Die Geschichte der Seide Teil 2 – Das Geheimnis bekommt Flügel

Seide: eines der teuersten Luxusartikel der Welt. Aber auch eines der begehrtesten. Kein Wunder also, dass die Menschen seit jeher versuchten, an das Geheimnis des weißen Goldes zu kommen. Lange Zeit misslang dieser Versuch, doch irgendwann breitete sich die Seidenproduktion von Asien auch nach Europa aus und erfuhr ihre Glanzzeit zwischen dem 13. bis 16. Jahrhundert, in Städten wie Konstantinopel (das heutige Istanbul), Venedig und Lyon.

Das Geheimnis ist kein Geheimnis mehr

Als der Export von Seide aus China begann, war es streng verboten das wohlgehütete Geheimnis der Produktion außer Landes zu bringen. Das schwere Vergehen wurde sogar mit dem Leben bestraft. Doch es kam, wie nicht anders zu erwarten, um 555 n. Chr. doch dazu, dass das Geheimnis weitergetragen wurde. Angeblich transportierten zwei persische Mönche die Eier des Seidenspinners und ein paar Samen des Maulbeerbaumes in ihren ausgehölten Wanderstöcken, über die Seidenstraße bis nach Byzanz, Gründerstadt des heutigen Istanbuls. Diese Legende ist allerdings mehr als fragwürdig, da die Eier wohl kaum den langen Weg überlebt hätten. Als Fakt ist allerdings erwiesen, dass die Seidenproduktion um 550 n.  Chr. im byzantinischen Reich begann.  Von dort aus wurde das Wissen an die Griechen und Araber weitergegeben, die es bis ins Weite Spanien trugen.

Fließende Bahnen feinster Seide kommen nun nicht mehr alleine aus China

Die Seide kommt nach Europa

Von Spanien aus verbreitete sich das Geheimnis der Seidenherstellung über ganz Europa, aber nur wenige Nationen hoben sich besonders durch die Seidenherstellung hervor und brachten ganze Handelsmetropolen hervor. Besonders in Ländern mit mildem Klima wie Italien, brachte die Seidenproduktion Ansehen und Wohlstand. Das liegt daran, dass die klimatischen Bedingungen besonders wichtig für das Wachstum des Maulbeerbaumes sind, ohne dessen Blätter die Seidenraupen keine Nahrungsquelle haben, was selbst heutzutage noch ein großes Kriterium für die richtige Aufzucht des Seidenspinners ist. In Italien begann die Produktion um 950 n. Chr. in der sizilianischen Hauptstadt Palermo und breitete sich immer weiter Richtung Norden über Lucca bis nach Venedig aus. Die beiden Städte Venedig und Lucca blieben bis ins 16. Jahrhundert hinein marktführend in der Seidenherstellung, und rühmten sich für die aufwändige Verarbeitung und die variantenreichen Muster bei der Seidenherstellung. Doch als die Nachfrage im 15. Jahrhundert besonders am französischen Hof nach dem feinen Stoff stieg, ging man in Lyon vom Import zur eigenen Produktion über. Letztendlich überflügelte Frankreich Italien im 16. Jahrhundert durch die intensive Unterstützung Franz I., der Lyon das französische Monopol zur Seidenproduktion verlieh und die Stadt damit zum Hauptumschlagsplatz von Seide in ganz Europa machte.

In der heutigen Zeit ist Seide ein Produkt für jeder Mann.

Nun gibt es kein Halten mehr

Durch die Industrialisierung veränderte sich die Seidenproduktion schlagartig. und die  Seidenindustrie entwickelte sich  im Eiltempo. Vor allem durch die Erfindung synthetischer Farbstoffe  wurde die Produktion um einiges vereinfacht. Sogar in Deutschland, genauer in der nordrheinwestfälischen Stadt Krefeld, entwickelte sich ein Markt für die Seidenproduktion. Die Firma „Von der Leyen“ war besonders angesehen und belieferte neben dem preußischen König Friedrich II. (Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, von 1712 – 1786) auch Napoleon Bonaparte (1769 – 1821). Die Firma bestand von 1720 – 1857. Da die deutsche Seidenherstellung nie eine große Rolle im weltweiten Handel gespielt hatte, wurde mit dem Niedergang der Fima Von der Leyen auch die Seidenproduktion in Deutschland weitestgehend eingestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es jedoch einen gravierenden Tiefpunkt, als eine bis dahin unbekannte Krankheit die europäischen Seidenraupen dahinraffte. Die Seidenraupenbestände in Europa wurden komplett vernichtet und neue Exemplare aus China wieder eingeführt. Von diesem Niederschlag, der viele Betriebe in den Ruin trieb erholte sich die europäische Seidenindustrie nie wirklich,  und Japan übernahm die Rolle des weltweiten Hauptproduzenten von Seide, da auch Japan schon seit dem 8. oder 9. Jahrhundert, über diplomatischen Wege, das größte chinesische Geheimnis, die Seidenproduktion für sich entdeckt hatte, doch es war Japan bis Mitte des 19. Jahrhunderts nie gelungen sich dauerhaft auf dem Weltmarkt zu etablieren.

Durch den zweiten Weltkrieg wurde der japanische Handel allerdings so geschwächt, dass das Monopol der Seidenherstellung wieder an China überging.  Auch heute ist China, zusammen mit der wiederbelebten Seidenindustrie in Japan, mit rund 50% Marktanteil an der globalen Seidenindustrie, der größte Produzent des weißen Schatzes.

Die Geschichte der Seide Teil 1 und Teil 3 finden sie unter diesen Links.

https://blog.chinatours.de/2012/12/04/die-geschichte-der-seide-teil-1-die-eroberung-der-welt/

https://blog.chinatours.de/2013/01/04/die-geschichte-der-seide-teil-3-so-wirds-gemacht/

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Für Sie schreibt: China Tours

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