Luoyang am Sonntag

Eine riesige Menschenmenge am Hauptplatz von Luoyang (洛阳) in der Provinz Henan. Rote Fahnen, Bilder von Mao Zedong, dröhnende Lautsprecher. „Was ist das für ein Fest?“, frage ich einen älteren Herrn. „Es ist Sonntag!“, entgegnet er begeistert.

An allen Ecken und Enden des großen Platzes geschieht etwas: Um die Musiker mit ihren klassischen Instrumenten drängen sich die größten Menschentrauben. Stehend oder auf eigens mitgebrachten Stühlen sitzend, lauschen sie den lebhaften Vorträgen der sich abwechselnden Sänger und Sängerinnen. Den Freiraum zwischen den Musikergruppen beanspruchen die Kalligraphen, wo sie mit feuchten Pinseln Schriftzeichen und Strichporträts aufs Pflaster malen. Ein Dompteur belustigt die Zuseher mit seinen vier Berberaffen. Allerorts herrscht eine Stimmung freundlicher Neugier.

Hier und da bilden sich Diskussionsrunden in denen – man glaubt es kaum! – Lobreden auf den „großen Steuermann“ Mao Zedong gehalten werden. Gleichzeitig kommen auf einer provisorischen Bühne Landschaftsmalereien zur Versteigerung und einige ältere Damen führen einen Fächertanz auf. Wo noch Platz ist, bieten Händler ihre Waren an: Zu kaufen gibt es Rubbellose, Zigaretten und – da das Publikum dieser Zusammenkunft großteils älteren Semesters ist – künstliche Zähne.

Wer keinen Bedarf an second-mouth Zähnen hat, wird nicht lange suchen müssen, bis sein Interesse von etwas Neuem geweckt wird. So zieht es die Besucher von einem Punkt des sonnigen Platzes zum nächsten, und man darf sich wundern, wie sehr hier, inmitten der Millionenstadt Luoyang, die Atmosphäre eines Dorffestes herrscht.

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Verfasst von Lukas Weber lesen Sie hier mehr von seiner Reise durch China.

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Für Sie schreibt: China Tours

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