Die Pan-Ahnenhalle

In China scheint es eine nie enden wollende Liste an besonderen Orten und Sehenswürdigkeiten zu geben, die jeden Touristen in Atem hält. In meinem zweiten Jahr in China habe ich es nun endlich zu der Ahnenhalle der Pan-Familie bei Huaihua geschafft! Bereits 2015 wollte ich den Gedenkort während einer länger gedachten Hunan-Reise besuchen, allerdings kam uns der Regen dazwischen. Bis Changsha hatten wir es noch geschafft, aber dann spürten wir die Ausläufer eines Taifuns im Süden Chinas und der Besuch fiel sprichwörtlich „ins Wasser“. Dieses Mal hatte ich dann mehr Glück und wurde bei der Pan-Ahnenhalle für meine Geduld belohnt!

Kindespietät

Ahnenhallen oder auch Ahnenschreine haben in China eine ganz besondere Bedeutung. Weniger sind sie Teil eines religiösen Gottesglaubens, sondern gehören vielmehr zu der konfuzianischen Tradition der Kindespietät. Hier an diesen Gedenkstellen wird den Vorfahren der Namenslinie gedacht. Besonders in Südchina wird die Tradition bis heute aufrechterhalten. Im Norden findet man eher kleine Schreine in den privaten Wohnräumen, während mir im Süden tempelähnliche Komplexe begegnet sind.

Abseits der Touristenorte

Die Pan-Ahnenhalle ist also der Gedenkort des Pan-Clans. Nach einer aktuellen Schätzung gehört “Pan” heute zu den vierzig häufigsten Nachnamen in China und kommt ursprünglich aus den Regionen Shaanxi, Henan und Hunan. Und genau da, in Hunan, liegt auch die relativ unbedeutende Stadt Huaihua, in dessen Nähe sich die Ahnenhalle befindet.

Gefunden habe ich sie in keinem Reiseführer, sondern in Blogs. Damals habe ich nach Plätzen gesucht, die abseits der großen Touristenorte Fenghuang, Changsha und Zhangjiajie in Hunan liegen. 15 km von Huaihua entfernt, liegt das kleine Dörfchen Jingping 荆坪. Mit dem öffentlichen Bus kann man bis fast vor die Tore des Dorfes fahren, muss aber nach dem Ausstieg noch einen Fluss überqueren und dann direkt nach dem Fluss links abbiegen. Aber keine Sorge: Die Einwohner sind sehr hilfsbereit und können den Weg zur Ahnenhalle erklären.

Symbolik über Symbolik

Petrus meinte es bei diesem Ausflug gut mit uns. Vielleicht auch etwas zu gut, denn von Wolken war nichts zu sehen. Im Hitzekessel Hunan heißt das: schwitzen. Wir kamen natürlich auch direkt zur Mittagssonne an. Die Nähe zum Fluss ließ uns zwar etwas abkühlen, aber gut, dass wir nicht mehr allzu weit gehen mussten. Dann stand die Halle auch schon vor uns. Kleiner als auf den Bildern, die ich im Internet gesehen habe, aber genau so schön.

Besonders faszinierte mich an diesem Ort die ganze Symbolik, die in der Fassade steckt. Die beiden Qilins, Fabelwesen aus der chinesischen Mythologie, die den Eingangsbogen links und rechts verzieren, stehen für Glück, Gerechtigkeit, Friedfertigkeit und Kinderreichtum. Neben dem Drachen, dem Phönix und der Schildkröte gehört es zu den Vier Wundertieren der chinesischen Mythologie.

Pan-Ahnenhalle

Außerdem befinden sich direkt über dem Tor acht Figuren. Es sind die Acht Unsterblichen, die einst übers Meer gekommen sein sollen und für Wohlstand und Prosperität stehen. Diese aus dem Daoismus stammenden mythologischen Figuren stehen einem besonders in Zeiten der Not bei und bekämpfen Ungerechtigkeiten.

Pan-Ahnenhalle

Darüber finden sich dann noch zwei Landschaftsbilder aus der chinesischen Tradition der Berg-Fluss-Malerei. Getrennt werden sie von den Schriftzeichen 潘氏祠 (Pan-Ahnenhalle) und zeigen den Jinding und den Baota Berg in der Provinz Henan, wo dieser Pan-Clan ursprünglich herkommt.

Von Ming bis Mao

Die während der Hongwu Regentschaft (1368-98) in der Ming-Dynastie erbaute Ahnenhalle hat so einiges an Geschichte miterlebt und zu erzählen. Meines Wissens nach handelt es sich auch nicht um einen Nach- oder Neubau, sondern um eine tatsächlich 600 Jahre alte Anlage. Aber auch Mao hat seine Spuren hinterlassen. Links und rechts des Eingangs befinden sich alte Sprüche aus der Zeit der Kulturrevolution. Allerdings sind große Teile der Texte heute nicht mehr lesbar.

Pan-Ahnenhalle

Um die Pan-Ahnenhalle herum führen viele Schilder zu anderen Orten in der näheren Umgebung. Aber Highlight ist und bleibt die Ahnenhalle, eine der schönsten, die ich bis jetzt gesehen habe. Eindeutig ein Geheimtipp!

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Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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