Konfuzius sagt…

Jeder kennt die Weisheiten des Konfuzius. Ob tatsächlich ihm zugeschrieben, oder einfach nur weise klingend, sie eignen sich eigentlich alle als Glückskekssprüche, als Weisheit für Geburtstage oder andere festliche Momente. Doch wer war Konfuzius und wie kam es von Konfuzius zum Konfuzianismus? Zeit für eine kleine Spurensuche.

Konfuzius – Der Mann aus Lu

Konfuzius Statue in Peking, China
Konfuzius Statue in Peking

Wenig wird mit China so sehr verbunden, wie der Konfuzianismus. Konfuzius, der geistige Vater des Konfuzianismus lebte nach der offiziellen Geschichtsschreibung von 551 v.Chr. bis 479 v.Chr. Dabei war der Mann aus dem Staate Lu (heute: Shandong), zu seiner Zeit wenig erfolgreich und musste von Staat zu Staat ziehen, um seine Beratertätigkeit am Hofe anzubieten. Welch’ geflügeltes Wort ereilt uns zuweilen täglich: die Welt sei aus den Fugen geraten.

Dieser Spruch hätte auch von Konfuzius stammen können, aber er bevorzugte den Begriff Chaos. Die Welt war im Chaos. Macht- und Kulturausübung in der Politik waren auseinandergebrochen und lagen nicht mehr in einer Hand. Er sehnte sich zurück nach der guten alten Zeit – dem goldenen Zeitalter. Eine Zeit, in der Macht und Kultur noch zusammenlagen. Es war die Zeit der frühen Zhou (1050 v.Chr. – 770 v.Chr.).

Mit seinen Ermahnungen und Anregungen wollte er die Welt aus dem Chaos zurück in die Harmonie führen. Es wundert doch, welche Wirkung er, trotz seines mäßigen Erfolgs zu Lebzeiten, auf die geistigen Strömungen Chinas hatte. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass sich Konfuzius stets, sofern überliefert, allgemein ausdrückte und damit viel Platz für Interpretationen lieferte. Oder war es, dass er sich nicht als Überbringer der neuen Kunde verstand, sondern lediglich der Überlieferer und Erneuerer alter Wahrheiten war? Dass er wirkte ist sicher, auch wenn es nach aktueller Forschung nicht sicher ist, ob die Gespräche des Konfuzius tatsächlich von ihm stammen oder erst nach seinem Tod zusammengetragen wurden.

Der Herrscher ist für die Menschen da

Leitmotiv des Konfuzianismus ist 仁 (ren). Gerne als Menschlichkeit übersetzt, ist diese Übersetzung doch eigentlich nicht richtig. Vielmehr kann ren als Sinn für verantwortliches Handeln übersetzt werden. Eine Akzentuierung, die vor allem bei Mengzi, dem wohl wichtigsten Schüler des Konfuzius vorgenommen wird. Der Herrscher muss wohlwollend für das Volk regieren, sonst muss er gehen und kann durch einen neuen Herrscher ausgetauscht werden. Für Mengzi ist der Mensch von Natur aus gut und muss sich durch das Ritual und Bildung den negativen Einflüssen des Lebens entsagen. Sein inner-konfuzianischer Gegenspieler ist Xunzi. Ebenfalls ein Schüler des Konfuzius, doch sieht er es genau anders herum. Die Verdorbenheit der menschlichen Natur lasse sich nur durch das Studium und das Ritual überwinden und zum Guten wenden. Welche Bedeutung in Konfuzianismus dem Lernen zukommt, zeigt sich auch in den Gesprächen. Egal, von wem endgültig verfasst, widmet es dem Lernen gleich den ersten Satz:

Konfuzius sagt: „Etwas lernen und sich immer wieder darin üben, schafft das nicht Befriedigung?“ (Gespräche des Konfuzius 1,1)

Weiter heißt es:

Konfuzius sagt: „Lernen, ohne zu denken, ist eitel, denken, ohne zu lernen, ist gefährlich.“ (2,15)

Was du nicht willst, was man dir tut…

Aber es sind vor allem Werte, die heute mit dem Konfuzianismus verbunden werden. Neben dem Sinn für ein verantwortliches Handelns, sind dies Gerechtigkeit, Sittlichkeit, Weisheit und Aufrichtigkeit. Aus diesen fünf Tugenden leiten sich dann die drei sozialen Pflichten ab: Loyalität, kindliche Pietät und die Wahrung von Anstand und Sitte. Konfuzius sprach wohl auch selbst von der bei uns gerne genannten Goldenen Regel:

Konfuzius sagt: „Begegne den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, mit der du einen teuren Gast empfängst. Behandle sie mit der gleichen Achtung, mit der das große Opfer dargebracht wird. Was du selbst nicht wünschst, das tue auch anderen nicht an. Dann wird es keinen Zorn gegen dich geben – weder im Staat noch in deiner Familie.“ (Gespräche 12,2)

Jeder an seinem Platze

Konfuzianismus heißt aber auch, dass jeder eine ihm zugeteilte Position inne hat und diese nicht verlassen darf. So wird zwischen den fünf Beziehungen unterschieden, von denen vier hierarchischer Natur sind und nur eine auf Augenhöhe. Der Minister muss dem Herrscher dienen, der Sohn auf den Vater hören, die Ehefrau dem Ehemann gehorchen und der jüngere Bruder nicht dem älteren Bruder widersprechen. Allein Freunde untereinander befinden sich auf der gleichen Ebene.

Es lebe der Konfuzianismus

Gerade diese hierarchische Ordnung des Konfuzianismus mag einer der Gründe dafür sein, weshalb er mit dem Ende der letzten Kaiserdynastie 1911 in Verruf geriet. Und unter Mao wurde der Konfuzianismus als Überbleibsel des zu bekämpfenden feudalen Chinas der Vergangenheit verteufelt. Aber die Chinesen erinnern sich wieder an die wohl einflussreichste Philosophie der chinesischen Geschichte.

Plötzlich heißt es unter Hu Jintao, man strebe nach einer harmonischen Gesellschaft. Da klingelt es. War es nicht Konfuzius, der die gesellschaftliche Ordnung kritisierte und die Zhou-Dynastie zurück in die goldene Zeit bringen wollte? Raus aus dem Chaos und zurück zur Harmonie? Aber auch fernab der Politik spielt das oberste Ziel des Konfuzianismus wieder eine Rolle. Es mag für die meisten lapidar rüberkommen, aber ein Blick auf die Züge Chinas zeigt, dass die Schnellzüge zur Flotte der Harmonie wurden. 和谐号 ziert die spitzen Nasen der weißen Pendants zum ICE. Und auch in akademischen Kreisen wird wieder über den Konfuzianismus diskutiert und seine Rolle für China.

和谐号 Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug im Bahnhof
和谐号 Chinesischer Hochgeschwindigkeitszug

Bei aller Bedeutung des Konfuzianismus für China bleiben für die meisten aber weiterhin die Sprüche im Gedächtnis. Es scheint fast, als gäbe es nichts, worüber sich der Mann aus Lu nicht geäußert hat. Und selbst in seiner Funktion als Lehrer betrachtete er sich nicht als allwissend:

Konfuzius sprach: „Wenn drei Menschen gehen, muss einer davon mein Lehrer sein“ (7.22)

Aber nicht alles, was von Konfuzius zu sein scheint, ist auch ihm zugeschrieben:

„Auch eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt.“

Auch wenn es nach Konfuzius klingt, ist es doch Laozi. Einem der Begründer des Daoismus.

Auf den Spuren von Konfuzius: China Tours Reise Teaser

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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