Abenteuer China: Die Beijing Foreign Studies University

Abenteuer China Teil 2

Nachdem ich im letzten Artikel Abenteuer China über meine erste Eingewöhnungszeit und den Campus geschrieben habe, würde ich an dieser Stelle gern auf das Bildungsangebot der BFSU sowie der möglichen Freizeitaktivitäten auf dem Gelände eingehen. Wichtig wäre hierbei anzumerken, dass ausländische Studenten fast völlig von den Einheimischen getrennt werden (nicht nur im Wohnheim, sondern auch im Studium selbst). Ich hatte selten Kurse, in denen Chinesen saßen. Dadurch hat man leider sehr wenig Kontakt zu ihnen und kann nur schwer Freundschaften schließen. Die einzigen Chinesen, mit denen ich engeren Kontakt auf dem Campus hatte, waren meine zwei Sprachpartner.

Kurse und Dozenten

In meiner Orientierungswoche an der BFSU gaben sie mir Zeit, Kurse zu wählen und mich für einen Studienschwerpunkt zu entscheiden. Für mich als WiWi-Studentin gab es vier verschiedene Richtungen, die ich einschlagen konnte: International Finance, International Marketing, Culture Studies und International Business. Ich habe mich damals für Letzteres entschieden und dadurch sowohl Pflicht- als auch Wahlfächer vorgegeben bekommen. Im Laufe meines Studiums hatte ich neben meinen Hauptfächern einige Kurse in den Bereichen der chinesischen Kultur/Wirtschaft und des Internationalen Marketings. Insgesamt lässt sich sagen, dass ich fast jede Veranstaltung/Seminar interessant fand. Besonders angetan hatten mir damals die Kurse International Business Negotiation, Doing Business in China, Consumer Behaviour und Entrepreneurship. Die Kurse wurden interaktiv gestaltet, wodurch wir viele Gruppenarbeiten zu erledigen hatten. In beinahe jedem Kurs musste ich einen Vortrag halten oder eine Hausarbeit schreiben.

Abenteuer China: Die Bibliothek der BFSU
Die Bibliothek der BFSU

Die Dozenten waren zum großen Teil Chinesen, die einige Zeit im Ausland studiert hatten. Jedoch gab es auch vereinzelt Amerikaner oder Briten, die sich langfristig in Peking niederlassen wollten. Dementsprechend war das Englisch aller Dozenten sehr gut und half auch mir, meine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Falls man bei den offiziellen Büros der Universität mit seinen Problemen nicht weiterkam, konnte man stets zu den Dozenten gehen, um sie um Hilfe zu bitten. Dann konnte man zumeist damit rechnen, dass das eigene Anliegen bearbeitet wurde. Einmal wandte ich mich an eine chinesische Dozentin, weil ich auf der Suche nach einem Paket war, dass man mir aus Deutschland geschickt hatte. Bisher hatte mir niemand helfen können es zu finden, also dachte ich, sie könnte mir vielleicht einen Tipp geben. Als ich am nächsten Tag zu ihrem Seminar kam, hatte sie das Paket völlig unerwartet dabei und übergab es mir. 🙂

Sport

Abenteuer China: Die Rezeption des Sportgebäudes
Die Rezeption des Sportgebäudes

Natürlich habe ich nicht meine komplette Zeit auf dem Campus verbracht, aber theoretisch hätte ich auch niemals das Gelände verlassen brauchen, weil es dort alles gibt, was das Herz begehrt. Die BFSU bietet zum Beispiel eine Vielzahl an Sportarten an, für die man sich anmelden kann. Die Anlage dafür besteht aus einem großen Feld für Läufer, Fußballer und Basketballer sowie einem großen Gebäude mit Schwimmbad und Turnhallen. Außerdem gibt es auch ein Fitnessstudio, was allerdings fast immer voll ist.

Aufmerksam wird man in den ersten Wochen auf die Angebote gemacht, indem die Sportclubs Stände errichten und neue Mitglieder anwerben. Es laufen sogar Maskottchen herum und Flyer werden verteilt. Ich hatte sowohl Badminton als auch das Schwimmbad ausprobiert. Für Letzteres musste man zuerst einen kleinen Test absolvieren, bei dem man demonstrierte, dass man mehrere Runden hintereinander schwimmen konnte. Es kam mir albern vor, aber der Test war schnell gemacht.

Interessant fand ich die Tatsache, dass viele Fakultäten ihre eigenen Sportteams hatten. So zum Beispiel auch unsere International Business School, welche eine Fußballmannschaft vorweisen konnte. Einmal fand sogar ein Turnier statt, bei dem alle Studierenden dazu ermuntert wurden ihr Team anzufeuern.

Events

Abenteuer China: Die SICA Night - eine jährliche Gesangs- und Tanz-Show kurz vor Weihnachten
Die SICA Night – eine jährliche Gesangs- und Tanz-Show kurz vor Weihnachten

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Universität einige Möglichkeiten bietet, sich im Bereich Sport und Musik zu engagieren. In meinen ersten beiden Semestern war ich beispielsweise in einer kleinen Tanzgruppe, mit der wir gemeinsam an mehreren Show-Abenden (unter Anderem SICA) teilgenommen hatten.

Abenteuer China: Das jährliche Fest der Kulturen an der BFSU

Die BFSU hat mehrere Veranstaltungshallen auf dem Campus, bei denen man sich sowohl Tanz- als auch Gesangsaufführungen von Studenten ansehen kann. Zumeist sind diese Events selbst von Kommilitonen organisiert worden. Die einzelnen Acts sind dann mal mehr, mal weniger professionell, aber es ist unglaublich, wie viel Euphorie so ein Event bei den Studenten auslösen kann. Es wird gejubelt, geschrien und gefilmt — zumal auch meistens die eigenen Freunde auf der Bühne stehen. Ich bin sehr gerne auf solche Veranstaltungen gegangen und war froh, selbst an einigen teilgenommen zu haben. Außerdem fand ich es beeindruckend zu sehen, wie professionell die Organisation rund um die Veranstaltung lief. Die Moderatoren waren meistens sehr unterhaltsam und auch die Technik lief größtenteils reibungslos.

Jährlich findet außerdem ein Kulturfest auf dem Campus statt, für das jede Nationalität einen Stand, Aktionen und Vorführungen gestalten kann.

Cafés und Mensen

Wenn man gerade keine Lust auf Sport hat, kann man zum Beispiel auch an einem kleinen Teich entspannen oder eines der Cafés besuchen. Jene sind sehr geschmackvoll gestaltet, aber leider etwas teurer. Wenn es Zeit wurde zu essen, bin ich oft in die Hauptmensa auf dem Ost-Campus gegangen. Es war ein vierstöckiges Gebäude, dass vielerlei verschiedene Speisen anbot und genügend Sitzgelegenheiten hatte. Wie in China üblich konnte man das Gericht stets auch zum Mitnehmen bestellen.

Ich hatte lange gebraucht, um mich in der Mensa zurecht zu finden, da es eine viel zu große Auswahl an Gerichten gab. Oft hatte ich leider das Falsche bestellt, bevor ich endlich fündig wurde. Sehr wichtig war es nur Speisen zu wählen, die frisch für dich zubereitet werden mussten. Alles, was bereits fertig ausgestellt wurde, war entweder kalt oder nicht lecker. Mit der Zeit habe ich meine Lieblingsgerichte gefunden, die ich regelmäßig bestellen konnte. Es ist die günstigste Möglichkeit in Peking zu essen, da eine große Nudelsuppe (mein Highlight in der Mensa!) nur 5 Yuan gekostet hat. Allgemein hat ein Gericht nie den Wert von 11 Yuan überschritten. Nichtsdestotrotz war ich oft außerhalb des Campus essen, da die Gegend rund um die BFSU eine Menge leckerer Alternativen bietet!

Supermärkte

Abenteuer China: Frisches Obst und Gemüse gibt es an jeder Ecke um den Campus herum
Frisches Obst und Gemüse gibt es an jeder Ecke um den Campus herum

Als Letztes lässt sich noch anmerken, dass der Campus auch Einkaufsmöglichkeiten bot. Es gab mehrere Supermärkte, bei denen man Wasser, Brot, Süßigkeiten und andere Lebensmittel kaufen konnte. Außerdem gab es immer Schreibwaren und Hygieneartikel zu einem günstigen Preis. Morgens bin ich des Öfteren zu einem Obsthändler gegangen, der kleine Schalen mit geschnittenem Obst verkaufte. Das perfekte Frühstück!

Abenteuer China?

Abenteuer China: Abschlussparty für Bachelor-Absolventen
Abschlussparty für Bachelor-Absolventen

Wenn ich heute auf die Zeit zurückblicke, frage ich mich manchmal wie ich das nur geschafft habe. Gerade das erste Semester war sehr schwer für mich und zerrte an meinen Kräften, da ich mit starkem Heimweh kämpfte und Probleme hatte, mich an die ganz andere Kultur zu gewöhnen.

Mit der Zeit wurde es jedoch leichter und irgendwann habe ich meinen Aufenthalt sehr genossen. Mittlerweile vermisse ich die Zeit, in der ich mit Freunden am Teich gesessen und Wassermelonen-Smoothies getrunken habe oder gemeinsam bei unserem Lieblingskoreaner Barbecue essen war. Ich hoffe, ich kann irgendwann zurück nach Peking. Denn eins ist sicher — diese Stadt habe ich tief ins Herz geschlossen.

Für Sie schreibt: Jessica Lukas

hat zwei Jahre International Business in Peking studiert

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