Auf der Seidenstraße durch die Taklamakan-Wüste

Der Mythos der Seidenstraße fasziniert heute mehr denn je. Durch die politische und wirtschaftliche Wiederbelebung der alten Handelsroute gewinnt sie auch bei vielen China-Reisenden wieder an Interesse. Und auch mich verfolgt sie schon seit einigen Jahren. Der Gedanke, auf den Fersen der Kamelkarawanen durch den Westen Chinas zu reisen, reizt nicht nur mich, sondern viele andere Abenteurer. Natürlich reicht die Seidenstraße mindestens von Xi’an bis weit über die Grenze Chinas hinaus, aber in China stehen die Provinz Xinjiang und ihre Taklamakan-Wüste pars pro toto für Chinas wirtschaftliche Öffnung gen Westen.

Farbenpracht aus fernen Ländern

Während meiner letzten Reise durch Gansu, ebenfalls Teil der Seidenstraße, habe ich mein persönliches Faible für alte Grotten wiederentdeckt. Entlang der gesamten Seidenstraße, auch in Xinjiang, finden sich immer wieder in Felswände geschlagene und mit edlen Farben sowie Gold verzierte und bemalte Grotten. Grotten, die von Händlern als Dank für eine erfolgreiche Rückreise hergerichtet wurden. Was heute so romantisch klingt, war damals ein durchaus waghalsiges Unterfangen. Nicht selten kamen die Händler von ihren Handelsreisen nicht wieder zurück, sondern fielen auf ihrem Weg Räubern zum Opfer. Da überrascht es nicht, dass man lange Zeit davon ausging, dass das aus der uigurischen Sprache stammende Wort „Taklamakan“ die Bedeutung „Platz ohne Wiederkehr“ habe. Diese Meinung wird aber inzwischen bezweifelt und als wahrscheinliche Übersetzung steht nun das „Land der Pappeln“ im Raum.

Mogao-Grotten auf der Seidenstraße in Gansu
Mogao-Grotten auf der Seidenstraße in Gansu

Allen Unwegsamkeiten zum Trotz gelangten viele Güter, Wissen und Entdeckungen über die Seidenstraße in viele Länder. Unter anderem wurden auch die bunten Farben, die die Grotten verzieren, transportiert. Die Händler hatten die Türkise aus Afghanistan und Persien, ebenso wie tiefe Blautöne im Gepäck.

Kucha und die Höhlen von Kizil

Urumqi ist für die meisten Reisenden der erste Ort in Xinjiang. Hier landen die Flugzeuge und wenn man nicht mit dem Zug aus der Provinz Gansu kommt, dann bietet sich die Provinzhauptstadt als guter Start an. 

Die kleine Stadt Hami ist besonders für ihre Honigmelonen bekannt, die in China als die besten ihrer Art gelten. Außerdem sind Kucha (manchmal auch Kuqa) und natürlich die alte Handelsmetropole Kashgar wichtige Umschlagplätze und Zwischenstopps auf dem Weg in den Westen gewesen. 

Kucha war einst das buddhistische Zentrum der Region, denn auch die buddhistischen Schriften sind über die Seidenstraße aus Indien nach China gekommen. Von der damaligen Bedeutung für den Buddhismus ist heute nicht mehr viel übrig. Hier dominieren jetzt die Han-Chinesen. Die Große Moschee von Kucha ist die zweitgrößte in Xinjiang. Mit ihrer Bauzeit in den 1930er-Jahren zudem eine relativ junge Moschee. Sie wurde hier errichtet, nachdem 1931 die alte Moschee niederbrannte. Dennoch ist sie einen Besuch wert. Große Bekanntheit genießt auch der Sonntagsmarkt. Allerdings sollte man im Sommer die Finger von selbsthergestelltem Eis lassen!

Für mich sind die 75 Kilometer entfernt gelegenen Tausend Buddha Höhlen von Kizil besonders interessant. Trotz Plünderungen sind noch über 100 Grotten erhalten. Die von einem deutschen Forscherteam entdeckten Kunstwerke lassen sich zum Teil bis ins 3. Jahrhundert datieren. Allerdings wurden sie nach und nach erstellt und so sind auch jüngere Höhlenmalereien dabei, die zur Zeit der Yuan (1279-1368) entstanden sind. 

Die Grotten von Kizil
Die Grotten von Kizil

Reisen entlang der Taklamakan

Der Weg von Kucha nach Kasghar führt durch den nördlichen Teil der Taklamakan-Wüste. Diese fast 230.000 Quadratkilometer große Wüste mit bis zu 100 Meter hohen Dünen ist ein Naturspektakel für sich. Die endlosen Weiten suchend, kann man in der Wüste auch den niedrigsten Punkt Zentralasiens finden (allerdings in der anderen Richtung bei Turfan gelegen). Eine Reise durch die Taklamakan kann man zum Teil auch auf dem Rücken von Kamelen zurücklegen, um noch mehr das Gefühl der Faszination dieser Handelsroute zu begreifen.

Kashgar ist vermutlich die bekannteste chinesische Stadt der Seidenstraße. Zentral für die uigurisch geprägte Stadt (gut 80% der Bevölkerung gehören der uigurischen Minderheit an), ist die Heytgah-Moschee. Sie ist nicht nur die größte Moschee Xinjiangs, sondern ganz Chinas. Dabei kann sie auch noch auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken. 1442 wurde sie errichtet und war damals bereits der Umbau eines seit 996 bestehenden islamischen Gotteshauses.

Altstadt von Kashgar
Altstadt von Kashgar

Noch beeindruckender als der Sonntagsmarkt von Kucha soll der Sonntagsbasar von Kashgar sein. Neben der Altstadt von Kashgar ist der Basar eine wirkliche Institution und weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Hier werden neben Lebensmitteln und Klamotten auch Vieh verkauft. Wer also eine Ziege, eine Kuh oder ein Pferd für die Weiterreise organisieren möchte, der sollte hier zuschlagen. Viel Spaß dabei!

Sie reizt ein richtiges Abenteuer? Trekking durch die Taklamakan, exotische Basare besuchen und im Zelt unter dem schönsten Sternenhimmel der Wüste schlafen? Hier beginnt es:

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Für Sie schreibt: Frederik Schmitz

Auslandsreporter. Seitdem ich 2009 zum ersten Mal nach China reiste, versuche ich auch ein China neben den Hotspots kennenzulernen. Ganz passend dazu studierte ich erst Regionalstudien China in Köln und mache seit 2016 meinen Master in Sinologie in Tübingen.

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