Tischgespräch: Von Hong Kong nach Australien – Wing auf Reisen

China Tours Mitarbeiterin, Nicol Hartz, ist für ein Jahr auf großer Weltreise. Natürlich zieht es sie auf ihren Reisen auch ins Reich der Mitte. Momentan tourt sie jedoch mit ihrem Backpack durch Australien. In einem Hostel in Sydney traf sie auf Wing (24 Jahre, Sozialarbeiterin aus Hong Kong) und nutzte die Gelegenheit für ein Tischgespräch.

Nicol: Was genau machst Du in Australien und wie lange bleibst Du?

Wing: Ich reise seit ca. einem halben Jahr durch Australien. Um Land und Leute kennen zu lernen, aber auch um zu arbeiten. Denn das Reisen hier ist nicht gerade günstig. Ich habe ein Work & Travel Visa und werde insgesamt ein Jahr hier bleiben. Leider ist meine Zeit schon zur Hälfte vorbei. Die Tage vergehen so schnell, wenn man auf Reisen ist. In Albany, an der Westküste Australiens, habe ich 3 Monate als Betreuerin für behinderte Menschen gearbeitet. Nach dem ich auch den Süden der Ostküste gesehen habe, bin ich nun auf Jobsuche in Sydney.

Nicol: Warum hast Du Dich ausgerechnet für Australien entschieden?

Wing: In erster Linie möchte ich meine Englischkenntnisse verbessern. Da Hong Kong bis 1997 britische Kronkolonie war, hatte ich in der Schule Unterricht auf Englisch. Dies reicht meiner Meinung nach allerdings nicht für das Berufsleben. Auf Reisen neigt man dazu sich seinen Landsleuten anzuschließen. Ich habe mir fest vorgenommen größtenteils mit Europäern oder Einheimischen zu reisen, um an meinen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Australien bietet aber auch eine willkommene Abwechslung zum stressigen Leben in Hong Kong. So hat mich natürlich auch die landschaftliche Schönheit und Vielfalt Australiens gelockt.

Nicol: Wo hat es Dir in Australien bisher am besten gefallen?

Wing: Der Westen Australiens ist wesentlich entspannter und auch günstiger. Hier habe ich viele tolle Erfahrungen gemacht, nette Leute getroffen und einmalige Orte entdeckt.

In Esperanc, im Südwesten, hat es mir besonders gefallen. Hier befindet sich der wohl schönste Strand Australiens. Einfach traumhaft! Kommt man zur richtigen Zeit, kann man zahlreichen Seelöwen beim Faulenzen zuschauen.

 

Nicol: Was gefällt Dir am Reisen?

Wing: Dass ich auf Menschen verschiedenster Kulturen treffe. Besonders als Asiate ist es interessant, die westliche Kultur kennen zu lernen.

In Hong Kong haben die Eltern hohe Erwartungen an ihre Kinder, da jeder selbst für seine Altersvorsorge verantwortlich ist. Jeden Monat zahle ich die Hälfte meines Gehaltes an meine Eltern. Es ist sehr anstrengend ein eigenes Leben aufzubauen, das Studium zu beenden, die Hälfte seines ersten Gehaltes abgeben zu müssen und auch an die eigene Zukunft zu denken.

Europäer hingegen können sich oft direkt nach dem Studium eine eigene Wohnung leisten und ein unabhängiges Leben führen. Es ist interessant mehr über die Kulturen anderer Länder zu erfahren.

Wing in einem Hostel in Sydney
Wing in einem Hostel in Sydney

Nicol: Was haben Deine Eltern dazu gesagt, dass Du für ein Jahr nach Australien gehst?

Wing: Meine Mutter konnte meine Entscheidung leider nicht nachvollziehen. In Hong Kong gilt das Credo je mehr Geld Du Deiner Familie gibst, desto mehr liebst Du sie. Was besonders schwer für mich ist. Da ich ein Großteil meines Ersparten  für meine Reise verwende, glaubt sie, ich habe kein Respekt meiner Familie gegenüber.  Trotz dessen habe ich meine Entscheidung bis heute nicht bereut. Geld stellt für mich persönlich keine große Bedeutung dar.

Nicol: Was genau machst Du in Hong Kong?

Wing: Ich bin Sozialarbeiterin an einer Sekundarschule und betreue 11-16-jährige Schüler. Viele Kinder in diesem Alter haben Probleme, da sie oft an ihren Leistungen in der Schule gemessen werden. Ihnen fehlt das nötige Selbstbewußtsein. Einige Kinder haben sogar Depressionen. Wir bringen die Kids raus in die Natur, gehen mit ihnen Campen und stellen ihnen gemeinsam mit geschulten Guides kleine Herausforderungen. So müssen siebeispielsweise eine 11 Meter hohe Brücke erklimmen. Im Nachhinein erkennen viele Kids von selbst, dass sie wesentlich mehr können als sie sich zutrauen. Bei meiner Arbeit muss jedoch jedes Kind als Individuum mit eigenen Problemen  gesehen werden, an denen dann gezielt gearbeitet werden kann. Dies ist oft ein langwieriger Prozess und kann teilweise sehr anstrengend sein. Die Gegenseitige Motivation unter Kollegen ist dabei oft unerlässlich.

Nicol: Was ist Dein Lieblingsplatz in Hong Kong?

Wing: Hong Kong teilt sich in drei Bereiche (Central oder auch Hong Kong Island, Kowloon und die New Territories). Ich bin besonders gern in Shengwan auf Hong Kong Island. Weil hier die kolonial geprägte Architektur am besten erhalten geblieben ist.

Auch Tsimshatsui in Kowloon ist ein ganz spezieller Ort für mich.  Hier trifft man auf Touristen und Expats aus dem mittleren Osten, wie Indien oder Pakistan. Betritt man das Chongxing Gebäude, denkt man, man sei in einer anderen Welt. Und das Curry ist hier das Beste in ganz Hong Kong!

Nicol: Vermisst Du Deine Heimat?

Wing: Ja, ein bißchen. Besonders, wenn ich in kleinen Städten bin. Denn eigentlich bin ich ein Stadtmensch. Aber ich habe kaum Zeit für Heimweh. Man trifft hier so viele Menschen und ist immer beschäftigt. Nur das gute und günstige Essen in Hong Kong fehlt mir gelegentlich – Die riesige Auswahl unterschiedlichster Küchen, die man an jeder Straßenecke in den Foodstores bekommt und der Bubble Tea, der in Hong Kong immer begehrter wird.

Nicol: Vielen lieben Dank für das Interview, Ming. Ich wünsche Dir viele weitere tolle Erfahrungen auf Deinem Weg durch Australien und viel Erfolg bei der Jobsuche in Sydney!


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Für Sie schreibt: Elisa Kless

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