Longhua Märtyrer-Park in Shanghai: Ein Ausflug in den Sozialismus

Im Süden Shanghais finden all diejenigen eine Anlaufstelle, denen es im ultramodernen Shanghai nach ein wenig sozialistischem Kitsch verlangt: Den Longhua Märtyrer-Park. Hier kann man in einer parkähnlichen Anlage an theatralischen, überlebensgroßen Skulpturen vorbeischlendern und Parteigeschichte in sich aufnehmen.

Die Geschichte des Parks

So interessant der Skulpturenpark heute ist, hinter seiner Entstehung steckt eine düstere Geschichte: Im Jahre 1927, als die kommunistische Partei noch nicht die Macht im Lande erlangt hatte, verschleppten Anhänger der nationalistischen Partei (Guomindang) im Rahmen einer groß angelegten Säuberungsaktion Kommunisten hierher, um sie zu internieren, exekutieren und zu begraben. Noch bis 1937 kam es dort zu weiteren Exekutionen. 1995 wurde dann der Märtyrer-Park eröffnet, um die Opfer zu ehren und ihre Geschichte zu verbreiten.

Hinein in den Park

Die Skulpturen im Stil des sozialistischen Realismus scheinen aus der Zeit gefallen zu sein: Mit viel Pathos und martialischen Gesten empfangen einen schon bald hinter dem Eingang stilisierte Arbeiter und Soldaten; jede Figur scheint entweder bereit zu kämpfen, stirbt den tragischen Heldentod oder blickt mit stolzem Blick in die Zukunft. Sehr chinesisch sehen die Skulpturen zwar nicht aus, dies verstärkt jedoch nur noch die entrückte Atmosphäre der Anlage. Hält man sich nun auf der westlichen Seite des Parks, kommt man an weiteren Skulpturen gleichen Stils vorbei, welche jedoch alle unterschiedlichen Themen gewidmet sind.

Nach einiger Zeit erreicht man zudem eine Reihe Gräber diverser Parteimitglieder. Noch bedrückender wird es jedoch im nördlichen Teil des Parks, in dem es hinunter in einen langen Tunnel geht, welcher nach wenigen Gehminuten über eine Abzweigung zur ehemaligen Exekutionsstätte hinaufführt. Am Ende des Tunnels trifft man zudem auf die Baracken, in denen die Kommunisten seinerzeit von den Anhängern der Guomindang festgehalten wurden. In einem der Gebäude befindet sich hierzu auch eine kleine Dokumentationsstätte. Anschließend geht es nach Süden, erneut entlang an diversen Skulpturen sowie kleineren Teichanlagen, Richtung Parkzentrum.

Auf Zeitreise in der Gedenkhalle

Nachdem man sich im Park thematisch ein wenig eingestimmt hat, lohnt es sich, die pyramidenförmige Gedenkhalle für die revolutionären Märtyrer zu besuchen, welche sich im Zentrum der Anlage befindet. Nach Art eines Museums führt diese nochmals in den geschichtlichen Hintergrund des Parks sowie die Parteigeschichte ein und ehrt die Opfer mit diversen (idealisierten) Gemälden und Fotos. Seien die Informationen und Abbildungen hinsichtlich ihrer historischen Korrektheit manchmal auch mit Vorsicht zu genießen, kann man hier doch ein weiteres Stück des sozialistischen Chinas in sich aufnehmen, wie man es im modernen und scheinbar ultrakapitalistischen Shanghai nur noch sehr selten zu Gesicht bekommt. Hinzu gesellt sich von Zeit zu Zeit ein Schwall revolutionärer Lieder aus dem Untergeschoss der Pyramide dazu: Über einige Touchscreens können diese hier abgespielt werden, woraufhin sie gespenstisch durch die recht offene Struktur hallen, in die sich heutzutage nur noch wenige Besucher verirren.

Weitere Empfehlungen

Wer sich gerne weiter mit der „roten“ Seite Shanghais beschäftigen möchte, dem sei die Gründungsstätte der KP im (Achtung, Ironie) hochklassigen Szeneviertel Xintiandi empfohlen. Hier können Besucher den Raum betreten, in dem 1921 die Kommunistische Partei Chinas ins Leben gerufen wurde. Im angeschlossenen Museum können Sie sich über die historischen Vorzeichen der Parteigründung sowie die Frühentwicklung der KP informieren.

Eine weitere Empfehlung (auch für Architekturinteressierte) ist das Shanghai Exhibition Centre im Stil des sozialistischen Klassizismus. Dieses hat nichts mit der EXPO 2010 in Shanghai zu tun, sondern wurde vielmehr Mitte der 50er Jahre nach sowjetischem Vorbild als „Gebäude der sino-sowjetischen Freundschaft“ errichtet. Den „Sieben Schwestern“ in Moskau ähnelnd und lange Zeit das größte Gebäude Shanghais, sticht es heute deutlich aus der modernen und westlich beeinflussten Architektur der Stadt heraus. Schließlich gibt es noch das Shanghai Propaganda Poster Art Centre, in dem chinesische Propaganda-Poster aus verschiedenen Epochen zu sehen sind.

Wegbeschreibung ab Haltestelle „Longhua“ (Metrolinie 11)

Verlassen Sie die Haltestelle von Ausgang 2. Sie befinden sich nun auf der Longhua Road. Halten Sie sich links und gehen Sie auf die Kreuzung Longhua Road/West Longhua Road zu. Überqueren Sie an der Kreuzung die Longhua Road und gehen Sie anschließend geradeaus weiter auf der West Longhua Road. Nach wenigen Minuten biegen Sie rechts auf die Longhua Lao Jie ab, welche direkt am Eingang des Parks vorbeiführt.

Adresse, Öffnungszeiten, Preise

Longhua Martyrs‘ Cemetery 龙华烈士陵园
180 West Longhua Road, Xuhui, Shanghai
龙华西路180号,徐汇区,上海
Park: täglich 6:30 – 17:30 Uhr (letzter Einlass 17:00 Uhr)
Gedenkhalle: Di – So 9:00 – 16:30 Uhr (letzter Einlass 16:00 Uhr)
Eintritt: Park 1 Yuan / Gedenkhalle 5 Yuan

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Für Sie schreibt: China Tours

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