Frau in traditioneller Kunqu Oper Kleidung mit Seidenstickereien

Seidenstickerei aus Suzhou

Suzhou ist heute vor allem für seine idyllischen Gärten bekannt und gehört mit Hangzhou zu einem der klassischen Reiseziele Chinas. Und, wenn bereits Konfuzius Suzhou erwähnte, dann muss es auch eine alte Stadt sein: Oben ist der Himmel, unten sind Suzhou und Hangzhou. Vor über 2500 Jahren wurde die Stadt gegründet und auch Marco Polo erwähnt in seinem Reisebericht die Schönheit dieser Stadt. Zu dieser Zeit, wir sind nun im 13. und 14. Jahrhundert, galt Suzhou als die Seidenhauptstadt Chinas. Und bis heute haben sich der gute Ruf und die ausgezeichnete Qualität der Seidenstickerei Suzhous gehalten.

Ein Gang durch die Zeit

Sie gehört sicherlich zu den filigransten aller Seidenstickereien und auch zu den ältesten Sticktechniken der Welt. Wenn sie nicht sogar die älteste ist, wovon einige Chinesische Forscher ausgehen. So ist es auch weiter nicht verwunderlich, dass vor allem die frühe Seidenstickerei einen großen Einfluss auf andere Formen hatte. Zwei große Perioden lassen sich unterscheiden: Da ist zum einen die pre- und zum anderen die post-Ming-Periode. Von der ersten ist heute nicht mehr viel bekannt, allerdings wird davon ausgegangen, dass ihre Fertigkeiten auch andere Stickereischulen beeinflussten.

Gegen Ende der Ming-Zeit stand die Suzhouer Stickerei dann selber unter fremden Einflüssen. Globalisierung lässt grüßen und so waren es japanische und westliche Techniken, die die feine Handwerkskunst beeinflussten und die zweite, die post-Ming-Periode, begründeten.

Gestickte Seidenblüte auf schwarzem Stoff
Die Seidenstickerei aus Suzhou wird auch Suxiu genannt

 

Dünner als ein Haar

Doch was macht die Suzhouer Seidenstickerei so einzigartig und beliebt? Es ist die Feinheit. Schaut man sich die Stickereien an, so denkt man von Weitem eher an ein Foto. Die handwerklich aufwendigen Stickereien fangen an zu leben. Das Geheimnis liegt in der Feinheit der Fäden. Hier gibt es verschiedene Aussagen, wie dünn die Fäden sind. Manche sprechen davon, dass die Seidenfäden einen Durchmesser von 0,5 mm haben, aber ein geübter Meister diesen Seidenfaden noch einmal in 96 Teilfäden zerteilen kann. Damit sind sie dünner als ein Haar. Gerade weil die Fäden so dünn sind, können auch verschieden farbige Fäden zusammen genutzt werden und erzeugen so noch einmal einen ganz anderen Eindruck. Gewünschte Farbstufen können damit viel nuancierter dargestellt werden – wie im wahren Leben.

Des Kaisers Kleider

Einen weiteren Höhepunkt ihrer Verehrung erlangten die Stickereien Suzhous gegen Ende der chinesischen Dynastiegeschichte. Während der letzten Dynastie, der Qing (1644-1911), wurde sie zur Hofstickerei und schmückte fortan nicht nur die Kleider und Gewänder der Kaiser, sondern auch an den Wänden machten sich die Stickereien gut als Wandteppiche. Für kaiserliche Aufträge wurden dann gerne auch noch Goldfäden mit eingearbeitet, um ihr einen würdigen Glanz zu verleihen.

Seidenstickerei heute

Suzhou Seidenstickerei mit Motiv einer BlüteDas Kaierreich ist vorbei und heute kleiden Anzüge ohne Seidenstickereien die Staatsoberhäupter Chinas. Aber das bedeutet natürlich nicht, dass die Stickereien aus Suzhou ganz von der Bildoberfläche verschwunden sind. Ganz im Gegenteil: Nach wie vor gehören sie zu den beliebtesten Mitbringseln, wenn einen der Weg nach Suzhou führt. Dort kann man die feine Handarbeit nicht nur kaufen, sondern sich auch über das Kulturprodukt erkundigen. Das Suzhouer Seidenmuseum zeigt heute eine ausführliche Geschichte der Handwerkskunst und führt besonders sehenswerte Exponate. Aber auch über Chinas Grenzen hinaus, werden Suzhouer Seidnstickereien in Museen rund um den Globus ausgestellt.

 Chinas Kaiserkanal

Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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