Monument der Kaiser Yan und Huang

In Zentralchina liegt die Provinz Henan, dessen Hauptstadt Zhengzhou ist. Die Stadt ist vor allem aufgrund des in ihrer Nähe gelegenen Shaolin Tempels bekannt. Dem Tempel wird nachgesagt, die Geburtsstätte der chinesischen Kampfkünste zu sein, die eine Vielzahl chinesischer Kung-Fu Filme inspiriert haben. Allerdings hat die Stadt noch viel mehr zu bieten. Sie ist eine historische Stadt, die einen tiefen Einblick in die chinesische Kultur gewährt. Deshalb empfiehlt es sich, dass Zhengzhou auch der Beginn einer jeden Henan-Tour ist.

In der antiken Hauptstadt der vergangenen Shang-Dynastie 上朝 (1600-1046 v. Chr.) gibt es ein ganz besonders Ausflugsziel, das für chinesische und ausländische Touristen gleichermaßen von Interesse ist. Die Rede ist von dem Monument der beiden Kaiser Yan und Huang. Das Monument befindet sich am Rande der Stadt Zhengzhou und ist Teil der „Yellow River Scenic Area“. Es gehört zu den größten Monumenten weltweit. Doch was hat es mit dem in Stein gehauenen Gebilde auf sich? Wer waren die Kaiser Yan Di und Huang Di, die mit so einem gigantischen Monument geehrt und in Erinnerung gehalten werden?

Das Monument

Das Gebilde der beiden Kaiser misst eine Höhe von insgesamt 106 Metern. Der 22,5 Millionen Dollar teure Bau hat 20 Jahre angedauert und fand im Jahr 2007 seinen Abschluss. Seit dem ist das Monument im Landschaftsgebiet am Bett des Gelben Flusses für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Kosten für den Bau übernahmen die Regierung und weitere wohlhabende Spender aus China. Die Maße des relativ jungen und überdimensionalen Monuments sind nur schwer vorstellbar. So besitzen die Augen der beiden Gesichter einen Umfang von jeweils drei Metern. Die Nasen sind acht Meter lang. Ein besonders schöner Anblick ergibt sich abends, denn dann erleuchten 510 Lichter das gesamte Gebilde.

Kaiser Yan Di

Kaiser Yan 炎帝 entstammt ursprünglich einer chinesischen Legende und war ein Herrscher des antiken Chinas vor Etablierung der Dynastien. Sein alternativer Name ist der Kaiser der Flammen. Auf einer akademischen Konferenz in China im Jahr 2004 einigten sich die Teilnehmer nach einer langen Diskussion darauf, dass der Kaiser Yan und der legendäre Shennong 神农 ein und dieselbe Person waren. Shennong war der Gott der Bauern oder auch der Gott der Landwirtschaft. Die Chinesen sagen ihm nach, dem chinesischen Volk das Wissen der Agrarwirtschaft an die Hand gegeben zu haben. Ebenso lehrte er die Verwendung von Kräuterarzneien.

Shennong – Der Gott der Bauern

Leider gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Existenz des Kaisers Yan und seiner Herrschaft. Allerdings berichten viele klassische Schriften über den Kaiser und Shennong. Yan bedeutet Flamme und begründet seinen Ursprung möglicherweise darin, dass das Gefolge des Kaisers das Symbol einer Flamme für ihr Totem verwendete. Andere vermuten, dass in der Landwirtschaft dieser Zeit die Brandrodung eine gängige Praxis war und damit zur Namensgebung führte. Die landwirtschaftlichen Errungenschaften von Shennong und seinen Nachfahren führten zu sozioökonomischen Erfolgen und beförderten ihn selbst in einen göttlichen Rang unter dem Volke.

Das Ende des Yan Kaisers

Der letzte Yan Kaiser erfuhr das Ende seiner Herrschaft während der Schlacht von Banquan 阪泉之战. Der genaue Standort dieser Schlacht ist von vielen Historikern umstritten, da im Laufe der Geschichte tatsächlich mehrere Orte diesen Namen trugen. Eine Invasion der Kräfte von Chi You 蚩尤 zwang den Yan Kaiser zum Rückzug, worauf der Kaiser in einen territorialen Konflikt mit den benachbarten Youxiong-Stämmen geriet, die der Gelbe Kaiser anführte.

Shennong – Der Gott der Bauern

Nach drei Schlachten besiegte der Gelbe Kaiser den Yan Kaiser, zwang ihn zur Aufgabe und nahm den Titel des Lehensherren an. Danach vereinigte er die beiden Stämme zum gemeinsamen Yanhuang-Stamm. Gemeinsam und unter Führung des gelben Kaisers zogen die nun vereinten Stämme in den Krieg und besiegten die Chi You in der Schlacht um Zhuolu 涿鹿之战, womit sie ihre kulturelle und politische Herrschaft in China festigten.

Die Schlacht von Banquan wird als geschichtlicher Fakt in den Schriften „Records of the Grand Historian“ von Sima Quan festgehalten. Damit erscheint das Event als ausschlaggebender Übergang zwischen der Mythologie und Historie.

Sima Qian – Gemälde des Historikers

Kaiser Huang Di

Des Kaisers Name Huang Di 黄帝 heißt übersetzt „Gelber Kaiser“. Er soll ein stolzes Alter von 99 Jahren erreicht und zur gleichen Zeit wie der Kaiser Yan Di gelebt haben. Die zum Großteil akzeptierten historischen Daten seiner Herrschaft werden auf die Jahre 2697 bis 2597 oder 2698 bis 2598 v. Chr. datiert. Er ist der Begründer des zentralisierten Staates, der aus dem Sieg gegen den Kaiser Yan Di hervorging. Er gilt als der Verfasser des Buches „Die Medizin des Gelben Kaisers“, das das damalige Wissen der traditionellen chinesischen Medizin enthält. Heute ist der gelbe Kaiser als der Vater der chinesischen Zivilisation und Vorfahre des gesamten chinesischen Volkes bekannt. Er gilt ebenfalls als kosmischer Herrscher und Patron der esoterischen Künste. Wie der Kaiser Yan ist auch der gelbe Kaiser ursprünglich eine mythische Gestalt, wurde aber während der Zhou Dynastie 周朝 (1046-256 v.Chr.) historisiert.

Haung Di – Der Gelbe Kaiser

Allerdings wiegt die Historisierung der mythologischen Form des Gelben Kaisers schwerer, als es noch bei Kaiser Yan Di der Fall ist. So beginnen auch die Aufzeichnungen des Historikers Sima Qian „Records of the Grand Historian“ mit den Aufzeichnungen über den Gelben Kaiser. Vorherige Regenten werden nur kurz umrissen. Viele Gelehrte sind sich einig, dass der Gelbe Kaiser anfangs als eine gottgleiche Erscheinung, wie auch bei Yan Di, wahrgenommen, später aber tatsächlich als historische Person verzeichnet wurde.

Ein modernes Monument für antike Kaiser

Das Monument ist ein gigantisches Andenken der Moderne an die Kaiser Yan Di und Huang Di der chinesischen Antike. Obwohl sie beide Rivalen waren und der gelbe Kaiser den Kaiser Yan vernichtete, zeigt das Monument beide Legenden gemeinsam. Ob sie tatsächlich nur mythische Legenden oder tatsächlich Herrscher in der chinesischen Geschichte waren, ist nur schwer nachweisbar. Dennoch gelten beide Männer mit ihren außerordentlichen Fähigkeiten ihrer Zeit als wegweisend für die chinesische Zivilisation und ihre Entwicklung. Wer also die Urväter Chinas sehen möchte, muss sich das Monument auf seinen Reiseplan schreiben.

 

Für Sie schreibt: Patrick Müsker

Sinologe M.A., Übersetzer,
Interkulturelle Beratung,
Delegationsbetreuung, Blog-Redakteur

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