Harbin – Die Eisstadt im Nordosten Chinas

In der nordöstlichsten Provinz Chinas liegt eine Stadt die vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Eis und den russischen Einfluss auf die Stadt. Heute stellen wir Ihnen die Eisstadt Harbin in der Provinz Heilongjiang vor.

Kurzer Überblick

Die Stadt Harbin ist die Provinzhauptstadt der nördlichsten Provinz Chinas – Heilongjiang. Sie ist die nördlichste Provinzhauptstadt Chinas. Die Provinz Heilongjiang ist eine von vier Provinzen, die an Russland grenzen. Heilongjiang hat die längste Landesgrenze zu Russland und ist stark vom russischen Einfluss geprägt. Das gleiche gilt auch für die Stadt Harbin.

Harbin – Eisfestival
Eisfestival in Harbin

Ca. 5 Millionen Einwohner hat die Stadt Harbin im städtischen Ballungsraum – im Gesamtgebiet um die Stadt sind es sogar etwa 11 Millionen. Sehr erstaunlich wenn man bedenkt, dass die Stadt erst 1898 gegründet wurde und somit gerade einmal 120 Jahre jung ist.

Geschichte von Harbin

Die Russen besetzten damals die nördliche Mandschurei und gründeten Harbin als Bahnstation der Transmandschurischen Eisenbahn. Das Wort Harbin bedeutet im mandschurischen so viel wie „Ort an dem man Fischnetze trocknet“, und bezieht sich vermutlich auf die Funktion der damals noch kleinen Siedlung am Songhua Fluss. Mit 1.400 km Länge spielt der Fluss für viele Orte im Nordosten Chinas eine Rolle.

Nach dem russisch-japanischen Krieg 1905 ging der russische Einfluss kurzzeitig zurück. In dieser Zeit ließen sich viele Menschen aus insgesamt 33 Nationen wie den USA, Deutschland und Frankreich in der Stadt nieder. Sechzehn von diesen Ländern bauten in Harbin sogar Botschaften und beeinflussten die Stadt damit auch kulturell. Nach der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 ließen sich außerdem viele weitere Russen in Harbin nieder.

In den 1920er Jahren bekam die Stadt den Spitznamen “orientalisches Paris”. In dieser Zeit erhielt die Stadt neue architektonische Bauten aus Paris und Moskau, noch bevor diese in Shanghai ankamen. Aus diesem Grund galt Harbin damals auch als Modehauptstadt Chinas.

In der darauffolgenden Zeit kam Harbin eine Zeit lang unter japanische Besetzung, bis die Stadt von der sowjetischen Armee erobert und 1946 an China gegeben wurde.
Während des ersten Fünf-Jahres-Planes von China ab 1953 war Harbin eine der wichtigsten Baustädte Chinas. Auch heute noch legt China wirtschaftliche und politische Ziele alle 5 Jahre im sogenannten Fünf-Jahres-Plan fest.

Das Weltbekannte Eisfestival

Harbin ist durch sein Eisfestival weltbekannt geworden. Bei Temperaturen im Winter von bis zu -40 Grad Celsius finden die Künstler hier ideal Voraussetzungen für Ihre kristallinen Meisterwerke. Meist liegt das Temperaturminimum in den Wintermonaten jedoch „nur“ bei -20 Grad.

Das Harbiner Internationale Eis- und Schneefest ist mit seinen umfangreichen Eisskulpturen das größte Eis- und Schneefestival der Welt! Das Festival startet am 5. Januar und dauert bis in den späten Februar an. Die Tradition des Eisfestivals geht bis auf das Jahr 1963 zurück. Was mit Eislaternenumzügen begann, hat sich zu einem einzigartigen Eisfest entwickelt.

Harbin – Eisfestival
Eisskulpturen in Harbin

 

Die Eisskulpturen sind über die ganze Stadt verteilt. Allerdings gibt es auch zentrale Ausstellungsflächen, in denen die spektakulärsten Skulpturen ausgestellt werden. So z.B. die „Ice and Snow World“ – ein Gelände in dem Eisgebäude stehen, die nachts speziell beleuchtet werden.

 

Harbin – Eisfestival
Beleuchtete Eisskulpturen

Auch gibt es ein Erholungsgebiet mit Skulpturen, welches sich „Sun Island“ nennt. Skifahren ist im Wintersportzentrum Yabuli und Eisbaden im Songhua-Fluss möglich. Eine Eislaternenausstellung gibt es im Zhaolin-Garten.

An der Entstehung der Skulpturen sind mehr als 12.000 Arbeiter innerhalb eines Zeitraums von 3 Wochen beteiligt. Die tiefen Temperaturen in Harbin sind hierbei essentiell, damit die Eisskulpturen bis zum Beginn des Festivals nicht schmelzen. Im  Dezember liegt die maximale Temperatur im Schnitt bei ca. –10 Grad Celsius. Perfekte Bedingungen zum Anfertigen der Skulpturen.

Russische Architektur in Harbin

Eine weitere Besonderheit in Harbin sind die russisch geprägten Gebäude in der Stadt. Am bekanntesten ist wohl das Wahrzeichen der Stadt, die 1907 erbaute Sophienkathedrale.

Harbin – Eisfestival
Sophienkathedrale

Während des sogenannten “Großen Sprung nach vorn” (1958-1961) sollte die Sophienkathedrale zerstört werden. Allerdings fand das Gebäude eine Funktion als Warenhaus und blieb deshalb weiterhin erhalten. Der Zustand der Kirche verschlechterte sich jedoch in dieser Zeit.

Nachdem die Kathedrale 1966 zum Weltkulturerbe ernannt wurde folgte eine Restaurierung. Seit 1997 dient die Kathedrale als städtisches Architektur- und Kunstmuseum.

Die Küche in Harbin

Die Küche in Harbin ist anders, als man es in China erwarten würde. Denn die Küche im Nordosten Chinas unterscheidet sich deutlich von dem was wir für eine typisch chinesische Küche halten. Harbin bietet wegen seiner Nähe zu Russland kulinarische Besonderheiten an, die wir vielleicht eher mit Osteuropa verbinden würden.

So gibt es z.B. die rote Knoblauchwurst, welche als Delikatesse der Stadt gilt. Für Deutsche erinnert die Wurst vielleicht eher an eine polnische Krakauer.

Harbin
Rote Wurst

Auch Speiseeis findet man in Harbin. Dies ist angesichts der Temperaturen vielleicht ein wenig verwunderlich, andererseits passt es hervorragend zum Spitznamen der Stadt – die Eisstadt.

In Harbin wird zudem Bier gebraut, und zwar in der ältesten Brauerei Chinas. Diese eröffnete 1900 und damit ca. 3 Jahre vor der weltbekannten Tsingtao Brauerei in der ehemaligen deutschen Kolonie Qingdao.

Auch Kwas kann man in der Stadt kaufen. Kwas ist ein Getränk welches aus Brot hergestellt wird und typisch für slavische und baltische Länder ist. Auch darin kommt der Einfluss Russlands zum Ausdruck.

Die Küche der Provinz Heilongjiang ist Teil der Dongbei Küche, die im Nordosten des Landes vorherrscht. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserem Artikel: Die chinesische Küche des Nordostens: Dongbei cai

Harbin bietet einen erstaunlichen Einblick in Ecken Chinas, die auch viele China-Experten noch nicht gesehen haben. Mit dem Eisfestival und dem russischen Einfluss macht es uns erneut klar, wie vielfältig das riesige Land doch ist.

 

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Niklas Juliusson

Für Sie schreibt: Niklas Juliusson

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