Tischgespräch: Die Chinesen sind sehr offene Menschen

Charlene kommt aus Malaysia und ist ein Gründungsmitglied der LGBT-Gruppe in Shanghai. Die Abkürzung LGBT steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual. China Tours Magazin hat mit ihr über das Leben der Homosexuellen in Shanghai gesprochen.

China Tours Magazin: Wie entstand die LGBT-Gruppe?

Charlene: Am Anfang war es nur eine Gruppe im Internet bei Yahoo. In einer so großen Stadt wie Shanghai gibt es natürlich auch viele Homosexuelle, aber man kannte sich untereinander nicht und es gab keine Treffpunkte. Durch das Internet wollten wir miteinander in Kontakt treten. Später haben wir dann angefangen Events zu organisieren.

China Tours Magazin: Wie viele Mitglieder habt ihr zurzeit?

Charlene: Wir haben einen Emailverteiler, da stehen 1.200 Leute drauf. Die meisten sind Ausländer und Homosexuell. Chinesen und Transsexuelle sind in der Minderheit. Zu unseren Events kommen zwischen 20 und 2.000 Leuten. Das größte Event, das wir organisieren, ist der jährliche Gay-Pride, das ist ein ganzer Tag mit verschiedenen Veranstaltungen. Ähnlich wie der Christopher Street Day, nur ohne eine Parade. Aber auch bei den kleineren Events erscheinen viele Leute. Wenn wir uns einmal im Monat in einer Bar treffen, dann kommen gut 20 Nationalitäten zusammen.

China Tours Magazin: Wie steht die chinesische Bevölkerung zu Homosexualität?

Charlene: Früher bei den Kaisern war Homosexualität normal. Heute denken die meisten Leute, dass in China Homosexualität nicht akzeptiert wird. Meiner Erfahrung nach sind die Chinesen aber sehr offene Menschen. Das einzige Problem ist, dass die Tradition und die Gesellschaft eine Hochzeit verlangt. Die Familie in China kann schon akzeptieren, dass der Sohn oder die Tochter homosexuell ist, sie kann aber nicht akzeptieren, dass er oder sie nicht heiratet. In China kommt es deswegen oft vor, dass ein Schwuler und eine Lesbe heiraten und es gibt viele Kinder, die homosexuelle Eltern haben.

China Tours Magazin: Vermutlich trägt der Einfluss, der vielen Ausländer in Shanghai, dazu bei, dass die Stadt offener gegenüber Homosexuellen ist. Wie sieht es im Rest von China aus?

Charlene: Es besteht schon ein Unterschied zwischen Peking und Shanghai. Peking ist das politische Zentrum, da ist die Akzeptanz nicht so groß. In Shanghai gibt es auch mehr Bars. Wir haben inzwischen zehn Bars mit ausschließlich homosexuellem Publikum und 20 weitere Bars, die bereit sind, mit uns Events zu veranstalten.

China Tours Magazin: Wie ist die Situation der Homosexuellen in deiner Heimat Malaysia?

Charlene: Viel schlechter als in China. In Malaysia ist Homosexualität nach wie vor ein Verbrechen. Seit 2005 lebe ich in Shanghai und bin froh über die Freiheit, die es hier gibt.

China Tours Magazin: Was sind die Ziele der Homosexuellen in China?

Charlene: Da Hochzeit und Ehe in der chinesischen Kultur so eine große Rolle spielt, ist das große Ziel natürlich die gleichgeschlechtliche Ehe zu legalisieren. Außerdem gibt es inzwischen auch Beratungsgruppen von und für die Eltern homosexueller Kinder. Das ist gut, um die Akzeptanz und den offenen Umgang mit Homosexualität zu fördern.

China Tours Magazin: Bis zur Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in China ist es vermutlich noch ein weiter Weg. Wir wünschen dir und der LGBT Gruppe dabei viel Erfolg.

Charlene lebt seit 5 Jahren in Shanghai und organsiert regelmäßig LGBT Events
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Für Sie schreibt: China Tours

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