise finden Sie hier.


 

 

 

Avatar

Für Sie schreibt: China Tours

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.