Chinesische Hochzeit – zwischen Tradition und Moderne

Tausende von Menschen bezeugen täglich ihre Liebe vor dem Traualtar. So auch in China? Welche Bräuche für die Hochzeit werden im Reich der Mitte genutzt? Wie findet man seinen Partner oder welche Farbe hat das Brautkleid? Lassen Sie sich überraschen!

Die Suche nach der großen Liebe

Vor gar nicht allzu langer Zeit war eine Hochzeit aus Liebe in China eine Seltenheit. Arrangierte Ehen waren dort noch bis in die 1970er und 80er Jahre gang und gäbe. Auch heute spielen der soziale Status, Beruf und Besitz eines Partners noch eine wichtige Rolle. Dies wird auf den sogenannten Heiratsmärkten deutlich. Diese finden in regelmäßigen Abständen in innerstädtischen Parks statt. Eltern oder Verwandte fungieren als Heiratsvermittler und versuchen ihre Kinder im heiratsfähigen Alter „an den Mann zu bringen“. Bei dem Großteil der Anzeigen geht es tatsächlich um die Vermittlung von Töchtern. Wer weiblich und älter als 27 Jahre ist, gilt als „übrig gebliebene Frau“ (剩女 shèngnǚ) und schwer vermittelbar.

In den Anzeigen spielt die Angabe des akademischen Abschlusses, des monatlichen Einkommens und sogar, ob der Zukünftige bereits über eine eigene Wohnung verfügt, eine zentrale Rolle. Gleich nach Namen, Geburtsjahr und Geschlecht werden diese Informationen aufgelistet. Die Romantik und die Liebe werden hinten angestellt. So kommt es noch immer häufig vor, dass anstatt der Liebe die finanzielle Sicherheit in den Vordergrund rückt. Ist der Traumpartner gefunden, wird er dem eigenen Kind vorgestellt. Ob es daraufhin tatsächlich zu einer Hochzeit kommt, ist schwer zu sagen.

Rot oder Weiß?

Traditionell heiratet man in China in Rot – der Farbe des Glücks. Heute sieht man häufig Brautkleider nach westlichem Vorbild in Weiß, obwohl die Farbe Weiß immer noch mit Trauer verbunden wird. Während der Hochzeitszeremonie wird die Kleidung aber ohnehin mehrmals gewechselt, wobei das letzte Kleid meist rot ist. Die Hochzeitsfotos werden vor der Hochzeit in speziellen Hochzeitsstudios gemacht. Bei dem oft stundenlangen Prozedere schlüpft das Paar in die ein oder andere Verkleidung und lässt sich dies einige tausend Yuan kosten.

Braut in einem weißen Kleid

Das traditionelle Hochzeitskleid der Frau heißt Qipao 旗袍. Es ist ein rotes eng anliegendes Kleid mit Seitenschlitzen, hochgeschlossenem Kragen und Knöpfen an der Schulter. Der Qipao wird heutzutage auch gern zu anderen offiziellen Anlässen getragen.

Brautpaar in traditionellem Rot

Die Bewährungsprobe

Es ist Tradition, dass der Ehemann seine Zukünftige am Tag der Hochzeit zu Hause abholt. Bevor er allerdings das Zimmer der Braut betreten darf, muss er zunächst einige Hongbao 红包 („Rote Umschläge“) mit einem symbolischen Geldbetrag unter der Tür hindurch schieben. Oft gilt es, noch weitere Hürden zu überwinden, ehe er die Braut zu Gesicht bekommt. Bevor er sie dann letztendlich entführen und über die Schwelle aus dem Zimmer tragen darf, muss er den Schuh der Braut suchen, der von den Freunden zuvor versteckt wurde. Diese Art von Spielen können als „Bewährungsprobe“ angesehen werden.

Im festlich geschmücktem Auto geht es dann zum Haus der Eltern des Bräutigams. Nun findet die Bewährungsprobe für die Braut statt. Sie serviert ihren Schwiegereltern nun den selbst zubereiteten Tee und kann dabei ihre häuslichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dies ist noch ein Relikt aus alten Zeiten, in der die Frau nicht nur in die Familie des Ehemannes einheiratete, sondern auch dort wohnte und im Haushalt arbeitete.

Die Hochzeitszeremonie

Größere Hochzeiten werden meist in Restaurants, Hotels oder speziellen Hochzeitslocations ausgerichtet. Zur Hochzeit kommen nicht nur Freunde und Verwandte, sondern auch Vorgesetzte, sodass man schnell bei 100 Gästen angelangt ist.

Wie in China üblich werden zur Hochzeit verschiedene Speisen auf runden Tischen aufgetragen, die geteilt werden. Die Anzahl der Gänge, aber auch die farbliche Gestaltung sind dabei wichtig. Neben einem Hauptgericht, wie Ente, Huhn oder Fisch, werden zusätzlich meist acht warme und acht kalte Speisen serviert. Die Acht gilt in China als absolute Glückszahl. Dem Brautpaar ist es an dieser Stelle allerdings noch nicht vergönnt, einen Happen zu sich zu nehmen. Es geht üblicherweise von Tisch zu Tisch, um mit seinen Gästen anzustoßen. Hier gilt es vor allem, seine Trinkfestigkeit unter Beweis zu stellen.

Für den westlichen Teil der Zeremonie, bei der das Brautpaar sich das Jawort gibt und die Ringe tauscht, wird in der Regel ein Moderator gebucht. Der Gang zum Bezirksamt, wo die Hochzeit registriert wird, ist reine Formsache. Gern wird für den Tag der Hochzeit ein glückverheißendes Datum gewählt.

Geschenke

Die oft sehr hohen Ausgaben für eine Hochzeit werden durch die traditionell geschenkten Hongbao wieder ausgeglichen. Die roten Umschläge sollten einen Geldbetrag von mindestens 102 Yuan enthalten. Glatte Beträge gelten als wenig glückverheißend. Die Höhe des Betrages in einem Hongbao ist davon abhängig, wie gut die Gäste das Paar kennen. Die Umschläge werden zum Teil sofort an Ort und Stelle geöffnet, um das Geld zu zählen. Der Wert wird dann zusammen mit dem Namen des Gastes in eine Liste eingetragen. Dies mag unüblich erscheinen, ist aber notwendig, um den Schenkenden bei einer potentiellen nächsten Feier die gleiche Summe zurückgeben zu können. Würde man weniger schenken, bestünde die Möglichkeit, sein „Gesicht zu verlieren“.

Spaß im Hochzeitszimmer

Im Anschluss an die Feier macht sich das Brautpaar, zusammen mit den engsten Freunden, auf zu ihrem Hochzeitszimmer. Dieses ist früher in einem Zimmer des elterlichen Hauses hergerichtet worden. Heute wird zu diesem Zweck auch häufig ein Hotelzimmer gebucht, sofern das Paar noch keine eigene gemeinsame Wohnung hat. Die traditionelle Dekoration – das rote Doppelglücksymbol 囍 (shuāngxǐ) darf natürlich in keinem Hochzeitszimmer fehlen. Es ist ein Symbol der Eheschließung und findet sich auch häufig an der Haustür von frisch vermählten Paaren.

Die nun folgenden Spiele und Streiche beim „Spaß im Hochzeitszimmer“ waren zur Zeit der arrangierten Ehen dazu gedacht, Hemmungen abzubauen und sich besser kennenzulernen. Heute steht der Spaß bei diesem Brauch im Vordergrund. Ein typisches Spiel ist das gleichzeitige Beißen in einen Apfel, der zwischen dem Brautpaar aufgehängt wird. Die Eheleute dürfen dabei nicht ihre Hände zu Hilfe nehmen und schnell ist es passiert, dass sich plötzlich die Lippen der beiden berühren. Das Motto dabei: Je mehr Schabernack bei den Spielen betrieben wird, desto glücklicher die Ehe.

Für Sie schreibt: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Blog-Redakteurin | Mitarbeiterin beim Museumsdienst Köln | Dozentin für Chinesisch

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