Post aus China: Taekwondo statt Kung-Fu

Eiserne Disziplin? Von wegen – in einer Taekwondo Schule in Xiamen lernt Live Reporter Ceyhun Yakup Özkardes ein völlig neues Bild der Kampfsportart kennen.

Es ist schwül, unerträglich schwül. Es fühlt sich an wie in der Sauna nach dem ersten Aufguss und die Sportler hüpfen, kicken und schreien. Die Mannsgroßen Ventilatoren brummen lautstark, der Trainer gibt Anweisungen und erklärt viel mit Gestik und macht die Techniken auf einem Schlagkissen vor. Immer wieder und wieder werden die einzelnen Übungen ausgeführt. Die Sportler werden regelrecht gedrillt und es knallt lautstark durch die Tritte. Rechter Fuß, linker Fuß, Wechsel wieder zum rechten Fuß, linker Fuß. Es will nicht enden. Die Taekwondo Schule befindet sich in einem Hochhaus in der Innenstadt der Insel Xiamen. In der Schule steigt einem direkt der Geruch von Laminatboden kombiniert mit Hallenmatten in die Nase.

Taekwondo Trainer aus Xiamen in ihrer Taekwondo Schule
Zhong Senmu, 36 mit Co Trainer Xie Wei, 23 in der Taekwondo Schule in Xiamen

Zhong Senmu, 36 Jahre, hat breite Schultern und eine verkratzte, rauchige -fast heiser wirkende Stimme. Mit einem breiten Gang und seinem akkuraten Haarschnitt könnte man etwas Angst vor ihm haben, doch sein Lachen, was man oft hört, macht ihn wieder sympathisch. Beim Reden fallen mir seine Handknöchel auf, um die sich bereits weiße Hornhaut gebildet hat – anscheinend boxt er auch. Während des Trainings erklärt er kurz und knapp mit lauter Stimme die Übungen und fordert die Sportler bis an ihre Grenze. Motivieren kann er, alle trainieren bis zur Erschöpfung.

Um seine Handknöchel hat sich bereits weiße Hornhaut gebildet

Plötzlich erschallt der Ton eines Telefons durch den Raum und gibt den Sportlern eine kleine Atempause. Seine Schule ist gleichzeitig auch sein Büro und deshalb eilt er schnell zu seinem Schreibtisch in der Ecke. Seine Schüler nutzen die Gunst des Augenblicks und eilen ebenfalls – zu den Ventilatoren. Beim Kicken und während des Training herrscht große Disziplin; die ist aber sofort weg wenn es gerade keine Anweisung gibt. Der Anrufer wird vom Trainer abgewimmelt und dann gibt es für die Schüler direkt eine Standpauke wegen der Unordnung.

Zhong, Besitzer der Taekwondo Schule in Xiamen, opfert in seinem Altar Räucherstäbchen
Trainer Zhong Senmu opfert vor seinem Altar Räucherstäbchen und betet für den Erfolg seiner Schule

In seiner Taekwondo Schule befinden sich auch zwei Altäre in denen er Räucherstäbchen opfert

Bereits seit 30 Jahren, also seit seinem sechsten Lebensjahr, macht Zhong Taekwondo und hat den 3. Dan (lizenzierte dritte Prüfung zum Schwarzgurt). In seiner Schule stehen in den Regalen viele Pokale von gewonnene Meisterschaften und an der Wand hängen Zertifikate der China Taekwondo Assoziation, dem chinesischen Taekwondo Verband. Ebenfalls im Raum befinden sich zwei Altäre, ein typisches Bild in China, an denen er vor und nach dem Training jeweils Räucherstäbchen anzündet und diese opfert. Er würde sich selber als religiös bezeichnen aber ist nicht Anhänger einer bestimmten Religion. Viele Chinesen gehen der sogenannten Volksreligion nach und besuchen verschiedene Schreine und beten mehrere Götter an. Dabei spielt der Konfuzianismus mit seiner Verhaltensethik gegenüber Älteren sowie Buddhismus eine zentrale Rolle für viele Chinesen. Dieser Synkretismus, also die Verschmelzung von verschiedenen Religionen oder einzelner Elemente einer Religion, findet sich überall in China.

Er kommt aus einer kleinen Stadt im Inneren der Provinz Fujian, die etwas so groß ist wie die ehemalige DDR, und spricht einen starken Dialekt, sodass es oft sehr schwierig ist ihn zu verstehen. Respekt und auch Motivation sind wichtige Punkte die er in seinem Training vermittelt. Nach den Übungen wird nicht nur der Trainer verabschiedet, sondern jeder verbeugt sich auch vor der chinesischen und koreanischen Flagge – denn Taekwondo kommt aus Korea. Jeder bedankt sich auch bei „Vater und Mutter“, eine konfuzianische Geste, die Respekt den Älteren gegenüber zollt. Trotz allem geht es sehr chaotisch zu bei den Kindern, viele kommen zunächst zu spät, unterhalten sich während des Trainings und machen gelangweilt mit. Den Anfängern erklärt er zunächst die Bedeutung von Taekwondo: Tae- steht für Fuß, Kwon- für die Faust und Do steht für den Weg. Dabei ist der charakterliche Weg gemeint, den jeder Sportler geht, erklärt er den Kindern.

Die Mutter Mendy steht zusammen mit ihren Sohn Bristol in der Taekwondo Schule in Xiamen
Bristol Zhang,7, zusammen mit seiner Mutter Mendy Lin im Trainingsraum

Bedeutung von Taekwondo: Tae-steht für Fuß, Kwon- für Faust und Do steht für den Weg

Im Gegensatz zu anderen Sportarten liegt der Schwerpunkt mehr auf den Fußtechniken als den Handtechniken, so Zhong. Bereits im Alter von sechs Jahren hat er diese Techniken, über die er inzwischen selber referiert, gelernt. Damals brachte sein Vater ihn zum Taekwondo Training statt zum Kungfu. Denn sein Vater hatte mehr Interesse an einer ausländischen Sportart, so lernte er in China einen koreanischen Kampfsport. Er lacht selber darüber und findet das aber nicht schlimm.

Auch der kleine Bristol Zhang lacht viel während des Trainings, hört den Anweisungen aber immer sehr genau zu und gibt sich große Mühe. Zum Training kommt er erst seit einem Monat hat aber viel Spaß, versichert mir die Mutter Mendy. Sieben Jahre jung sei er und liebe Taekwondo, erzählt sie mir. Auf die Schule ist sie durch die Werbung in der Stadt gestoßen und hat auch vom Trainer viel Gutes gehört. Sie hofft, dass ihr Sohn lernt sich zu verteidigen und dass er auch körperlich fit wird. Zunächst schüchtern und ruhig gewöhnt er sich an die neuen Trainer. Am Ende lächelt er oft und freut sich über den Erfolg.

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Für Sie schreibt: China Tours

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