Heilongjiang – die russische Perle Chinas

Heilongjiang ist meine Lieblingsprovinz unter den drei nordöstlichen Provinzen (Dongbei) Jilin, Liaoning und Heilongjiang. Der letzte Beitrag über Dongbei handelte von Jilin, wo ich für ein Jahr studiere. Diesmal geht es um die nördlichste der Provinzen.

Der „Schwarze Drachenfluss“, nachdem die Provinz benannt ist, ist auch unter dem russischen Namen Amur bekannt. Für mich der schönste Name unter den chinesischen Provinzen. Es mag an der langen Grenze zu Russland liegen, dass Heilongjiang wie keine andere Provinz Chinas von der ehemaligen Sowjetunion geprägt wurde und auch kulinarisch hat Heilongjiang den Nordosten geprägt.

Harbin – Chinas östliches Moskau

Das russische Zentrum Chinas liegt in Harbin. Seit 1954 Provinzhauptstadt, hat sich hier schon früh eine jüdisch-russische Gemeinde gebildet. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist die ehemalige russisch-orthodoxe Sophienkathedrale. Heute beherbergt die Kirche ein kleines Architekturmuseum. Ein Besuch der Kathedrale lohnt sich bei Tag als auch bei Nacht.

Heilongjiang

Über Chinas Grenzen hinaus ist aber vor allem das Eisfestival von Harbin bekannt. Nach Weihnachten und weit bis ins neue Jahr entsteht hier alljährlich eine märchenhafte Welt aus purem Eis. Die Skulpturen monumentaler und berühmter Bauwerke aus aller Welt erscheinen bei Nacht wunderschön beleuchtet und auch die eine oder andere Tierfigur wartet auf die Heerscharen an Besuchern.

Die kulinarische Prägung Harbins hat das Gericht Guobaorou übernommen. Der in Deutschland als Schweinefleisch süß-sauer bezeichnete Evergreen der chinesischen Küche, wurde der Legende nach in Harbin kreiert.

Damals während der Herrschaft des Guangxu-Kaisers begrüßte die Regierung von Harbin oft russische Gäste. Da das Originalrezept ein wenig zu schwer für ihren Geschmack war, wurde das Gericht umgestaltet und der unverwechselbare süß-säuerliche Geschmack hinzugefügt. Die Russen waren begeistert.

Heilongjiang

Ang’angxi

Russisch geht es weiter auf der Reise durch Heilongjiang. Die alte Provinzhauptstadt vor Harbin war Qiqihar. Heute ist Ang’angxi ein Stadtteil dieser Stadt. Als die Eisenbahn zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut werden sollte, entstand hier die Hauptzentrale der russischen Eisenbahn in China. So ist es auch zu erklären, dass rund um den Bahnhof von Ang’angxi eine Siedlung im slawischen Stil entstand. Die gelblichen Häuser sind bis heute erhalten und zum Teil noch nicht restauriert. Hier reichen allerdings einige Stunden um alles zu sehen, inklusive eines sowjetischen Friedhofs für Soldaten der UdSSR, welche im chinesischen Befreiungskrieg gegen den japanischen Imperialismus gefallen sind.

Heilongjiang

Nördlich von Qiqihar liegt das Naturschutzgebiet Zhalong: Heimat bedrohter Wildkraniche, wie der Mandschurenkranich, der Weißnackenkranich, der sibirische Kranich und der Haubenkranich. Leider leben einige Kraniche in Käfigen und können nicht in freier Wildbahn weilen.

Mohe – Chinas arktische Stadt 

An der russische Grenze liegt der nördlichste Punkt Chinas. Im Winter wurden hier schon Temperaturen von über -50 Grad gemessen. Die Stadt Mohe wurde nach einem Waldbrand 1985 komplett im russischen Stil wiederaufgebaut. Mit dem vorherigen Stadtbild, welches durch den Brand bis auf die Grundmauern niederbrannte, hat dies nichts mehr zutun.

Mitte Juni scheint die Sonne hier fast den ganzen Tag und vom 15. bis 25. Juni findet hier das Nordlichtfest statt, bei dem man je nachdem mit etwas Glück die Polarlichter bestaunen kann.

Skifahren in Heilongjiang – Yabuli

Zwar ist China kein bekanntes Land für den Wintersport, aber spätestens seit den Olympischen Winterspielen die 2022 in Peking stattfinden, hat auch die Skifahrer-Saison zugenommen.

Das dementsprechend bekannteste Skigebiet Chinas – Yabuli – liegt 200 km von Harbin entfernt. Hier können sowohl Fortgeschrittene als auch Anfänger auf die Piste gehen.

Heilongjiang ist für jede Jahreszeit gut geeignet. Ganzjährig locken Harbin und Ang’angxi. Kulinarisch wird neben Guobaorou auch gerne Sauerkraut mit Rippchen gereicht. Wer also das deutsche Essen vermisst, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Meiner Meinung nach ist Heilongjiang die interessanteste der drei Dongbei-Provinzen. Gerade wegen ihres russischen Einflusses hat sie mir am besten gefallen.

Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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