Kulinarisches Kidnapping auf Hainan

Hainan – die größte chinesische Insel sozusagen das „Hawaii“ Chinas – bietet neben Traumstränden, gutem Essen und einer Menge Touristen wie immer auch die Möglichkeit Abenteuer zu erleben…

Für mich als China-Neuling sollte dieser Besuch auf Hainan ein ganz besonderes Abenteuer bergen. Ich wusste zwar um ein paar kulturelle Unterschiede und etwas Mandarin konnte ich auch, aber das hier Erlebte sollte alles Bisherige auf meiner China Reise in den Schatten stellen.

Das Hotel

Die Unterkunft ist diesmal nichts Geringeres als ein vier Sterne Hotel direkt am Strand in der Nähe des Sanya Harbours – wenn schon entspannen dann richtig.

Meine Reisezeit ist August und im Vergleich zum deutschen Sommer gibt es hier richtig viel Sonnenschein. Nachdem ich mich mit der Crew der Strandbar bekannt gemacht habe, bin ich der Sonne auch direkt zum Opfer gefallen. Wie gut, dass die befreundeten Jungs aus der Strandbar einen „Anti-Sonnenbrand-Cocktail“ für mich parat haben. Dieser wirkt Wunder und lässt mich tatsächlich den Sonnenbrand für den ganzen Abend vergessen.

In dieser Nacht kommen sämtliche Hotelbedienstete zusammen und feiern inklusive mir. Inmitten des Partyvolkes fühle ich mich sehr wohl. Als ich mit dem Masseur des Hotels ins Gespräch komme, lädt er mich für den nächsten Tag direkt zum Essen bei Freunden ein. Dann lassen wir den Abend gemeinsam ausklingen.

Der nächste Tag

Unser Treffpunkt ist der Pool unseres Hotels. Nun sitze ich also da, mit den Füßen in einem Pool voller kleiner Fische und ich warte auf meinem neuen Freund, dem Masseur. Während etwa 200 kleine Fische an meinen Füßen knabbern, frage ich mich, was mich wohl erwartet. Der Masseur sagte gestern etwas von Essen und einer Überraschung. Ist es wirklich eine gute Idee mit einem Wildfremden essen zu gehen? –  Wir werden sehen… Als ich so da sitze, steht der Masseur plötzlich vor mir und erklärt mir, dass nun los gehe.

Das Abenteuer beginnt…

Etwas verwundert über das wirklich blitzartige und pünktliche Auftauchen des Masseurs, folge ich ihm. Meine Füße sind wie neugeboren und noch fühle ich mich total entspannt. Wir erreichen die Straße vor dem Hotel. Es stehen zwei schwarze Volkswagen für uns bereit. Aus meiner Zeit in Hangzhou weiß ich allerdings, dass man niemals, unter keinen Umständen in schwarze Taxis einsteigen darf – Aber ich bin einfach zu gespannt, was mich erwartet und schließlich sind wir ja Freunde. Also „no risk, no fun“ denke ich und steige ein. Wir fahren los – Komisch dabei ist, dass ich in ein anderes Auto gesetzt werde als mein Freund.

Ein unerwarteter Gast

Noch viel verwundeter bin ich, als ich im Auto einen alten Bekannten treffe. Ich sitze im Auto mit einem chinesischen Fahrer, Beifahrer sowie einem Deutschen, den ich aus dem Flugzeug kenne. Er und seine Familie saßen im Flug von Shanghai nach Sanya neben mir. Sein Name ist Konrad und wir haben uns spontan so gut verstanden, dass er mir angeboten hat, in einem Zimmer seines Hotels auf Hainan zu wohnen.

Die unvergessliche Autofahrt

Ich hätte niemals gedacht, dass Hainan eine derart große Insel ist. Als wir die scheinbar endlose Straße am Strand Richtung Osten fahren, werde ich eines Besseren belehrt. Nach 1,5 Stunden Fahrt erreichen wir eine Art Industriegebiet umsäumt vom Wellblech und alten verrosteten Maschinen. Wir fahren immer tiefer in dieses Labyrinth hinein. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich trotz der extrem kalten Klimaanlage ins Schwitzen komme, denn weder Konrad noch ich selbst können uns zu diesem Zeitpunkt erklären, wo wir sind, geschweige denn wo es hin geht.

Für mich jedenfalls ist die Sache klar, wir werden entführt und dies soll meine letzte Autofahrt gewesen sein. Ich versuche mich durch diverse Tai Chi-Übungen zu beruhigen, mit mäßigem Erfolg. Ich frage den Fahrer auf meinem aktuell wirklich sehr dürftigen chinesisch, wo es denn hingeht. Der Fahrer sagt, es wird eine super Überraschung.

Wir sind da

Das Industriegelände entpuppt sich als eine Art Fischerhafen. Wir kommen auf eine große Freifläche auf der ausschließlich schwarze Autos unseres Typs stehen. In diesem Moment habe ich einen Puls von etwa 195 Schlägen pro Minute. Als wir aufgefordert werden auszusteigen, fällt Konrad und mir ein riesen Stein vom Herzen, als wir seine Familie sehen, die in dem anderen Wagen gefahren ist. Seine Frau ist Chinesin. Sie weiß offensichtlich mehr als wir und sagt, gleich werde es richtig lustig. Die Erleichterung ist mir ins Gesicht geschrieben.

Die Überraschung

Wir steigen noch immer etwas unsicher in ein winziges Boot und werden zu einer schwimmenden Plattform im Hafenbecken gebracht. Die Überraschung ist nach all den Strapazen zuvor umso größer, als dass es sich bei dieser Plattform um ein schwimmendes Restaurant handelt. Das Restaurant besteht aus riesigen Styroporblöcken die mit Holzplanken zu einem großen Floß verbunden sind. Rings um das Plateau sind Netze im Wasser, die voll sind mit allem, was das Südchinesische Meer zu bieten hat. Es gibt ein paar runde Tische und Plastikstühle. Sogar ein kleines Toilettenhäuschen, doch so richtig wollen wir das zumindest vor dem Essen nicht benutzen.

An diesem Abend soll es uns an nichts mangeln. Alles ist vorbereitet, der Koch und alle Angestellten begrüßen uns herzlich – Ein Riesenevent für alle! Der Masseur und seine Freunde versorgen uns bestens mit Allem was in den Netzen um das schwimmende Restaurant zu finden ist. Ein paar Scampis schaffen es sogar aus dem Topf in der Mitte des Tisches wieder zurück in Wasser zu springen. Natürlich gibt es auch Bier und etwas „Baijiu“ (Chinesischer Reisschnaps) für alle.

Ein einzigartiges Erlebnis

Konrad klärt mich am Ende auf, dass der Masseur jedes Jahr ein spezielles Event für seine Freunde aus dem Hotel plant und es jedes Mal sehr mysteriös zugeht, er es aber sehr zu schätzen wisse. Das Restaurant auf dem Wasser mit dem spektakulären Dinner ist schon wirklich genial. In Kombination mit der Einladung am Vortag und der Fahrt dorthin ist es ein Erlebnis, dass ich nicht vermissen möchte.

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Für Sie schreibt: Felix Dohmeier

Auslandsreporter

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