Taiji

Chinesisches Taijiquan: Tischgespräch mit Taijiquan Lehrer Tao

Man sagt Taijiquan sei Chinas Volkssport und tatsächlich kann man morgens, wie auch auf unseren China Tours Reisen, in vielen Parks ältere Chinesinnen und Chinesen bei ihren Übungen beobachten. Wen das neugierig macht es selber einmal auszuprobieren, der kann an einen der vielen Schnupperstunden teilnehmen, die vielerorts angeboten werden. Zum Beispiel in der Mandarin Tree Language School in Shanghai. Diese Sprachschule ist, wie der Name schon sagt, eigentlich auf Chinesisch Kurse ausgerichtet. Um ihren Schülern neben der Sprache auch die Kultur Chinas näher zu bringen, werden dort auch viele andere Kurse angeboten, wie chinesische Kalligrafie, Scherenschnitte, chin. Malerei, chinesich Kochen und TaijiQuan. Der dort unterrichtende Taijiquan Lehrer Herr Tao ist dafür bekannt seinen Schülern nicht nur die Bewegungen, sondern auch die Hintergründe des TaijiQuan genauer zu erklären. Er hat sich für China Tours die Zeit genommen, die wichtigsten Dinge einmal zu erklären.

China Tours: Wofür steht der Name Taijiquan?

Herr Tao: Taiji ist ein daoistisches Prinzip, das aus dem Zhou Yi Buch stammt (Besser bekannt als Yi Jing, eines der ältesten chinesischen Klassiker).  Es ist besser bekannt als Yin-Yang-Prinzip. Taijiquan ist die Lehre der Kampfkunst, die auf diesem Prinzip beruht. „Quan“ bedeutet Faust und steht hier als Synonym für Kampfkunst.

China Tours: Können sie dieses Prinzip ein wenig genauer erklären?

YinYangHerr Tao: Das Prinzip von Yin und Yang beruht auf dem Glauben, dass das Universum groß und rund ist. Die Welt entstand aus dem Chaos, welches sich in die zwei Einheiten, Himmel und Erde, aufteilte. Daraus entwickelte sich alles Weitere. Wichtig ist, dass es immer zwei Gegensätze gibt, die nicht ohne einander existieren können. Es gibt keinen Himmel ohne Erde, kein gut ohne böse, kein Yin ohne Yang. Deshalb ist in dem Symbol für Yin und Yang auch ein Punkt des jeweils anderen zu erkennen. Yin steht für weiblich, den schwarzen Teil die Erde, Yang für männlich und den weißen Part, den Himmel. Mit dem ineinander übergehen dieser beiden stellt es auch den natürlichen Kreislauf des Lebens dar. Aus dieser Überlegung entstanden die Bewegungen des Taijiquan. Sie sind rund, fließend ineinander übergehend. Es ist wichtig, immer in Bewegung zu sein. Die Bewegungen sind so angelegt, dass auch die inneren Organe eine runde Bewegung durchführen. Auf diese Weise werden die inneren Organe sozusagen massiert und so ihre Aktivität angeregt. Dadurch verbessert sich unter anderem das Abwehrsystem des Körpers und man wird nicht so schnell krank. Taiji hat aber noch viele weitere positive Nebeneffekte.

China Tours: Welche Geschichte hat Taijiquan in China, wie hat es sich entwickelt?

Herr Tao: Das Taiji gibt es wie gesagt seit Tausenden von Jahren, das Quan, also die Kampfkunst dazu wurde der Legende nach wurde Taijiquan von Zhang Sangong in den Wudong-Bergen entwickelt. Heute gibt es sehr viel verschiedene Formen des Taijiquan. Die berühmtesten Fünf sind der Yang-Style, der Chen-Style, der Wu-Style, der Wu-Style (gleiche Aussprache, aber es wird mit einem anderen Zeichen geschrieben) und der Sun-Style. Diese Fünf sind nach den Familien benannt, die sie entwickelt haben. Es handelt sich immer um weitere Entwicklungen bzw. Veränderungen des ursprünglichen Taijiquan. Es wurde als Familienerbe weitergegeben und von jeder Generation ein wenig verändert, aber der Grundgedanke des Taiji bzw. Yin-Yang Prinzip ist bei allen gleich.

China Tours: Ist das Taijiquan, das Sie praktizieren, eher eine Kampfkunst oder eine gymnastische Übung?

Herr Tao: Die meisten Leute, die Taijiquan üben, sind ältere Leute, die es ihrer Gesundheit wegen üben. Sie benutzen es für gymnastische Zwecke, aber Taijiquan ist keine Gymnastik. Die Bewegungen sind für den Kampf gegen andere und zum Schutz des Selbst entwickelt worden. Es gibt auch heute noch Leute, die es als Kampfsport betreiben. Dabei kommt es vor allem darauf an, mit dem Gegner in Kontakt zu bleiben und seine Kraft auszunutzen. Es gibt auch Waffenstyle. Wie das Taijijian, eine Art des Taiji, die mit dem Schwert ausgeführt wird. Es gibt auch Taiji Style mit Fächer, Stock, Langstock, Hellebarde usw.

China Tours: Welche anderen positiven Auswirkungen kann man mit Taijiquan erzielen?

Herr Tao: Taijiquan ist gut für die arbeitende Bevölkerung, denn es hilft, sich richtig zu entspannen und die Konzentrationsfähigkeit zu fördern. Es kann auch bei chronischen Krankheiten eine Besserung erzielen, da langsam die Körperpunkte (Meridiane) geöffnet werden und das Qi (bedeutet ungefähr Energie) besser fließen kann. Es ist gut für die Beweglichkeit, den Gleichgewichtssinn und die Reaktionsfähigkeit. Es verleiht vitaleres Aussehen und ist gut für das Herz-Kreislauf-System. Vor allem aber ist es eine vorbeugende Maßnahme, die den Körper stärkt. Derartige Wirkungen erzielt man natürlich nur bei täglichem Training.

China Tours: Was passiert im Körper, dass diese positiven Auswirkungen zustande kommen?

Herr Tao: Durch die langsamen, runden Bewegungen werden die inneren Organe angeregt. Die Bewegungen beim Taijiquan sind leicht, man benutzt keine Kraft. Es sind keine harten, schnellen Bewegungen wie beim Sport zum Beispiel Schwimmen. Die sanften Bewegungen sind für den Körper besser verträglicher. Jede Bewegung soll sowohl Yin als auch Yang beinhalten, sodass man sich immer im Gleichgewicht bewegt. Am besten ist es draußen zu üben, dann hat man zusätzlich noch frische Luft.

China Tours: Ich habe in Parks ältere Leute gesehen, die Taijiquan praktizieren, was ist mit den jüngeren?

Herr Tao: Taiji ist typisch für die älteren Leute, sie haben die Zeit es jeden Tag zu üben. Aber mehr und mehr junge Leute werden sich der positiven Auswirkungen von Taiji bewusst und fangen an es zu praktizieren. Besonders junge Männer, die Frauen wollen nicht so schwitzen. Im Park kann man aber im Durchschnitt mehr ältere Frauen, als Männer beobachten, die Männer gehen lieber anderen Hobbys wie fischen, Gesellschaftsspiele spielen und so nach.

China Tours: Herr Tao, Sie sind Chinese und sprechen kein Englisch, wie gelingt es, Ihre Schüler gut zu unterrichten?

Herr Tao: Es ist nicht einfach. Allein das Konzept von Yin und Yang wirklich zu verstehen ist für Ausländer schwierig. Am einfachsten lehrt man die Bewegungen über einfaches Vor- und Nachmachen, dabei kann man oft schon selbst feststellen, ob man etwas richtig macht oder nicht, außerdem erklärt sich das Gefühl das man während des Taijiquan übens hat so am besten. Die Schüler spüren es selbst. Für die grundlegenden Erklärungen ist jemand von der Sprachschule mit dabei, der für die Schüler übersetzt. Es sind Schnupperkurse, in denen es darum geht, die wichtigsten Hintergründe zu erklären und die Schüler in das Feld einzuführen, nicht möglichst viele Bewegungen zu lernen. Die Schüler bekommen aber von der Schule Fotos und Videos von der Stunde zur Verfügung gestellt, damit sie das Gelernte Zuhause weiter üben können.

China Tours: Vielen Dank Herr Tao!

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Wer TaijiQuan oder eine der anderen kulturellen Kursangebote der Schule einmal ausprobieren möchte, schaut am besten auf ihrer Homepage vorbei. Dort gibt es einen monatlichen Stundenplan für die Schnupperkurse.

Mandarin Tree Language School

Changping Straße 868, Raum 905, Gebäude A

Jing’ an, Shanghai

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Für Sie schreibt: China Tours

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