Qingming Fest – das chinesische Ahnenfest

Eines der wichtigsten Feste, wenn auch nicht so bedeutsam, wie das Frühlingsfest, ist das Fest zum Gedenken an die Verstorbenen – das Qingming Fest (清明节). Es findet am 106. Tag des chinesischen Kalenders statt und fällt meist auf den 04. oder 05. April, selten aber auch auf den 06. April. Grund genug, dieses Mal nicht über schöne Reiseziele in China zu sprechen, sondern darüber zu berichten, wo das Fest eigentlich herkommt, wie sich Chinesen an diesem Tag des Gedenkens verhalten, sowie welche Besonderheiten und Traditionen an diesem Tag zu beachten sind.

Die Bräuche um das Qingming Fest

Begangen wird der, erst seit 2008 offizielle, Feiertag seit über 2500 Jahren. An diesem Tag werden die Gräber der Ahnen gesäubert und vor ihnen werden bestimmte Dinge platziert, die sie zu Lebzeiten mochten. Dies können Nahrungsmittel, Blumen und auch Gegenstände sein. Weiter werden auch Räucherstäbchen, Geld und Gegenstände des täglichen Lebens aus Papier verbrannt. Oft finden diese öffentlichen Feuer mitten auf der Straße statt. Zwar nicht genau in der Mitte, aber doch in 1 bis 1,5 Meter Abstand zum Bordstein. Die Autos müssen dann im Slalom um die Feuerstellen fahren. Rund um das Verbrennen von Gegenständen hat sich eine ganze Industrie entwickelt.

War es früher üblich, echte Gegenstände und echtes Geld zu verbrennen, so ist sich der moderne Chinese dieser Verschwendung bewusst und weicht auf Papier aus. Inzwischen bieten Geschäfte – auch für Beerdigungen – ganze Häuser, Geld und Kleidung aus Papier an, sodass diese stellvertretend für die originalen Gegenstände verbrannt werden können, um den Ahnen zu gedenken.

Es mag vielleicht skurril erscheinen, aber statt richtigem Geld werden sogar Kreditkarten ins Feuer geworfen. Da haben die chinesischen Geschäftsleute viel Fantasie. Ich habe schon gesehen, dass ganze Häuser mit entsprechendem Mobiliar aus Papier verbrannt wurden, natürlich in verkleinerter Form und nicht in Originalgröße.

Warum nicht gleich zwei Festen gedenken?

Unter dem Tang-Kaiser Tang Xuanzong (唐玄宗, 685-762, reg. bis 756) gewann das Qingming Fest an Bedeutung. Seiner Meinung nach, könne man seine Ahnen nur am ersten Tag des Qingming Festes gebührend ehren.

Es gibt verschiedene Speisen, die gerne an diesem Tag gegessen werden. Dazu gehören süße grüne Reisbällchen, genannt Qingtuan. Diese aus Reismehl bestehenden und mit dem Saft grünen Gemüses geformten Bällchen werden mit einer typischen süßen Bohnenpaste gefüllt. Sie sehen aus, wie kleine Kugeln aus Jade. Weiter gibt es einen frittierten Kuchen aus ebenfalls Reismehl, Ei, Sesam und Frühlingszwiebeln. Drittes bekanntes Gericht ist Reisbrei mit Pfirsichblüten. Diese Speisen und auch alles andere an den Tagen des Festes werden in der Regel kalt gegessen. Dies hängt damit zusammen, dass ein zweites Fest eng mit dem Qingming Fest verknüpft ist: Das Fest der kalten Speisen (寒食节 hanshijie).

Die Trauer im Zitui

Auch dieses Fest hat eng mit dem Thema Tod zu tun. Wir befinden uns in der Zeit der Frühlings- und Herbstannalen (722-481 v.Chr.). Prinz Chong’er (充耳) aus Jin musste nach Unruhen (657-651 v.Chr.) fliehen und nach Erzählungen seien ihm zunächst 15 Männer gefolgt. Einer von ihnen war sein Freund Jie Zitui (介子推). Nach 19 Jahren wurde er schließlich zum Herzog Wen von Jin (晋文公). Jie Zitui war der einzige der Gefolgsleute, der ihn über all die Jahre begleitet hatte und für ihn sorgte.

An der Macht angekommen, hatte Jie keine politischen Ambitionen und siedelte mit seiner Mutter in den Wald um, um dort abgeschieden zu leben. Chong’er, nun eben Herzog Wen von Jin, ließ 636 v.Chr. nach ihm suchen, aber die Suche blieb erfolglos. Er ließ die Wälder abbrennen, in der Hoffnung, so seinen Freund Zitui wiederzufinden, doch dieser kam bei den Flammen um. Aus Trauer und Reue verfügte er daraufhin, dass in den Folgejahren an diesen drei Tagen der Suche keine Feuer mehr entfacht werden dürften. Heute wird dieses Fest zwei Tage vor Qingming begannen und auch während Qingming werden nur kalte Speisen verspeist, die bereits an den Tagen zuvor gekocht werden und dann abkühlen können.

Kunst, Kunst, Kunst

Nun aber zurück zum Qingmingjie. Denn es wird nicht nur jedes Jahr Anfang April von den Familien zelebriert, sondern auch in der Kunst erfährt es Beachtung. Das wohl bekannteste Bild Chinas ist die Qingming-Rolle von Zhang Zeduan (张择端11./12.Jh). Auf knapp 25 Zentimeter Höhe und 230 Zentimeter Länge wird eine Alltagssituation an Qingmingjie in der südchinesischen Stadt Kaifeng (开封) dargestellt. Wer sich das Bild heute einmal anschauen möchte, der kann dies im Palastmuseum in Peking tun.

Auch bei dem Qingming Fest, wobei das Wort Fest nach unserem Verständnis sicherlich etwas irreführend sein kann, zeigt sich, dass chinesische Feste mit einer langen Tradition einhergehen und auch bei jungen Leuten haben sie immer noch eine große Bedeutung.

Westlicher Kalender vs. Mondkalender

Feiertage haben in China eine sehr hohe Bedeutung, wahrscheinlich sogar eine höhere als bei uns, wo doch die meisten eigentlich nur noch Weihnachten richtig feiern. Gefeiert werden in China traditionelle Feste als auch Moderne. So stehen in der Tradition vor allem das Frühlingsfest, das Drachenbootfest, das Mondfest und das Laternenfest an vorderster Front. Aber auch neuere Feiertage, wie der Tag der Arbeit am 1. Mai oder auch Valentinstag spielen heute eine Rolle. Interessant ist, dass es in China zwei Valentinstage gibt.

Einmal den Westlichen am 14.2. sowie das chinesische Pendant, das Qixi-Fest am 7. Tag des 7. Monats, nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender. Aber auch Weihachten und Silvester lassen sich inzwischen in China feiern. So gibt es nicht nur in Shanghai einen kleinen Weihnachtsmarkt, sondern auch an Silvester wird so einiges an Böllern und Raketen in die Luft geschossen. Dahingegen sehen einige westliche Städte eher schwach aus. Nun aber zurück zu den traditionellen chinesischen Festtagen.

Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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