Augenblick, China: Abenteuer Essen in Wangfujing

In den schillernden Lichtern der Einkaufsstraße Wangfujing könnte er fast untergehen: Der Nachtmarkt Wangfujings ist eines von Pekings meist-vernachlässigten Kleinoden. Haben Sie allerdings erst einmal das kleine elegante Eingangstor durchschritten, werden Sie sich wundern, wie Sie ihn jemals übersehen haben konnten.

Tatsächlich hat der Nachtmarkt die geschäftige, zumeist leicht chaotische Atmosphäre eines von allen Ecken dampfenden Geruchshexenkessels. Er hat seinen ganz eigenen Charakter und obwohl er nur wenige Meter von den Fastfoodketten der Hauptstraße entfernt liegt, fühlt es sich an, als betrete man eine andere Welt.

Ich habe mir sagen lassen, dass es hier nicht nur  die typischen chinesischen Snackstände gäbe, sondern auch eine etwas exotischere Auswahl: frittierte Insekten, Seesterne, Seepferdchen, Seidenwürmer und noch vieles mehr, das sonst nicht unbedingt auf meiner Speisekarte steht.

Anderen dabei zuzuschauen, wie sie mit vielerlei Grimassen diese Snacks ausprobieren, ist wunderbar amüsant; selbst dazu aufgefordert zu werden, etwas ganz anderes. Aber was macht man nicht alles, um später eine gute Geschichte erzählen zu können…

Mutprobe

Verkäufer priesen aus allen Ecken enthusiastisch ihre Waren an: „Hätten Sie gern ein paar Skorpione, junge Frau?“ Dabei wedelte der junge Händler in seiner blauen Schürze mit einem langen Spieß herum. Vollkommen überwältigt von den Gerüchen, der Musik und den visuellen Eindrücken, ging ich vorsichtig näher. Die kleinen Kreaturen auf dem Holzspieß bewegten sich noch!

-sollten Sie auf der Suche nach einem entspannten Spaziergang sein, lassen die den Nachtmarkt lieber aus. Er hat seine Berühmtheit durch den Verkauf eher ungewöhnlicher Delikatessen erlangt, denen Sie in den normalen chinesischen Straßenläden nicht begegnen werden. Delikatessen, die mehr als vier Beine, Stachel und Scheren haben.

Sollten Sie aber wie ich auch von der Abenteuerlust gepackt werden und daheim eine spannende Geschichte von Ihrem seltsamsten Nachtsnack erzählen wollen, sind Sie hier richtig. Bei mir selbst dauerte es ungefähr eine halbe Stunde und eine Kokosnuss zum Mut antrinken, bevor ich mich an die Spieße wagte. Meine Wahl fiel auf: Schlange, Kokon und… Skorpion.

Sechsbeinige Delikatessen

Skorpione gehören zu den Snacks, die Sie hier am meisten sehen werden. Entweder, Sie entscheiden sich für die kleine, braune Kreatur oder die furchteinflößende schwarze und zum Teil leicht haarige größere Version, den „großen Bruder“ (哥哥).

Ich entschied mich, wie Sie sich denken können, für ersteres.

Skorpionsspieße
Skorpionsspieße (v. Jessica Dowse)

Nachdem die Schlange mich unspektakulärer Weise an Hühnchen erinnerte und mir der Kokon mit der bloßen Konsistenz des Panzerinneren das Gruseln lehrte, ging es an das größte Wagnis von allen: das sechsbeinige Ungetüm.

Gut frittiert hatten die Skorpione nichts von ihrem erschreckenden Äußerem verloren. Ich starrte für lange Zeit auf meinen Spieß, wie in der Hoffnung, dass sich die kleinen Kreaturen vor meinen Augen rechtzeitig in Luft auflösen würden. Doch nichts dergleichen.

Augen zu und durch

Mit einem großen Bissen war es getan. Salzige Gewürze, trockenes Geknusper. – In meiner offiziellen Geschichte für später werde ich natürlich noch ein paar gräuliche Details einfügen, aber alles in allem, ein bisschen enttäuschend!

Nichts desto trotz ist der Wangfujinger Nachtmarkt ein Erlebnis, das es wert ist. Bereiten Sie sich aber vor! Sie werden nach dem Genuss einiger dieser Spezialitäten sehr dankbar dafür sein, wenn Sie eine kleine Wasserflasche parat haben.

Ansonsten sollten Sie sich unbedingt auf den Weg machen. Experimentieren Sie. Entdecken Sie. Und vor allem: Lassen Sie es sich schmecken!

Für Sie schreibt: Anne Gonschorek

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