Altstadt von Lijiang

Naxi – die Seele von Lijiang

In der Frühlingsprovinz Yunnan liegt die Stadt Lijiang. Dort findet man die Naxi und vielen anderen Minderheiten – ein erstaunliches kulturelles Erbe!

Die Stadt Lijiang

Die Provinz Yunnan ist in China für ihre hohe kulturelle Vielfalt bekannt. Fast die Hälfte aller offiziell anerkannten Minderheiten in China findet man in dieser Provinz. 25 der 56 Minderheiten sind dort anzutreffen und 15 davon nur in der Provinz Yunnan.

Die Stadt Lijiang liegt auf rund 2.600 Metern Höhe, an den Ausläufern des Himalayas und im Nordwestlichen Zipfel von Yunnan. Durch die hohe Lage der Stadt ist das Klima ganzjährig relativ milde, ähnlich wie in der Provinzhauptstadt Kunming. Lijiang hat einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. So bietet sich einem bei klarem Wetter ein wunderbarer Blick auf den nahegelegenen Jadedrachen-Schneeberg, der an seiner höchsten Stelle rund 5.600 Meter misst. Den besten Blick hat man in idyllischer Atmosphäre vom Teich des schwarzen Drachens aus auf den Berg.

Teich des schwarzen Drachen – Naxi in Lijiang
Teich des schwarzen Drachen

Verschiedene Minderheiten

Auch kulturell hat Lijiang einiges zu bieten. Bemerkenswert ist, dass die Gruppe der Han-Chinesen in Lijiang unter 50 % liegt.

Die Gruppe der Han-Chinesen macht in China rund 92 % der Bevölkerung aus und ist meist gemeint, wenn wir von „den Chinesen“ sprechen. Mit rund 1,3 Milliarden Menschen machen die Gruppe der Han rund 18 % der Weltbevölkerung aus!

Andere Minderheiten, die in Lijiang leben sind z.B. die Naxi, die Yi, die Lisu, Primi und die Mosuo. Die meisten der dort lebenden Minderheiten haben ihre eigene Sprache und Kultur.

Mann beim Lesen in der Altstadt – Naxi in Lijiang
Mann beim Lesen in der Altstadt

Die Naxi

Bei der Naxi Minderheit gilt es zwischen zwei verschiedenen Stämmen zu unterscheiden. Denn die sogenannten Mosuo werden offiziell auch zu den Naxi gezählt, weisen aber kulturell große Unterschiede auf. Besonders bekannt ist der Stamm der Mosuo für sein Matriarchat. Dies beinhaltet, dass die Frau das Familienoberhaupt ist und wichtige Entscheidungen von ihr getroffen werden.

Naxi beim Tanz
Naxi beim Tanz

Ihnen stehen die Naxi gegenüber. Sie sind vor allen Dingen wegen ihrer eigenen Schrift und sogenannten Dongba-Ritualexperten bekannt. Man weiß nicht genau wann sie sich in Südchina niedergelassen haben. Die Naxi haben ihre eigene Religion mit dem Namen Dongba. Es wird vermutet, dass die Dongba-Religion ihren Ursprung in der tibetischen Bön-Religion hat. Viele der Gebräuche und Rituale ähneln denen der Bön-Religion. Wie die Bön-Religion ist auch die Dongba-Religion von Schamanismus und Ahnenkult geprägt.

Bekannt sind die Naxi für ihre Musik. Hier finden Sie ein Video des Naxi Orchestra:

Schriften der Naxi als UNESCO-Weltdokumentenerbe

Die Hieroglyphenschrift der Naxi ist Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Das Weltdokumentenerbe ist Teil des 1992 gegründeten Memory of the World-Programm, das zum Erhalt des dokumentarischen Erbes der Menschheit dient. Kulturelle Wendepunkte in der Menschheitsgeschichte werden in diese Sammlung aufgenommen. So gehören z.B. die Göttinger Gutenberg-Bibel oder die Archive des Warschauer Ghettos zum UNESCO-Weltdokumentenerbes.

Die Hieroglyphenschrift der Naxi ist eng mit der Dongba-Religion verknüpft. Die Dokumente der Dongba-Kultur wurden in das Erbe aufgenommen, da sie mit einem Schriftsystem von mehr als 2.000 Piktogrammen der Religion eine Stimme verleihen.

Schriftzeichen der Naxi – Naxi in Lijiang
Schriftzeichen der Naxi

Besonders beeindruckend ist es, dass die Schrift die einzige lebendige Hieroglyphenschrift der Welt ist, die noch aktiv benutzt wird.

Altstadt von Lijiang

Lijiang gilt als Zentrum der Naxi-Kultur. Nirgends ist dies so gut sichtbar wie in der Altstadt von Lijiang. Enge Kopfsteinpflaster und Kanäle mit Steinbrücken prägen das UNESCO-Weltkulturerbe. In der Altstadt kann man über die Bauweise und Schriften der Dongba-Kultur nachspüren. Auch daher gilt die Altstadt als besterhaltendste Naxi-Altstadt in China. Ein Erdbeben zerstörte im Februar 1996 rund ein Drittel der Stadt, danach wurde das Stadtzentrum im traditionellen Stil wieder aufgebaut. Die meisten Häuser, die dem Erdbeben zum Opfer fielen, waren Betonbauten und nicht die traditionellen Häuser der Naxi.

Die UNESCO nennt insgesamt drei Hauptkriterien für die Ernennung des Stadtzentrums zum Weltkulturerbe. Erstens sind die Resultate von 800 Jahren kulturellem Austausch sichtbar. Zweitens reflektiert die Altstadt Wohntraditionen der ansässigen Bevölkerungsgruppe. Drittens stellt Lijiang die Harmonie zwischen Mensch und Natur mit dem Einbezug der umgebenden Bergen und Flüssen dar. So wird auf eindrucksvolle Weise der menschliche Einfallsreichtum in der Landnutzung gezeigt.

Weitere Informationen zu den Naxi und Lijiang finden Sie in einem unserer älteren Blog-Artikel.

Abschließend lässt sich sagen, dass Lijiang mit seiner kulturellen Vielfalt und den gut erhaltenen Werken eine Kulturstadt ist, die es zu bewahren und respektieren gilt.

 

Besuchen auch Sie Lijiang und die Naxi auf unserer Tibet- und Yunnan-Reise:

Niklas Juliusson

Für Sie schreibt: Niklas Juliusson

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