Getränge

Xiangqin: Ehevermittlung auf Chinesisch

Wer auf seiner Shanghai Reise am Wochenende in den Volkspark geht, wird dort auf eine große Menschenmenge treffen, die sich an den mit Steckbriefen tapezierten Wänden und Böden vorbei schiebt. Dabei handelt es sich zu 90% um ältere Leute. Genauer gesagt um Eltern, die den richtigen Partner bzw. die richtige Partnerin für ihr Kind suchen.

Auf Ausländer wirkt dieses Spektakel meist sehr befremdlich. Die Steckbriefe finden sich nahezu überall, an der Wand, auf dem Boden oder in der Hand der Eltern. Überall stehen die Leute zu kleinen Grüppchen zusammen und unterhalten sich, tauschen Adressen und Bilder aus, man will sein Kinder ja schließlich unter die Haube bringen! Die Auswahl scheint hier riesig!

Bei der Dame am Tisch kann man sich die entsprechenden Kontaktdaten geben lassen.

Für das Wohl der Familie

Diese Veranstaltung heißt auf Chinesisch “Xiangqin” (相亲), was so viel bedeutet wie “sich gegenseitig nahe stehen”. Früher war es üblich, dass sich die jungen Frauen und Männer nicht vor der Heirat trafen. Alle Vorbereitungen wurden von den Eltern getroffen. Vor der Hochzeit wussten die Ehepaare oft gar nicht, wer der bzw. die Zukünftige war. Dabei war der wichtigste Faktor für die Eltern, die finanzielle Situation der eigenen Familie. Dementsprechend wurden die Partner immer dem Stand gemäß ausgewählt. In China nennt man das “Men Dang Hu Dui” (门当户对). Zu diesen alten Gegebenheiten kommt, dass viele chinesische Eltern eine etwas eigene Vorstellung von dem richtigen Zeitpunkt für eine Verbindung haben. Sie wollen nicht, dass ihre Kinder vor dem Studium schon einen Partner haben, damit ihr Studium nicht gestört wird. Sobald sie die Universität absolviert haben, sind sie dann jedoch sehr besorgt, dass ihr Kind niemanden findet, und wollen so schnell wie möglich einen Partner für es finden. Oft spielt hier auch der Wunsch nach Enkelkindern mit hinein. Die meistens jungen Leute wollen selbst ihren Partner finden, jedoch haben manche wegen ihrer Arbeit oder Ähnlichem wenig Zeit, sich mit anderen Leuten zu treffen und greifen deshalb auf “Xiangqin” zurück. Es bietet ihnen eine Chance, doch noch jemanden kennenzulernen. Es ist nicht besonders hoch angesehen, aber auch nicht verpönt, jedoch ist es vielen peinlich offen zuzugeben, daran teilzunehmen.

Eifrig werden Nummern ausgetauscht.

Nicht nur die Chinesen

“Xiangqin” findet man aber nicht nur in China. Die japanische Variante nennt sich Omiai, was man ungefähr miteinander betrachten übersetzen kann. Sie ist vorwiegend in den ländlicheren Gegenden Japans verbreitet. Allgemein lässt sich aber sagen, dass diese Art der Ehevermittlung in ganz Asien bekannt ist. Es ist in jedem Fall etwas, was man mal gesehen haben sollte.

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Für Sie schreibt: China Tours

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