Esskultur in China

Chinesisches Essen ist weltweit bekannt und beliebt! Wie sehr aber die Essenskultur das alltägliche Leben der Chinesen prägt und wie unterschiedlich die einzelnen Küchen des Landes sind, bemerken Ausländer erst, wenn sie einige Zeit in China verbracht haben. Nach drei Jahren leben und arbeiten in der Hauptstadt Peking, habe ich so einiges was das Thema Schlemmen angeht beobachten können:

Anstatt sich mit „Hallo, wie geht es dir?“ zu grüßen, fragen die Chinesen oft „吃了没有?“ (Aussprache: „Chi le mei you?“), was übersetzt heißt „Noch nicht gegessen?“. Diese Aussage zeigt deutlich, welchen Stellenwert das Essen bei den Chinesen hat. Chinesen gehen davon aus, dass es mir nur gut gehen kann, wenn ich schon gegessen habe. Noch interessanter wird es nach Feierabend oder am Wochenende. Wenn soziale Kontakte oder Geschäftsbeziehungen gepflegt werden, steht immer das Essen im Vordergrund. Da wird zum edlen Peking-Ente Essen eingeladen, in einem scharfen Feuertopf gekocht oder an einem großen, runden Tisch gesessen.  Eine Tischplatte in der Mitte, die mit den unterschiedlichsten Gerichten bestückt wird, kann je nach Lust und Laune gedreht werden.

Typisch Chinesisch

Wie stolz die Chinesen auf ihr Essen sind, wird immer dann deutlich, wenn hoher Staatsbesuch in der Stadt ist. Als US-Präsident Barack Obama beim letzten Mal in Peking war, hat die lokale Zeitung China Daily über zwei Doppelseiten berichtet: In welchem Lokal der Präsident und seine Gattin gespeist haben, welche Köstlichkeiten aufgetischt wurden oder welche Gerichte sie besonders gern hatten. Darunter waren nicht, wie Sie vielleicht glauben, Insekten oder Schlangen zu finden (die gehören eher in die Yunnan-Küche). Stattdessen gibt es vielmehr exotische Wurzeln und Pflanzen wie Lotus und Bambus, also solche Dinge die bei uns, als Dekoration dienen würden.

Oft habe ich über die chinesische Küche gehört, dass alles gegessen wird, was vier Beine hat und kein Tisch ist. Oder alles, was fliegt und kein Flugzeug ist. Als ich das meiner chinesischen Arbeitskollegin einmal erzählt hatte, musste sie nur lachen und meinte: „Hund wird tatsächlich in manchen südlichen Regionen serviert und ist dort eine Delikatesse. Das wäre den meisten Restaurants hier aber viel zu teuer.“

Ein kulinarisches Erlebnis sind die gemütlichen BBQ-Restaurants am Straßenrand, von denen es etliche im Frühling und Sommer gibt. Hier fühlt es sich nämlich so richtig authentisch an: Man sitzt auf kleinen, niedrigen Plastikstühlen, in der Mitte steht ein kleiner Campingtisch, man geht zum Grillmeister und bestellt eine Variation aus Gemüse, Tofu und Fleisch und dazu wird einem noch für wenig Geld ein Tsingdao Bier in der großen 600 Milliliter Flasche serviert. Es wird lautstark diskutiert und geschmatzt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass es einem schmeckt und gefällt.

Tischsitten

Tischmanieren waren eine Sache, an die ich mich ganz schön gewöhnen musste. Fühlte ich mich anfangs doch gestört von dem enormen Geräuschpegel und den Lauten, die beim Essen von sich gegeben werden. Hier erinnere ich mich an eine Szene, als eine Freundin aus Deutschland zu Besuch war. Wir hatten gerade unser erstes Gericht auf den Tisch serviert bekommen. Da nimmt sie einen Bissen davon und sagt plötzlich: „Igitt ist das eklig!“ Und ich frage direkt: „Schmeck dir das Essen nicht?“ Worauf sie mir antwortet: „Nein, nein. Die gebratenen Teigtaschen schmecken gut, aber hast du gerade den Mann neben uns gesehen, der mitten auf den Boden gespuckt hat?“ Ja, das kann es durchaus geben! Denn der Boden und auch die Tischoberfläche werden gerne als Ablage für Speisereste genutzt. So kommen beispielsweise Knochen oder Gräten nicht wie bei uns zu Hause auf den Teller, sondern werden auf den Tisch oder Boden gespuckt. Nicht selten gleicht der Tisch einem Schlachtfeld, auf dem sich genüsslich ausgetobt wurde! Dank der Tischtücher aus Plastik kann das hinterlassene Chaos aber im Handumdrehen beseitigt werden. Da kommt dann eine der vielen Bedienungen angelaufen, packt mit Schwung das Tischtuch inklusive Essenreste und manövriert das ganze direkt in den Müll.

Service-Personal

Die Bedienungen sind oft junge Mädchen, die vom Land in die großen Städte kommen. Hier haben sie mehr Chancen Arbeit zu finden. Durch die niedrigen Löhne in diesem Segment, gibt es selten Mangel an Arbeitskräften, was das Restaurant als reines Service-Paradies erscheinen lässt. Die jungen Mädchen bringen die Speisekarten und Wasser in nur wenigen Sekunden, warten neben einem am Tisch, bis man seine Gerichte ausgewählt hat, geben die Bestellung über ein elektronisches Gerät direkt an die Küche weiter und meist geht es genauso schnell, bis das erste Gericht auf dem Tisch landet.

Hat man ein Anliegen und die Bedienung ist nicht gerade zur Stelle, ist es in China ganz normal „服务员“ (Aussprache: „Fu wu yuan“) durch das Restaurant zu rufen. Ganz anders als in Deutschland, wo man manchmal Angst hat, mit einem Handzeichen gegen den Knigge zu verstoßen. „Fu wu yuan“ heißt übersetzt “Servicekraft” und benötigt keine weitere Höflichkeitsfloskel. Was ich Ihnen allerdings rate zu vermeiden, ist die Bedienung „Fräulein“ zu nennen (Chinesisch „小姐”, Aussprache: „Xiao jie“). Damit werden heutzutage Prostituierte in China bezeichnet und dies kommt sicherlich nicht so gut bei der Bedienung an. Vorsicht also an alle Männer, die nicht den falschen Eindruck hinterlassen möchten!

Im Restaurant

Obwohl die meistens Restaurants sehr einfach und pragmatisch eingerichtet sind, ist die Atmosphäre drinnen dafür umso lebendiger und quirliger. Die Restaurantbesucher unterhalten sich lautstark, prosten sich zu und oft sind es Gruppen von Männern, die bei Reisschnaps und Zigaretten Geschäfte machen. Ein ganz persönliches Highlight – was mir bei jedem Restaurantbesuch ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubert – sind die Speisekarten. Nicht nur weil ich einen ganzen Bildband in die Hände bekomme, dessen Bilder mit Photoshop verschönert werden, sondern auch, weil die englischen Übersetzungen immer sehr unterhaltsam sind. So zum Beispiel folgende Beschreibungen: „Gliding tenderloin” (Chinesisch „滑溜里脊”, Aussprache: „Hua liu li ji“) – welches Filet macht hier gerade einen Segelflug!? Diese Beschreibung hier ist auch sehr amüsant: „Four glad meat balls” (Chinesisch „四喜丸子”, Aussprache: „Si xi wan zi“) – sind die Fleischbällchen auch dann noch glücklich wenn sie verspeist werden!?

Nächster Artikel: Verschiedene Küchen in China!

Für Sie schreibt: Kathrin Schmid

Auslandsreporterin

Ein Kommentar

  1. Mmh, da bekomme ich direkt Hunger nach chinesischem Essen! Wobei ich manche “Köstlichkeit” nicht nochmal probieren möchte 😉
    Leider gibt es ja in Deutschland nur sehr selten richtiges chinesisches Essen.

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