Majestätisch – der große Buddha von Leshan

Fast majestätisch thront der Große Buddha von Leshan über der Mündung der Flüsse Min und Dadu ineinander und blickt in Richtung des Bergs Emei – einer der vier heiligen buddhistischen Berge in China. Ein gutes Omen oder?

Erst vor kurzem habe ich noch einmal daran gedacht, wie ich 2011 zum Großen Buddha von Leshan gefahren bin. Für mich immer noch einer der Orte, die man einmal gesehen haben sollte. Besonders, wenn man in China unterwegs ist. Aber auch schon die Provinz Sichuan ist eine Reise wert, die man mit einem Besuch in Leshan dann sogar noch toppen kann. Beeindruckend ist auch die Frage, wie man diesen Buddha wohl vor über 1000 Jahren aus dem Felsen schlagen konnte. Na klar: Heute mit Schlaghammer, Kränen und Gerüsten sollte es kein Problem sein – aber damals? Was hingegen geblieben ist: Bauvorhaben konnten auch schon damals durch Finanzierungsengpässe verzögert werden. Aber dazu später mehr.

 

Der fröhliche Buddha

Der Buddha von Leshan ist fröhlich. Zumindest sieht er sehr zufrieden aus, wie er da über den Fluss wacht, den er einst bändigen sollte. Vielleicht ist es auch die Zufriedenheit, dass durch den Bau des Buddhas der Fluss, zumindest der Legende nach, wirklich beruhigt worden sei. Schließlich war dies auch das Ziel des Mönchs Haitou, der 713 mit der Leitung des Baus beauftragt wurde. Zu viele Fischer hatten in den Fluten ihr Leben lassen müssen. Heute wirkt der Fluss eher ruhig. Ist also wirklich etwas dran?

Richtig ist zumindest, dass es sich bei dem Buddha um einen Maitreya handelt, der im Buddhismus für die Zukunft steht. Typisch wird dieser Buddha in China und auch anderen Ländern immer sitzend dargestellt, mit seinen Händen auf den Knien ruhend – der Glückssitz.

Mitten in der Tang-Zeit, als der Buddha herausgeschlagen wurde, war der Buddhismus über Indien bereits in China angekommen. Seit der Tang-Zeit gewann der Buddhismus in China immer mehr Bedeutung und so verwundert es nicht, dass es eine buddhistische Gottheit ist, die den Fluss bändigen sollte.

Ob es wirklich der Verdienst einer Art göttlichen Fügung ist, bleibt umstritten. Für die eine ist es die Wirkkraft des Buddhas und für die anderen das Geröll, das während der Bauarbeiten in den Fluss abgelassen wurde, um weggespült zu werden und sowohl die Tiefe als auch den Flussverlauf nachhaltig veränderte. Vielleicht ist es auch eine Mischung aus beidem.

Ohne Moos nix los

Wie es auch heute noch ist: Großpojekte kosten am Ende selten genau so viel, wie anfänglich veranschlagte. Und so ereilte dieses Schicksal auch Haitou und seinen Buddha. Vor Vollendung der Bauarbeiten mussten diese unterbrochen werden. Um seiner Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit trotz der vorzeitigen finanzierungsbedingten Beendigung des Baus Ausdruck zu verleihen, soll er sich die Augen rausgeschnitten haben. Damit lag der Bau dann erst einmal brach und erst 90 Jahre später wurde er von seinen Schülern fortgesetzt und abgeschlossen.

Besuchermagnet

Heute kommen täglich mehrere Tausend Besucher nach Leshan, um sich den imposanten Buddha anzuschauen. Mit seinen 71 Metern Höhe kann er sich aber auch mehr als sehen lassen. Alleine seine Ohren sind 7m lang und jeder seiner Zehen 8,5m. Wer sich durch die Massen schlagen will, kann auch über eine Treppe zu den Füßen des Buddhas gehen. Das war mir damals aber zu voll. Ich bin einfach nur von einer zur anderen Schulter gegangen. Sind immerhin auch 28m. Aber das Areal beherbergt mehr als nur den Buddha. Ein schöner kleiner Wald, Tempel und Pagoden schließen sich an. Und auch Grotten befinden sich auf dem Areal. Das Highlight ist und bleibt natürlich der Buddha. Aber für den stolzen Eintritt von damals 90 RMB sollte man sich nicht nur mit dem Buddha zufrieden geben.

90 RMB Eintritt schreckt auch keinen Chinesen ab

Aber auch ein Besuch des kleinen Städtchens Leshan lohnt sich. Sicher: Es ist nicht die Metropole, aber eine nette chinesische Kleinstadt. Über eine Brücke kommt man zu Fuß oder mit dem Taxi zurück in die Stadt und kann entlang des Flusses und der kleinen Gässchen gehen. Irgendwo findet man dann auch einen Platz, von dem aus man den Buddha in seiner ganzen Größe vom anderen Ufer aus betrachten kann. Oder man unternimmt eine Bootstour zum Buddha. Das verdeutlicht auch noch einmal die Dimension und zeigt, wie beeindruckend er da sitzt und lächelt.

Leshan

Für mich ist und bleibt der Buddha von Leshan eines der Top-Reiseziele in China. Er strahlt auf mich immer wieder eine unfassbare Ruhe und Zufriedenheit aus, die einen positiv in die Zukunft blicken lässt.

Eine Bootstour zum Buddha (ganz rechts)

 

Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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