Unterwegs in Shanxi – Wiege der chinesischen Kultur


Unsere Mitarbeiterin Ulrike Löhrl war in China unterwegs. In diesem Reisebericht erzählt sie von ihren Erlebnissen in Shanxi.

Von Ulrike Löhrl

Die nordchinesische Provinz Shanxi mit der Hauptstadt Taiyuan zählt zu den weniger bekannten Landschaften Chinas. Shanxi (nicht zu verwechseln mit der Nachbarprovinz Shaanxi) ist eine der Wiegen der chinesischen Kultur. Der Name Shanxi bedeutet „westlich der Berge“. Die Provinz liegt zwischen der nordchinesischen Ebene und dem Lauf des Gelben Flusses. Sie ist geprägt durch das nordchinesische Hochplateau mit seiner fruchtbaren Löss-Erde. 

Der Hukou-Wasserfall

Am Beginn meiner Reise durch Shanxi stand ein Besuch am Hukou-Wasserfall. Der Wasserfall des Gelben Flusses liegt auf der Grenze zwischen Shaanxi und Shanxi. An dieser Stelle verengt sich das Flussbett des Gelben Flusses plötzlich und fällt 20-30 Meter tief in ein Tal. Der Name des Wasserfalls bedeutet so viel wie “Flaschenhals“: also eine enge Stelle, durch die das Wasser fließt.

Hukou-Wasserfall in Shanxi

Es ist Chinas zweitgrößter Wasserfall – der größte ist Huangguoshu in der Provinz Guizhou. Zu besten Zeiten stürzen hier 8.000 Kubikmeter pro Sekunde durch die schmale Felsschlucht in ein Tal. Tage zuvor hatte es so viel geregnet, dass die gelben lössgesättigten Fluten des Huang He sogar die Stege zum Wasserfall überspülten und wir uns sehr vorsichtig auf den schlüpfrigen Holzbohlen bewegen mussten. Beeindruckende Wassermassen ließen uns die Kraft des Wassers spüren.

Pingyao – ein kulturelles Erbe

Auf Reisen in Shanxi darf natürlich ein Besuch in der Weltkulturerbe-Stadt Pingyao nicht fehlen. Auf dem Weg dorthin besuchten wir den Wohnhof der Familie Wang. Was sich so gemütlich anhört, ist in Wirklichkeit ein Palast, ein veritabler Komplex auf einem Lösshügel am nördlichen Ende des Dorfes Jingshengcun. Umgeben von grauen Mauern gruppieren sich  auf 80.000 Quadratkilometern 231 Höfe mit insgesamt 2078 Räumen. In der Qing-Zeit bewohnten jeden dieser Höfe ein Mitglied der Wang-Sippe mit seiner Familie. Es gab eine Familienschule, Tempel, Werkstätten und Läden und natürlich auch Gärten. Heute ist es ein sehr sehenswertes Museum.

Wohnhof der Familie Wang

Neben dem Wohnhof befindet sich ein Hotel im selben Stil, das „Chongning Castle Hotel“, in dem wir auf der Gruppenreise „Zwischen Gelbem Fluss und großer Mauer“ eine Nacht verbringen. Hier kann man wie ein Familienmitglied residieren in einem kleinen Hof mit mehreren Zimmern, die mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet sind.

Ein Abenteuer in Zhang Bi

In der Nähe des Wohnhofes  liegt das unscheinbare Dörfchen Zhang Bi. Die meisten Gebäude und die gut erhaltene Stadtmauer mit ihren Toren und Wachtürmen stammen aus der Ming- und Qing-Dynastie. Hinter den Mauern verbirgt sich ein kleines verschlafenes Dorf, welches noch von einigen hundert Menschen in den alten Häusern bewohnt wird. Bekannt ist Zhang Bi v. a. für sein ausgeklügeltes Tunnelsystem. Rund 10 Kilometer Tunnel dienten der Versorgung der früher im Dorf stationierten Truppen und als Vorratsspeicher und Versteck für die Bevölkerung. Im weichen Lössboden wurden die Tunnel mit einfachen Werkzeugen gegraben.

Bei unserem Besuch ist die Atmosphäre in den alten Gassen ruhig und beschaulich – aber plötzlich sind Schüsse zu hören und ein Trupp Soldaten taucht auf, in grauer Uniform, verdreckt und blutend. Wo sind wir da reingeraten?! Antwort: In Dreharbeiten zu einem Film über den anti-japanischen Krieg! Große Aufregung unter den Komparsen, als sie unserer gewahr wurden – die Drehpause wurde schnell für Selfies mit den Langnasen genutzt. Dörfer dieser Art werden gerne als Drehort für historische Filme genutzt.

Dreharbeiten in Zhang Bi

Die Weltkulturerbe-Stadt Pingyao hat eine fast 3.000-jährige Geschichte. Innerhalb der Stadtmauern sieht es noch fast genauso aus wie vor 300 Jahren. Nur mit dem Unterschied, dass in den alten Wohnhäusern jetzt Gasthäuser, Restaurants, Bars und Geschäfte residieren. Vor 200 Jahren war Pingyao das Finanzzentrum des alten Chinas: Hier wurde die erste Bank Chinas gegründet, das erste Papiergeld ausgegeben und die ersten Schecks eingelöst. In Pingyao kann man sich treiben lassen und sich auch abseits der Touristenströme durch die kleineren Gassen bewegen. Die Altstadt ist umgeben von einer komplett erhaltenen Stadtmauer, von der aus man einen guten Blick auf die niedrigen Häuser der Altstadt bekommt. Die Altstadt ist komplett autofrei, sodass man wunderbar durch die Gassen schlendern und das Angebot bewundern kann.

Zum Abschluss Datong

Unser letzter Ort Datong, die Großstadt im Norden Shanxis. Auf der Fahrt dorthin machen wir einem Stopp an dem Mauerabschnitt Baicaokou. Hier ist der innere Kern der Großen Mauer noch gut erhalten zu sehen. Die Mauersteine der Ummantelung sind längst als Baumaterial in den Bauernhäusern der Umgebung gelandet. Ein kurzer Stopp mit Sprint auf den Wachturm garantiert einen grandiosen Blick über die Landschaft.

Die Stadtmauer von Datong

Weiter geht es zur hölzernen Pagode im Kreis Yingxian, eine der ältesten Holzbauten in China – mehr als 900 Jahre alt. Im Abendlicht sieht sie besonders schön aus. Beim Aufenthalt in Datong darf natürlich ein Besuch der Yungang (Wolkengrat)-Grotten nicht fehlen!

Diese Reise führt Sie zu der Wiege der chinesischen Kultur in Shanxi und viel weiter:

Laura Bünning

Für Sie schreibt: Laura Bünning

Redakteurin und Contentmanagerin bei China Tours.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.