Berlin-Peking Oldtimerrallye 2019: Kaschgar-Aksu-Kuqa (Tage 29-30)

Am 24. August 2019 sind 8 Teams in ihren eigenen Oldtimern und unser Service-Car auf das 52-tägige Abenteuer von Berlin nach Peking gestartet. An den Tagen 29 und 30 der Rallye rollten die Teams von Kaschgar über Aksu entlang der nördlichen Ausläufer der Taklamakan-Wüste nach Kuqa. Vielen Dank wie immer unserem Rallyebotschafter Bernd Andrich für Berichte und Fotos.

Tag 29: Kaschgar-Aksu 463 km

Die Route führte uns durch die Taklamakan-Wüste mit ihren Sanddünen, den mit Steinen übersäten Ebenen und den grünen Oasen. Sie ist nach der Rub al-Chali die zweitgrößte Sandwüste auf unserem Planeten.

Wir absolvierten wieder mehrere Polizeikontrollen auf der sehr guten Autobahn nach Aksu. Aller 30 Kilometer gab es Tankstellen mit Gastronomie, Shop und sauberen Toiletten.

Unsere Guides Hao und Rainer waren in Telefonbereitschaft, um den jetzt einzeln fahrenden Teams telefonische Hilfe bei den Beamten zu leisten. Das funktionierte prima. Mario und Frank mit ihrem auffälligen offenen Mercedes Cabrio (nur die Harten kommen in den Garten) mussten sich allerdings kurz vor dem Hotel noch für 30 Minuten einer Sonderkontrolle von polizeilichen Special Forces unterziehen.

Zum Mittag aß ich ein super leckeres Nudelgericht mit Gemüse und Rindfleisch. Es war herrlich anzusehen, wie der Koch mit körperlichem Einsatz die Nudeln von Hand herstellte. Er teilte den Teig, dehnte ihn und schlug ihn auf den Tisch. Das war spitze.

Kurz vor Aksu hörte die eintönige graubraune Wüste auf. Das Gebirge war zurückgedrängt. Industriebetriebe rückten ins Bild, aber am Horizont erschien die Skyline von Aksu. Die Einfallstraße war mit vielen Bäumen und Sträuchern begrünt.

Am Abend gab Heinz von Team 2 eine Runde Rotwein auf seinen 35. Hochzeitstag aus. Danke Heinz. Seine Frau war schon am Anfang der Reise ein Teilstück dabei und ließ uns grüßen.

Tag 30: Aksu-Kuqa 252 km

Eigentlich ging der Tag nach dem Frühstück gut los. Auf dem Parkplatz vor dem Hotel gab es eine große Fotosession mit Mitgliedern des Mercedes Clubs von Huizhou/Guangdong. Sie waren ebenfalls in unserem Hotel abgestiegen als Station auf ihrer Rallye durch China. Sie  fuhren mehrere ältere S-Klasse-Fahrzeuge, die sie aus Deutschland importiert hatten.

Auf dem Weg zu den Buddha-Grotten in Kizil, dem wohl bedeutendsten buddhistischen Höhlentempel, fuhren wir in Kolonne durch sehr schöne schattenspendende Baumalleen. Der Citroen von Team 4 machte laute Geräusche. Wir stoppten und Dominik wechselte mit Holger den Fahrersitz, um selbst zu testen. An eine Weiterfahrt war nicht mehr zu denken. Von der Antriebswelle links waren am Flansch zum Motor 6 der 8 Schrauben herausgefallen. Die Polizei, die bereits wenige Minuten nach unserem Halt, wie von Wunderhand geholt, zur Bewachung vor Ort war, besorgte die fehlenden Schrauben und Muttern. Folglich Danke dafür. Es hätte das Ende der Reise für das Team bedeuten können. Die anderen Fahrzeuge wurden zur Weiterfahrt zu den Buddha-Grotten aufgefordert.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem kleinen Straßenrestaurant, das übrigens sehr lecker war, erreichten wir um 17:00 Uhr unser Ziel. Von den 236 Felshöhlen haben wir drei besucht. Rainer erklärte mit fester Stimme kompetent wie immer die historischen Zusammenhänge. Mit dreistündiger Verspätung trafen mit lachenden Gesichtern Holger und Vera von Team 5 mit dem wieder leise surrenden Citroen ein. Hao Lei, unser chinesischer Guide hat die Rahmenbedingungen für die Reparatur organisiert und Dominik hat wieder ganze Arbeit geleistet. Danke Dominik und Hao.

Weiter geht die Reise nach Kuqa

Nach dem emotionalen Höhepunkt des Tages gab es leider recht schnell Tiefpunkte. Auf den letzten Kilometern nach Kuqa bis in die Stadt hinein folgten weitere Polizeikontrollen, die mitunter bis zu 30 Minuten für die Kolonne dauerten. Pässe und Dokumente vorzeigen, abfotografieren, telefonisch vom Chef die Erlaubnis für die Weiterfahrt einholen. Das zerrte selbst mir absolut an den Nerven. Zwischen den Posten gab es offensichtlich keinerlei Abstimmung. Ich habe nicht genau gezählt. Es waren größere Kontrollen. Als wir die Innenstadt erreichten war es schon lange dunkel. Obwohl es Sonntag war, strömte der Verkehr mit voller Power. Lange Staus und absolut dichter Verkehr auf individuell gebildeten Spuren, die kurzzeitig von 3 auf 6 Fahrzeuge nebeneinander wechselten, erschwerten das Vorankommen und die Orientierung. Da es keine Fahrbahnmarkierungen gab, war die Hupe ein wichtiger Begleiter.

Nun fing auch noch das Garmin-Navi an, uns den letzten Nerv zu rauben. Die Route war nicht mehr nachvollziehbar. Ich dachte, wir stellen unseren Bulli irgendwo ab und nehmen ein Taxi. Als letzten Versuch aktivierte Christoph auf seinem Smartphone die von China Tours empfohlene Navi-APP „maps.me“. Das war die Rettung. Der eigentlich mit schönen Aktivitäten geplante Tag hatte durch die ärgerlich komplizierte Hotelsuche in einer dunklen fremden Stadt und die wiederholten polizeilichen Rituale keinen „Daumen hoch“ verdient.

Wir wünschen allen eine pannenfreie Weiterfahrt und viele Eindrücke auf den weiteren Etappen durch die Provinz Xinjiang.

Seien Sie beim nächsten Abenteuer auf der New Silk Road mit dabei:

 

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Für Sie schreibt: Bernd Andrich

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