Geschäftsessen in China

China mit allen Sinnen – Geschäftsessen

Geschäftsessen in China sind eine Wissenschaft für sich. Es gilt, viele kleine Benimmregeln zu beachten, die sich oft von denen in Europa unterscheiden.

Sie werden alle Sinne benötigen. Um von Anfang an einen guten Eindruck zu machen, ist Pünktlichkeit natürlich besonders wichtig. Der Gastgeber wird Sie dann auffordern, ein paar kulinarische Vorlieben zu äußern. Er wird diese dann in seine üppige Bestellung integrieren. Eindruck schinden Sie, wenn Sie das Gericht Ihrer Wahl korrekt artikulieren können.

Dann wird serviert – nach und nach landen die Gerichte auf dem drehbaren Tisch. Die Speisen sehen meistens lecker aus – so lecker, dass man sich kaum zusammenreißen kann, nicht sofort zuzugreifen. Müssen Sie auch nicht, langen Sie zu. Auch wenn die Stäbchen sich noch ungewohnt anfühlen zwischen den Fingern, Ihr Gastgeber freut sich, wenn es Ihnen schmeckt.

Während des Essens soll man sich wohlfühlen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Nebenmann plötzlich in der linken Hand eine Zigarette hält und mit der rechten gleichzeitig seelenruhig weiter isst. Sollten Sie Ihrerseits das Verlangen verspüren, sich eine Pfeife zu stopfen oder eine Cohiba zu paffen – nur zu. Als schlechtes Benehmen gilt es auch nicht, laut zu Schmatzen und mit vollem Mund zu sprechen – ganz im Gegenteil – es drückt aus, wie wohlschmeckend die dargebrachten Speisen sind.

Satt werden sie an einem chinesischen Tisch in jedem Fall – verdursten werden Sie auch nicht. Ein Glas sollte immer voll sein. Deshalb wird der Gastgeber Ihnen sofort nachschenken, sobald Sie auch nur einen Schluck getrunken haben. Egal ob Wasser, Tee, Bier oder Baijiu (chinesischer Schnaps). Seien Sie vorsichtig mit Letztgenanntem – er riecht so, wie er schmeckt und kann schnell dazu führen, dass Ihnen nicht mehr nach Essen zumute ist. Eine Runde auszulassen ist manchmal gar nicht so einfach, denn während des Essens werden häufig laute Lobreden auf Gäste gehalten, in deren Anschluss sich dann zugeprostet wird. ‚Ganbei’ (Prost) heißt es dann – und das nicht nur einmal. Reihum ist jeder mit einer Rede dran. An einem Tisch mit bis zu 12 Personen wird es dann schon mal feuchtfröhlich – und die Sinne so mancher Laoweis sind am Ende des Abends durch laute Ganbei-Rufe und Völlerei stark beeinträchtigt. So oder so sind (Geschäfts-)essen in China eine denkbar sinnliche und gleichsam besondere Erfahrung.

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Für Sie schreibt: China Tours

5 Kommentare

  1. Danke für diese wertvollen Tipps. Ich muss wahrscheinlich bald mal geschäftlich nach Shanghai reisen und werde da bestimmt auch nicht um ein Geschäftsessen herum kommen. Zwar hatte ich von Bekannten und Kollegen schon so einiges gehört, wie es am chinesischen Esstisch so zugeht, aber es ist doch immer wieder besser so etwas nochmal von einem Experten übersichtlich mitgeteilt zu bekommen. Ich bin gespannt, wie es dann wird und freue mich auf meine erste Reise nach China.

  2. Ich habe seit 1994 schon an vielen ( Geschäfts-) Essen in China teilgenommen.Die Essen sind immer sehr unterhaltsam und zudem delikat.Die chin. Küche ist nach meiner Ansicht die abwechslungsreichste und frischeste weltweit. Wenn als Schnaps Moutai ( 40-76 % ) ausgeschenkt wird, dann werden die Chinesen beim Essen besonders schnell lustig, da sie infolge einer Enzyminduktion der Leber, den Alkohol schlechter abbauen können als wir Europäer. Meist reduziert sich das Zuprosten ( Ganbei/ bottom up) nach dem 3. Glas Schnaps akut. Erstaunt hat mich anfänglich auch,daß der Gastgeber schlagartig das Essen beendet und dann sofort die Essensgesellschaft das Restaurant verläßt,natürlich vorausgesetzt,der Gastgeber ist überzeugt, es sind alle satt geworden.Das gemütliche Beisammensitzen nach dem Essen kennt man in China nicht. Man kann dann ja auch froh sein , nach meist 2 Stunden und nach dem umfangreichen Essen ,sich die Beine vertreten zu können. Ein Chinabesuch ist allein wegen des Essens lohnenswert. Also zaijing und auf nach China!!

  3. Essen in China ist in jeder Hinsicht ein Erlebnis – egal wo – ob in einem Sterne-Restaurant oder an der Bude um die Ecke. Du wirst in jedem Fall viele nette Eindrücke sammeln, liebe Martha. Und wunder Dich nicht wenn, wie Freidrich sagt, die Runde aus heiterem Himmel plötzlich aufgelöst wird. Alle satt? Gut. Dann ist das Dinner beendet. Anfänglich irritierend, später ziemlich lustig.

    In diesem Sinne Zaijian, Ganbei und ab die Post!

  4. Generell kann man eingentlich sagen, dass man sich nicht allzu viele Gedanken machen sollte, wenn man mit Chinesen am Tisch sitzt – selbst bei einem Geschäftsessen. Im Endeffekt funktioniert hier die Grundetikette doch sehr ähnlich wie in Deutschland und selbst wenn man kleine Fehler macht, werden sie einem doch sehr schnell verziehen. Schließlich ist auch den Chinesen klar, dass es ein paar kulturelle Unterschiede gibt. Das Wichtigste ist dann eigentlich nur, dass man mit Stäbchen essen kann. 🙂

  5. Dem kann ich einfach nur zustimmen! Es ist immer ein Erlebnis in China zusammen mit Freunden, Gaesten oder der Familie zu essen. Man sollte sich auch nicht wundern, wenn man vom Tischnachbarn die Speisen auf dem eigenen Teller vorgelegt bekommt. Er will damit nur ausdruecken, sich um einen zu kuemmern und ist stolz auf die ein oder andere Speise, die ihm selbst schmeckt. Diese Freude will Sie/Er einfach nur teilen.

    Bei offiziellen Geschaeftsessen, bei dem womoeglich noch ein oder mehrere hochrangige Gaeste eingeladen sind, wird die Sitzordnung vorher festgelegt und man kann z.B daran erkennen welche “Rangordnung” einem dabei zugeteilt wird. Regel: Je naeher zum VIP, desto hoeher die Wertschaetzung. Ansonsten sollte man sich keinen selbst auferlegten Zwaengen unterwerfen, wie schon aus den anderen Antworten zu erkennen ist.

    also dann Hao Chi und Gan Bei,

    Zaijian!

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