Liaoning – Zwischen Mauer und Strand

Der letzte Teil meiner Trilogie über den Nordosten Chinas befasst sich nach den Provinzen Jilin und Heilongjiang nun mit Liaoning. Die Südlichste der drei Provinzen hat durch seine Lage am Meer zuweilen auch den Charakter einer Touristenhochburg. Und wie auch schon bei den anderen beiden Provinzen, scheinen Russland und Korea eine gewisse Rolle zu spielen.

Dalian – die Hafenstadt

Für viele chinesische Touristen zählt Dalian zweifelsohne zu den schönsten Städten des Nordosten und auch die Dalianer selbst lieben ihre Stadt. Die Lage direkt am Meer macht da viel aus. Ich selbst war dieses Jahr zum ersten Mal dort und gleich fiel mir dieses gewisse Flair einer Hafenstadt bzw. einer Stadt direkt am Meer auf. 

Das Meer ist auch die größte Sehenswürdigkeit der Stadt. Hier kann man am Strand flanieren und sogar schwimmen.  In der Nähe des Strands gibt es mehrere Aussichtsplattformen, von denen man einen wunderschönen Blick über Teile der Stadt und die Bucht hat. Hier befinden wir uns aber nicht mehr direkt in Dalian, sondern im Development District (开发区). Dieser ist mit Stadtbahn und Bus aber in 30 – 45 Minuten zu erreichen.

Strand mit Karaokekabinen

Die Innenstadt selbst verfügt über den angeblich größten Platz Chinas (Xinghai Platz), wo jedes Jahr im Juli das Bierfestival stattfindet. Dieses chinesische Oktoberfest zieht dabei über 400 verschiedene Brauereien aus aller Welt an. Mehr als 30 Bierproduzenten aus China, Deutschland, den USA, Tschechien, Schweden, Russland, Island, Japan und Korea präsentieren dabei über 400 Biersorten. Am Platz in Richtung Flussufer befindet sich ein dauerhafter Freizeitpark und zusätzlich eine überdimensionale Halfpipe.

Als relativ junge Stadt kann Dalian neben einer übermäßig touristischen hergerichteten „Russischen Straße“ wenig Historisches aufweisen. Wer jedoch historisch interessiert ist, sollte einen Tagesausflug nach Lüschun machen. Unter russischer bzw. japanischer Kolonialherrschaft als Port Arthur bekannt, beherbergt Lüshun ein altes Gefängnis, welches noch zu Zeiten des russischen Zarenreiches erbaut und später von Japanern erweitert wurde. Russland hatte die Halbinsel einst gepachtet, um hier einen Hafen aufzubauen. Allerdings eroberte Japan die Halbinsel und übernahm dann die Herrschaft. Der Eintritt ins Gefängnis ist kostenlos und es finden sich sogar englische Beschriftungen. 

Ehemalige orthodoxe Kirche

Dandong 

Mehrere Orte im Nordosten Chinas erlauben einen direkten Blick nach Nordkorea. Auch in Liaoning gibt es einen bekannten Übergang. Dieser liegt in Dandong. Hier hofft man weiter darauf, dass der Handel mit Nordkorea wieder freigegeben wird und die internationalen Sanktionen fallen. Wer zudem einmal in einem nordkoreanischen Restaurant essen möchte, ist hier ebenfalls gut aufgehoben.  

Zwei Brücken führen über den Fluss bzw. nur bis zur Hälfte. Die Zug- und Autobrücke, die Brücke der chinesisch-koreanischen Freundschaft, ist nicht zugänglich. Zumindest nicht ohne besondere Erlaubnis. Direkt neben der Freundschaftsbrücke liegt noch ein Brückenfragment, welches bis zur Hälfte über den Fluss ragt. Diese Brücke wurde im Koreakrieg von Amerikanern zerstört und danach nur von China wieder bis zur Hälfte aufgebaut. Nordkorea ließ nur die Brückenpfeiler als Mahnmahl der US-amerikanischen Aggression stehen. Die chinesische Brückenhälfte ist begehbar und liefert auch einige geschichtliche Informationen. Leider nur auf Chinesisch.

Brücke der chinesisch-nordkoreanischen Freundschaft

Von der Jinjiang-Pagode hat man ebenfalls einen schönen Ausblick nach Nordkorea, sie liegt deutlich erhöht im gleichnamigen Park. Etwas abgelegen, aber auch gut erreichbar, liegt die Große Mauer am Tigerberg aus der Ming-Dynastie. Dieser Teil wurde gut restauriert und zieht nicht so viele Menschen an, wie Badaling oder Mutianyu bei Peking. Aus eigener Erfahrung kann ich es sehr empfehlen, ein Mauerstück fernab der Touristenstöme zu besuchen. Es ist ein ganz anderes Gefühl und man lernt die Mauer in ihrer Einzigartigkeit noch einmal ganz neu kennen und schätzen. Um es hier hinzuschaffen, lohnt sich dann doch eine Übernachtung. Sonst ist Dandong, auch gut als Tagesausflug zu absolvieren.

Die drei Provinzen im Nordosten Chinas. Jilin, Heilongjiang und Liaoning stehen bei Touristen zwar noch nicht auf dem höchsten Kurs, haben aber viele interessante Orte zu bieten und geben einen guten Einblick ins moderne China. Geprägt ist diese Region besonders durch den Einfluss Russlands und (Nord-)Koreas. Ich finde gerade, da die Provinzen noch nicht ganz so bekannt sind, wie viele andere, sind sie durchaus einen Besuch wert!

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Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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