Wudang Shan – Der heilige Berg

Oft assoziieren die Menschen China mit Kungfu und den berühmten Shaolin-Mönchen. Allerdings hat sich neben dem buddhistischen Mönchsorden eine weitere interessante Glaubens-Gesellschaft entwickelt, die bekannt für ihre Kampfkünste ist: Die Rede ist von den Wudang-Mönchen, die auf dem heiligen Berg Wudang nahe der Stadt Shiyan in der Provinz Hubei leben. Doch im Unterschied zu den Shaolin orientieren sich die Wudang-Anhänger an der Religion oder Philosophie des Daoismus.

Wudang ist ein Ort voller Mysterien, wunderschöner antiker Bauten und einer märchenhaften Landschaft. Der Berg ist der heiligste Ort des Daoismus und trägt ebenfalls die weniger bekannten Namen Berg Taihe und Berg Xuanyue. Die Landschaft des Wudang umfasst eine Fläche von 321 Quadratkilometern und steht seit 1994 mit seinen Kulturrelikten auf der Liste der Weltkulturerben der UNESCO. Tauchen wir gemeinsam ein in die Welt des Daoismus auf dem Berg Wudang!

Daoismus – Religion oder Philosophie

Um die wundersame Welt des Bergs Wudang zu verstehen, sollte ein kurzer Ausflug in den Daoismus unternommen werden. Der Daoismus ist eine Glaubensrichtung, die das Prinzip des Gleichgewichts und der Harmonie vertritt, die sich das Dao nennt. Das Dao ist ein grundlegender Gedanke der meisten philosophischen Schulen Chinas. Anders als der religiöse Buddhismus ist der Daoismus keine Religion, sondern eine Philosophie. Und dennoch scheinen die Sphären zu verschwimmen. Denn obwohl der Daoismus als Philosophie gilt, ist er dennoch Vertreter für Chinas eigene und authentische Religion.

Steinskulptur des chinesischen Philosophen Laozi, Verfasser des Daodejing

Die Wurzeln des Daoismus reichen weit bis ins 4. Jahrhundert vor Christus zurück. Der frühe Daoismus entwickelte seine kosmologische Auffassung aus den Lehren des Yin und Yang heraus und wurde von den klassischen Texten des Yijing beeinflusst. Die Schriftstücke des Yijing klären über das philosophische System auf, dem zufolge der Mensch in Einklang mit der Natur lebt. In diesem Zusammenhang sollte auch das Daodejing genannt werden, das als Gründungsschrift des Daoismus gilt. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Spruchkapiteln, die der chinesischen Legende nach von Laozi stammen.

Geburtsstätte des Daoismus

Während der Tang-Dynastie und unter der Regentschaft des Kaisers Taizong entstanden die ersten Gebäude auf dem Berg Wudang. So ließ der Kaiser Taizong zu jener Zeit den Ahnentempel der fünf Drachen erbauen. Es handelt sich dabei um das älteste Gebäude und es repräsentiert den Beginn des Daoismus. Diesem folgte die Errichtung von insgesamt 33 Palästen und Bauten in der Ming-Dynastie durch den Kaiser Zhudi. Dazu gehören der Yuxu Tempel, der Purpurwolken-Palast, der Yuzhen Palast und der Palast der Harmonie. Die Gebäude sind Zeitzeugen der Entstehung des Daoismus und gehören heute zu den wichtigsten Reisezielen für Pilger und Besucher des Berges Wudang.

Der Palast der Harmonie

Im Süden des Tianzhu Gipfels erreichen Besucher den Palast der Harmonie, der sich aus dem Goldenen Palast (der goldene Gipfel), der verbotenen Stadt und der Gutong Halle zusammensetzt. Der goldene Palast ist der bekannteste und beliebteste Teil des Gebäudekomplexes unter den Besuchern. Für seine Konstruktion verwendeten die Erbauer Bronze. Die Maße betragen eine Länge von vier Metern, eine Breite von drei Metern und eine Höhe von sechs Metern.

In einem Schrein in der Halle des Gebäudes steht eine Statue des Kaisers Zhenwu mit einer Nachbildung eines Jungen aus Gold und eines Mädchens aus Jade. Des Weiteren begleiten ihn der General des Feuers und der General des Wassers zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Es heißt, dass die Statue des Kaisers über zehn Tonnen wiegen soll. Über dem Schrein hängt eine Goldtafel mit den vier chinesischen Schriftzeichen „Jin“, „Guang“, „Miao“ und „Xiang“. Diese schrieb Kangxi, Kaiser der Qing-Dynastie. Trotz seiner sehr langen Geschichte, strahlt der Ort auch heute noch seinen Glanz und Stolz aus.

Der große Purpurwolken-Palast

Unter dem Zhanqi Gipfel finden Pilger und Besucher den Purpurwolken-Palast. Es handelt sich dabei um das wohl prunkvollste und am besten erhaltene daoistische Gebäude auf dem Berg Wudang. Auf seiner 6,8 Quadratkilometer großen Gesamtfläche stehen die Halle des Drachens und des Tigers, der Stelen-Pavillon, die Shifang-Halle, die Halle der Eltern, die große Halle des Purpurwolken-Palasts und weitere Gebäude. Während blau glasierte Ziegel sowie gelbe und blaue Schnitzereien die Dächer schmücken, ist die große Halle das repräsentativste Holzkonstrukt auf dem gesamten Berg. In der Halle selbst steht die Skulptur des Jadekaisers zur Verehrung, die ein Kunsthandwerker der Ming-Dynastie anfertigte.

Der große Purpurwolken-Palast

Der Palast der Südklippe

An der Duyang-Klippe finden Besucher den Palast der Südklippe, der die Tianyi Zhenqing-Halle, den Pavillon des Achter-Diagramms, das Südliche Himmelstor und das Schwebende Kliff umfasst. Unter ihnen ist wohl die Tianyi Zhenqing Halle, die während der Yuan-Dynastie entstand, das renommierteste Bauwerk. Die Balken, Säulen, Türen und Fenster wurden mit eindrucksvollen Schnitzereien aus Stein verziert. Allerdings zeugen nicht nur Gebäude und Handwerkskünste von der eindrucksvollen Vergangenheit des Wudang. Wie bereits angesprochen, wurden auch Kampfkünste auf dem heiligen Berg entwickelt.

Wudang-Kungfu

Neben dem Shaolin-Kungfu gehört das Wudang-Kungfu zu den prägenden Stilrichtungen der chinesischen Kampfkünste. Die größten Vertreter des Wudang sind das Taijiquan, das Xing Yi Quan und das Baguazhang. Auch heute existieren noch Trainingseinrichtungen für Wudang-Kungfu und Taijiquan in der Akademie auf dem Bergareal. Einrichtungen für Meditation existieren ebenfalls. Einige Hotels auf dem Berg bieten darüber hinaus Kurse für Kungfu und Taiji an, die üblicherweise nach Stunden abgerechnet werden. Wer also interessiert ist, kann sich sehr gerne für ein paar Stunden einschreiben.

Ausländischer Schüler des Wudang-Kungfu, der auf dem Bild eine Schwertform übt

Einer Legende zufolge entwickelte der daoistische Einsiedler Zhang Sanfeng das Taijiquan, der auf dem Berg Wudang lebte. Jedes Jahr kommen zahlreiche chinesische und ausländische Wudang Schüler auf den Berg, um zu lernen und ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Wichtig für Besucher

Das sich Orte wie der heilige Berg Wudang zu beliebten Besucherzielen von Touristen entwickeln, entspricht sicher nicht der ursprünglichen Intention. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dieser kulturellen Stätte mit Respekt zu begegnen. Besucher sollten auf folgende Hinweise achten:

  • Beim Betreten von Tempelanlagen sollte die Türschwelle stets überschritten und niemals auf diese getreten werden.
  • Des Weiteren sollte man das Zeigen mit dem Finger auf Götterstatuen oder das Zuwenden mit dem Rücken unterlassen.
  • Laut dem Sprichwort „(buddhistische) Mönche nennen niemals ihren Namen und daoistische Mönche niemals ihr Alter“ sollte man die Mönche nie nach ihrem Alter fragen.
  • Und wer die zauberhafte Natur zum Wandern oder für Kungfu-Unterricht erkunden möchte, sollte sich einen Führer mitnehmen oder sich stets in der Nähe der Hauptpfade aufhalten.

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Für Sie schreibt: Patrick Müsker

Sinologe M.A., Übersetzer,
Interkulturelle Beratung,
Delegationsbetreuung, Blog-Redakteur

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