Die schönsten Seen Chinas

Das Reich der Mitte bietet eine Vielzahl an außergewöhnlichen Naturlandschaften. Es beeindruckt nicht nur durch seine imposante Bergwelt, sondern kann weltweit einige der schönsten Seen vorweisen. Einige davon möchten wir in diesem Artikel kurz vorstellen.

Der Westsee in Hangzhou

Der Xihu 西湖 („Westsee“) in Hangzhou 杭州 in der Provinz Zhejiang 浙江 zählt zweifellos zu den berühmtesten und schönsten Seen in ganz China. Der See hat sich während der Tang-Zeit (ca. 8. Jh.) aus einer Bucht des etwa drei Kilometer entfernten Qiantang-Flusses herausgebildet. Er ist durch den Bai- und den Su-Damm dreigeteilt. Beide Dämme wurden nach berühmten Dichtern benannt, die einst in Hangzhou gelebt haben – Bai Juyi (772-846) und Su Dongpo (1037-1101). So dient der Westsee bereits seit vielen Jahrhunderten als Quell der Inspiration berühmter Dichter und Maler.

Der Westsee ist vor allem berühmt für seine wunderschönen Pavillons, eleganten Brücken und die umliegenden Gärten und Tempel. Die schönste Aussicht auf den See soll man von der Leifeng-Pagode 雷峰塔 aus haben. Die fünfstöckige Pagode liegt am Südufer des Westsees und zählt zu den beliebtesten touristischen Reisezielen in Hangzhou.

Die Landschaft rund um den Westsee gehört seit dem Jahr 2011 zum UNESCO-Welterbe. Der Westsee ist dermaßen beliebt, dass er mittlerweile in zahlreichen chinesischen und japanischen Städten kopiert wurde. Allein in China existieren heute 36 Westseen.

Der Tai Hu bei Wuxi

Der Tai Hu 太湖 („Großer See“) liegt im Jangtse Delta nahe der Stadt Wuxi 无锡 zwischen den Provinzen Jiangsu 江苏 und Zhejiang. Mit einer Fläche von 2250 Quadratkilometern handelt sich um den drittgrößten Süßwassersee Chinas. Auf dem Tai Hu befinden sich etwa 90 kleinere und größere Inseln, auf denen unter anderem Obst angebaut wird. Auch für seine als Delikatesse geltenden Süßwasserkrabben ist der Tai Hu bekannt.

Der beste Blick über den Tai Hu bietet sich den Besuchern von der Drachenlicht-Pagode 龙光塔 des Xihui-Parks 锡惠公园 westlich von Wuxi. Im Norden des Sees liegt eine Halbinsel, die die Form eines Schildkrötenkopfes hat. Sie trägt daher den ungewöhnlichen Namen „Schildkrötenkopf-Insel“. Von hier aus kann man ebenfalls einen wunderschönen Ausblick auf den Tai Hu genießen. Die Insel lädt außerdem zu Spaziergängen in einer wunderschönen von Pavillons und Brücken gesäumten Landschaft ein.

Große Bekanntheit erlangte der See vor allem durch die Taihu-Steine. Dies sind meist große durchlöcherte Kalksteine, die ihre bizarre Form durch die mehrjährige Einlagerung im Tai Hu See erreichen. Sie schmücken heute traditionelle chinesische Gärten auf der ganzen Welt.

Der Qinghai See – Paradies für Vögel

Der Qinghai See 青海湖 („Grünblaues Meer“) befindet sich in der chinesischen Provinz Qinghai im Tibetischen Hochland. Er ist mit einer Größe von 4.583 Quadratkilometern der größte See in ganz China und zudem einer der größten Salzseen der Welt. Auf einer Höhe von 3.195 Metern über dem Meeresspiegel hält er eine atemberaubende Bergkulisse bereit. In Osttibet wird dem See vor dem Hintergrund des tibetischen Buddhismus eine sehr große Bedeutung zugeschrieben.

Eine der Hauptattraktionen ist die Vogelinsel 鸟岛 im westlichen Teil des Sees. Hier nisten von Mai bis Juli verschiedene Zugvögel wie Wildgänse, Fischmöwen, Kraniche und viele weitere Vogelarten. In dieser Zeit kann man unzählige Vögel am Himmel fliegen sehen, sodass der gesamte Himmel von Vögeln bedeckt zu sein scheint.

Seit 1997 bildet das Mündungsdelta am westlichen Ende des Qinghai-Sees zusammen mit der Vogelinsel das Naturschutzgebiet Qinghai Lake Natural Protection Zone.

Der Kanas-See – sagenumwoben und geheimnisvoll

Der Kanas-See, auch Kanasi-See 喀纳斯湖, liegt im Nordwesten der Volksrepublik China im uigurischen autonomen Gebiet Xinjiang 新疆. Der Hochgebirgssee befindet sich in einem staatlichen Naturschutzgebiet im Altai-Gebirge auf einer Höhe von 1374 Metern. Er war ursprünglich Teil des Kanas-Flusses und ist durch Schmelzwasser der umgebenden Gletscher entstanden. Derartige Seen werden auch als Gletscherrandseen bezeichnet. Heute umfasst der See eine Größe von etwa 45 km². Mit 188 Metern Tiefe ist es der tiefste Frischwassersee in ganz China.

Umgeben von schneebedeckten Bergen und dichten Wäldern bildet der See eine einzigartige Naturlandschaft. Ein besonderes Merkmal des Kanas-See ist, dass er je nach Jahreszeit oder Witterung seine Farbe zu verändern scheint. Mal erscheint er blau, mal grün und dann wieder grau. Bei einer sehr dünnen Wolkendecke könnte man annehmen, er sei pink. Der See gilt als Geheimtipp unter den Touristenzielen, da die Landschaft hier noch weitestgehend unberührt zu sein scheint.

Legenden von mysteriösen Seeungeheuern und spurlos verschwundenen Rindern und Pferden, die am See getrunken haben sollen, ranken sich um den See und machen ihn umso geheimnisvoller. Es gab immer wieder Expeditionen, die Wissenschaftler an den Kanas-See führten, um der Legende auf den Grund zu gehen. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei dem Ungeheuer um den Taimen, einen großen Fisch aus der Familie der Lachsfische handeln könnte.

Der Himmelssee – Kratersee mit Legende

Der Tianchi 天池 („Himmelssee“) befindet sich auf einer Höhe von 2.189 Metern in der Mitte des Baitou-Berges 白头山 („Weißköpfiger Berg“) in der Provinz Jilin 吉林 an der Grenze zu Nordkorea. Der Baitou-Berg ist ein Vulkan, der die höchste Erhebung des Changbai-Gebirges 长白山 („Ewig weißes Gebirge“) bildet. Das Changbai-Gebirge ist mit einer Fläche von 1900 Quadratkilometern das größte Naturschutzgebiet Chinas. Zahlreiche seltene Pflanzen- und Tierarten wie der Sibirische Tiger sind hier heimisch.

Der Baitou-Berg wird in Korea als heilig verehrt, da er als Gründungsstätte des koreanischen Volkes vor über 2500 Jahren gilt. Legenden zufolge bildet er ebenfalls die Geburtsstätte des ehemaligen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il. Die Hälfte des Vulkankraters und des Himmelssees gehört seit dem Jahr 1962 zu Nordkorea.

Obwohl der Himmelssee durch zwei heiße Quellen gespeist wird, zählt er durch seine hohe Lage zu den kältesten Seen der Welt. Mit einer Tiefe von 384 Metern ist er zugleich einer der tiefsten Kraterseen der Welt. Der See ist umgeben von dichten Misch- und Nadelwäldern und bietet vor allem im Herbst mit seinen bunten Blättern eine wunderschöne Naturkulisse. Sowohl der Himmelssee als auch das Changbai-Gebirge gelten als sehr beliebtes touristisches Ausflugsziel.

Für Sie schreibt: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Blog-Redakteurin | Mitarbeiterin beim Museumsdienst Köln | Dozentin für Chinesisch

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