Wenn Mao das wüsste.

Einstimmung auf China

Diese Woche ist es soweit. Das Flugticket ist gebucht, in meinem Pass klebt ein Visum und Shanghai wartet bereits.  Zuhause gähnt mich ein leerer Koffer an, bereit meine Habseligkeiten aufzunehmen. Alles, was nicht in dieses Kofferungetüm passt, wird auf ungewisse Zeit in Umzugskartons verstaut. Beim Packen fiel mir eines meiner Lieblingsbücher in die Hände: „Wenn Mao das wüsste“ von Janis Vougioukas.

Anstatt mich mit der Frage zu befassen, wie viele Paar Schuhe man vernünftigerweise für eine Auswanderung nach China mitnimmt, fange ich an zu lesen…

China ist riesig, vielseitig, schwer zu verstehen… und eine Herausforderung für jeden Journalist, der sich um eine authentische Darstellung bemüht. Janis Vougioukas hat die Deutsche Journalistenschule in München besucht und arbeitet bereits seit 2002 als freier Journalist in Shanghai. In seinem Buch hat er China „mit dem Mikroskop“ betrachtet. Anstatt einer pauschalen Beschreibung der chinesischen Mentalität, widmet sich Vougioukas mit viel Einfühlungsvermögen einzelnen Menschen und ihrem Schicksal.

Wenn Mao das wüsste
Wenn Mao das wüsste

Da ist zum Beispiel Zeng Jinyan, die mit einem Internetblog Dissidenten unterstützt oder Parteisekretär Wang Hongbin, der im Süden Chinas in seinem Dorf echten Kommunismus lebt. Vougioukas nimmt seine Leser an einem frühen Morgen mit in den Fuxing Park in Shanghai. Während im Hintergrund der Rentnerchor „Langes Leben“ singt, schleicht Zhang Yixin im Katzengang durch den Park. Mit Wei Wujun geht es auf Konkubinenjagd. Der Privatdetektiv verdient sein Geld, indem er im Auftrag misstrauischer Ehefrauen untreue Gatten in flagranti erwischt. Geschäftsmann Lam Sai-wing ist ein Beispiel für die Kreativität der Chinesen. Sein Juwelierladen ist eine Attraktion in Hongkong. Genauer gesagt ist es nicht sein Laden, der täglich tausende von chinesischen Touristen anlockt, sondern sein Lokus. Der besteht nämlich aus rund zwei Tonnen Gold.

Vougioukas gelingt es, ein Buch zu schreiben, das genauso vielseitig ist wie die Zutaten zu einem chinesischen Gericht, mal lustig, mal traurig, immer fesselnd und informativ. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der Leser lernt in den 23 Kapiteln die unterschiedlichsten Facetten des Landes kennen. Nebenbei erfährt er wichtige Fakten, z.B. über das Christentum in China, über die Umweltprobleme und die chinesische Sprache. Wie bei einem Mosaik ergibt sich am Ende aus den einzelnen Teilen ein Bild des Ganzen.

Wenn Mao das wüsste, wie treffend sein Volk hier dargestellt wird… Schnell verstaue ich das Buch unten in meinem Koffer und wende mich wieder meinem Schuhsalat zu.

Janis Vougioukas: Wenn Mao das wüsste. Menschen im neuen China. Herbig Horizonte 2008. 202 Seiten. ISBN 978-3-7766-2560-8

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Für Sie schreibt: China Tours

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