Magisches Guilin: Die Höhle der Rohrflöte

Guilin in der südchinesischen Provinz Guangxi ist vor allem für seine atemberaubende Karstlandschaft bekannt. Doch neben den beeindruckenden Bergen, Flüssen und Grünflächen findet man abseits vom Tageslicht einen ganz besonderen Ort, der alle Besucher in eine magische Zauberwelt entführt: die Höhle der Rohrflöte.

Bunte Märchenwelt im Grünen

Am südlichen Abhang eines rauen Berges befindet sich der Eingang zur Höhle der Rohrflöte – benannt nach dem Schilf in der Umgebung, aus dem Flöten gefertigt werden. Im Inneren wartet ein wahrhaft schöner Anblick: Einzigartige Formationen aus Kalkstein ziehen sich durch die gesamte 240 Meter lange Höhle und versetzen Besucher ins Staunen. Die bunten Neonlichter, mit denen die Stalaktiten und Stalagmiten gebührend in Szene gesetzt werden, erwecken den Anschein, man sei direkt in eine Märchenwelt eingetaucht.

Der Fluss im Inneren fließt ruhig, sodass sich die beleuchteten Felsformationen eindrucksvoll auf der Wasseroberfläche spiegeln können. Zusätzlich verleiht das Wasser diesem Ort noch mehr Brillanz und Dynamik.

Die Höhle der Rohrflöte wächst

Vor etwa 180 Millionen Jahren begann der Entstehungsprozess der zahlreichen Stalaktiten und Stalagmiten in der Höhle der Rohrflöte. Bis heute ist er nicht abgebrochen. Durch Risse in der Decke der Höhle gelangt kalziumreiches Wasser ins Innere und bildet dort Stalagmiten, die mit der Zeit weiter wachsen. Von diesen tropft Wasser auf den Boden, kristallisiert und bildet die Stalaktiten.

Man sagt „Steter Tropfen höhlt den Stein“ – hier ist allerdings das Gegenteil der Fall. Denn der stete Tropfen lässt den Stein erst entstehen. Und solange das Wasser weiter tropft, werden die Felsformationen wachsen.

Bizarre Formen von Drachenkönig bis Freiheitsstatue

Zwar haben sich die Felsen vollkommen willkürlich gebildet, doch kann man in vielen durchaus konkrete Formen erkennen. Diese reichen von Wesen der chinesischen Mythologie über Tiere und Pflanzen bis hin zu anderen Sehenswürdigkeiten wie etwa der Freiheitsstatue. Die Anwohner aus der näheren Umgebung haben es sich natürlich nicht nehmen lassen, den Formationen teils doch recht poetische Namen zu geben – wie etwa diese beiden:

Der Kristallpalast

Der breiteste Teil der Höhle misst 93 Meter und hier findet sich auch der sogenannte Kristallpalast. In der oberen linken Ecke bildet eine Stalagmiten-Formation die Deckenleuchte. Am Boden sind kaum Stalaktiten zu finden, was den Eindruck erweckt, man befände sich in einer Halle. Wie der Palast des Drachenkönigs aus der chinesischen Mythologie sind die Felsen in magische Farben getaucht.

Die Kiefer im Schnee

Diese Formation besteht aus zwei einzigartigen Stalagmiten, von denen einer wie ein Schneemann aussieht. Der andere erinnert an eine Kiefer, deren Zweige mit einer dicken Schneeschicht bedeckt sind. Einem chinesischen Sprichwort zufolge werden Kiefern nach dem Schnee grüner. Diese Bäume gehen also aus einer Herausforderung gestärkter hervor, was die Chinesen beeindruckt. Der Schnee in der Höhle besteht allerdings lediglich aus Kalzitkristallen.

Protokoll der Geschichte

Neben den vielen faszinierenden Felsformationen lassen sich in der Höhle der Rohrflöte insgesamt 77 Inschriften finden – darunter auch einige aus der Tang-Dynastie, der Song-Dynastie und der Ming-Dynastie. Dies sind vor allem Gedichte und Reiseberichte geschrieben von Gelehrten, Mönchen und Reisenden. Aufgrund des Alters der Höhle kann man die Kalligrafie verschiedener Epochen bestaunen. Die Autoren kamen aus allen Ecken des Landes, was darauf schließen lässt, dass diese Höhle schon seit langer Zeit bei Touristen beliebt ist. Einige Inschriften sind auch Beweis dafür, dass Mönche hier zusammen die Verbreitung des Buddhismus in Guilin diskutiert haben. Zugleich lässt sich die Verbreitung des Buddhismus während der Tang-Dynastie mithilfe dieser Inschriften besser nachvollziehen.

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Für Sie schreibt: Lisa Ellermann

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