China Tours Reise: “China auf dem Fahrrad” – Reisebericht Teil II

Sonnenuntergang auf der Großen Mauer, die Verbotene Stadt im Touristenstrom, eine etwas andere Zugfahrt und die Terrakotta-Armee von ihrer besten Seite. All das berichtet unsere China Tours Mitarbeiterin Ulrike Löhrl von ihrer Reise „China auf dem Fahrrad

Die Große Mauer im Licht des Sonnenuntergangs

Am Montag war der Bus dran, das Fahrrad hatte Pause. Die Fahrt vom Hotel bis zum Lama-Tempel Yonghe Gong dauert auf der durch den Berufsverkehr verstopften 2. Ringstraße etwas mehr als 1 Stunde. Die Entfernung beträgt laut Google Maps ca. 13 km – also wären wir mit dem Fahrrad etwas schneller gewesen. Aber es regnete heftig, und ich war doch froh, im Trockenen zu sitzen. Auch am Lama-Tempel regnete es beständig weiter. Leichte Aufhellungen am Horizont weckten die Hoffnung auf einen trockenen Ausgang des Tages, zumal der Sonnenuntergang auf der Großen Mauer auf dem Programm stand – wenn schon nicht sonnig, dann wenigstens trocken. Der Lama-Tempel ist immer wieder einen Besuch wert. Die weitläufige Anlage, die Hallen und die Statuen, die tibetischen und mongolischen Einflüsse auf die Architektur und Ausgestaltung des Tempels finde ich auch nach vielen Besuchen immer wieder schön. Auf dem Weg zum Sommerpalast im Nordwesten der Stadt  schien jeder Fetzen blauer Himmel der zwischen den Wolken zu sehen war, ein gutes Zeichen zu sein. Im Sommerpalast waren bis zum Mittag 27.000 Besucher gezählt worden, diese Statistik wird am Eingang des Sommerpalastes veröffentlicht – am Tag vorher waren es 35.000 Besucher.

Touristen im Sommerpalast
Touristen im Sommerpalast

Auf dem Weg zur Mauer kamen uns schon die Touristenbusse entgegen, die den Besuch am Nachmittag gemacht hatten, und jetzt wieder in die Stadt zurück fuhren. Wir hatten die Mauer tatsächlich fast ganz für uns (bis auf eine weitere China Tours-Gruppe), ohne jemandem auf die Füße zu treten und ohne ständig jemandem ins Bild zu rennen. Steile Stellen, inegale Stufen, grandiose Ausblicke auf die Landschaft mit den sich allmählich rot färbenden Ahornblättern – und das alles mit einem blauen fast wolkenlosen Himmel als Hintergrund. Und auch die Musik sowie die Erläuterungen über den Lautsprecher verstummten, als die Angestellten und die Ladenbesitzer Feierabend machten und nach Hause gingen. Es war eisig kalt, aber die Sonne schien und ging dann glühend hinter dem Bergen unter. Um 17:00 Uhr hatte sich die Reisegruppe am 3. Wachturm von rechts verabredet, und trotz des eisigen Windes stießen wir mit chinesischem Rotwein, der passenderweise “Great Wall” hieß, aus Plastikbechern auf den Sonnenuntergang an.

Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden und wir hinab gestiegen waren, gab es in einem der Läden am Eingang echten Espresso aus frisch gemahlenen Illy-Bohnen, perfekt zubereitet. Ob unsere Agentur den Besitzern wohl einen Barista-Kurs finanziert hat?!

Mit einem Zwischenstopp am Olympia-Gelände mit dem leuchtend-blauen Wasserwürfel und dem bunt beleuchteten Vogelnest fuhren wir geradewegs zum Pekingenten-Essen. Wieder gerieten wir in den Feierabendverkehr und waren fast 1,5 Stunden unterwegs, wobei der zäh fließende Verkehr durch einen unbedeutenden Unfall verursacht worden war, an dem wir irgendwann vorbei fuhren. Aber unser Busfahrer schaffte es, und 2 Stunden nach Verlassen der Mauer saßen wir im Separee an einem großen runden Tisch und ließen uns die Geheimnisse der Zubereitung und die Kunst des Verspeisens der Peking-Ente erklären.

Rekordversuch Nachtzug
Rekordversuch Nachtzug

Eine Fahrt mit dem Nachtzug

Am folgenden Tag Abschied von Peking – mit einem Besuch beim Kaiser. Es war voll in der verbotenen Stadt, Menschenmassen drängten sich auf der Nord-Süd-Achse und drückten sich die Nasen platt an den Fenstern zu den kaiserlichen Gemächern. Kalt und sonnig, der blaue Himmel meinte es gut mit uns. Bummel auf der Wangfujing, der großen Shopping-Straße, spätes Mittagessen und Kungfu-Show, dann machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Stopp-and-go auf der Ringstrasse, Schlange stehen am Kontrollschalter am Bahnhof, Schlange stehen am Gepäckkontrollschalter, im Wartesaal auf die Abfahrt des Zuges warten – aber zieht man in Betracht was für Menschenmassen täglich mit der Bahn fahren, ist es wirklich sehr gut organisiert. Im Nachtzug von Peking nach Xi’an wurde wieder mal bewiesen, dass das Fassungsvermögen eines chinesischen 4-Bett-Abteils größer ist als gedacht. 12 Leute saßen auf den Liegen, krümelten den Teppich mit Erdnussschalen voll, zerquetschten Bananen, die unter Kopfkissen lagen und sortierten ihre Füße und Beine um und über Koffern, die unter dem Tisch und unter den Betten lagen. Die restlichen 4 standen in der Tür, um wie unsere Reiseleiterin sagte, den Nachttrunk zu genießen. Bier musste nachbestellt werden, und aus den Tiefen der Koffer kamen die Notrationen auf den Tisch. Der rollende Verkäufer kam irgendwann vorbei um uns mitzuteilen, dass er jetzt Feierabend mache. Aber da war für uns auch Feierabend. Irgendwann werde ich mal einen Antrag beim Guinness-Buch der Rekorde stellen…

Fahrradfahren auf der Stadtmauer von Xi'an
Fahrradfahren auf der Stadtmauer von Xi’an

Die „neue“ Terrakotta-Armee

Heute Morgen sind wir in Xi’an angekommen, und morgen Abend geht es mit dem Flieger gleich wieder weiter nach Guilin, nach Südchina, wo es zu meiner großen Freude 20-30 Grad warm sein soll. Das heißt also frei nach dem chinesischen Sprichwort, auf dem (Draht)-Pferd reitend die Blumen zu betrachten. Schnelles Frühstück im Hotel, schnelle Dusche und dann eine erste kleine Fahrradtour auf der Stadtmauer, 14 Kilometer einmal rund um die alte Stadt Xi’an, wunderbar, um die Gelenke zu ölen und den Kopf frei zu kriegen. Hier ist es auch kalt, die Sonne kam gar nicht raus. Beim Mittagessen fiel mir eine Gruppe Inder auf, denen so kalt war, dass sie sich alle warmen Sachen die sie mitgebracht hatten übereinander angezogen hatten, dazu noch Ohrenklappen und Wollmütze. Andererseits sah ich heißblütige Reisende in kurzen Hosen und kurzärmeligen T-Shirts…

Die Terrakotta-Armee habe ich zuletzt in den 90ern besucht, und war deshalb sehr gespannt auf Veränderungen. Es hat sich ziemlich viel getan – von der neuen Autobahn nach Lintong (wir standen trotzdem im Stau, weil irgendeine dringende Vermessung auf dem rechten Fahrstreifen vorgenommen werden musste), über das “neureiche” Aussehen dieses kleinen Städtchens kurz vor Xi’an bis hin zur Ausgrabungsstätte in Lintong selber, die ein Facelift erhalten hat. Organisiertes Parksystem, Elektro-Shuttlebus zum Museum, neue Gebäude und Aufhebung des Fotografier-Verbotes. Nichts desto trotzt, um eine Ecke geguckt sah es aber doch noch genauso aus wie früher, standen die umhäkelten Marmeladengläser für den Tee auf wackeligen Tischen, die Fenstertüren waren wie immer mit gerafftem hellblauen Stoff bespannt und aus dem Lautsprecher plärrten Musik und Ansagen. Die Armee aber hat nichts von ihrer Faszination verloren.

Den Koffer brauche ich gar nicht zu öffnen, ich kann ihn morgen so vor die Zimmertür stellen – um 7:30 wird er abgeholt. Ich melde mich aus Guilin wieder, wo es 20-30 Grad warm sein soll, die Sandalen habe ich hoffentlich nicht umsonst eingepackt…

Gute Nacht

 

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Für Sie schreibt: China Tours

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