Konkurrent von Alibaba: 7Fresh (Quelle: JD.com)

Konkurrenz für Alibaba? Chinas Hightech-Supermärkte

Chinas Wirtschaft sorgt bereits seit vielen Jahren für Schlagzeilen und international reges Interesse. Es ist unumstritten, dass China im wirtschaftlichen und politischen Sektor weltweit immer mehr an Einfluss gewinnt. Zahlreiche Unternehmen aus dem Reich der Mitte sind zu Global Players aufgestiegen. Doch nicht nur international, sondern auch national tobt ein Kampf um die Marktherrschaft. Ein Marktsektor ist zurzeit besonders hart umkämpft: Alibaba und JD.com erobern China mit ihren Hightech-Supermärkten.

Anlass für diesen Artikel gibt die neue Supermarktkette 7Fresh von dem Unternehmen JD.com, die zum Top Player unter den Supermärkten auf dem chinesischen Markt werden möchte. Um das zu bewerkstelligen, hat das Unternehmen interessante Konzepte ausgeklügelt, die die Welt der Supermärkte revolutionieren soll. Damit werden für Touristen sicherlich nicht nur die abwechslungsreichen Landschaften und die vielfältige Kultur Chinas zu besonderen Reiseerlebnissen. Doch wollen wir uns einmal ansehen, was die neue Supermarktkette denn wirklich zu bieten hat.

Konkurrenz für Alibaba: Autonomer Einkaufswagen im 7Fresh-Supermarkt (Quelle: JD.com)
Autonomer Einkaufswagen im 7Fresh-Supermarkt (Quelle: JD.com)

Wer oder was ist JD.com?

Das chinesische Unternehmen JD.com ist ein Internetunternehmen, das die gleichnamige Online-Handelsplattform JD.com betreibt. Gründer ist Richard Liu (chin. Liu Qiangdong 刘强东), der das Unternehmen 1998 als JD Multimedia eröffnete und 2004 unter dem nun bekannten Namen JD.com online ging. JD.com ist einer der größten Konkurrenten des wohl in China bekanntesten und erfolgreichsten Unternehmens, der Alibaba Group von Jack Ma (chin. Ma Yun 马云). Mit der neuen Supermarktkette 7Fresh möchte sich JD.com seiner Konkurrenz gegenüber weiter stark aufstellen und vielleicht zurück zu seinen Wurzeln, da das Unternehmen ursprünglich im Offline-Geschäft tätig war. Nach Eröffnung von 12 Filialen sah sich Richard Liu aufgrund des SARS Ausbruchs im Jahr 2003 allerdings mit der Schließung konfrontiert. Er verlegte folglich den Handel ins Internet.

7 Fresh – Smart einkaufen

Smart und Hightech sind die Schlagwörter, die die neue Generation chinesischer Supermärkte beschreiben. In Bezug auf dieses Thema ist JD.com allerdings keineswegs ein Vorreiter. Die Unternehmensgiganten Alibaba und Tencent haben bereits sogenannte intelligente Supermärkte eröffnet. Nun heißt es für alle Parteien zu zeigen, wer die stärkere, schnellere und natürlich smartere Supermarktkette vertreibt. Doch was genau macht die Supermärkte und vor allem 7Fresh so smart?

Frischer Fortschritt

Einer der ersten Stores von 7Fresh eröffnete Anfang 2018 seine Türen in Peking, genauer gesagt im Dazu Plaza Einkaufszentrum in der Nähe der Zentrale von JD.com. Der Store umfasst eine Gesamtfläche von 4.000 Quadratmetern und machte 75 Prozent seiner Umsätze über frische Lebensmittel, die auch zahlreiche Importwaren umfassen. Die chinesischen Kunden empfinden Importwaren als exklusiv und erfreuen sich unter anderem an spanischem Jamón Ibérico (Ibérico-Schinken vom Schwein), japanischen Meeresfrüchten und französischen Backwaren. Übrigens bietet der Supermarkt neben frischen Lebensmitteln auch fertig zubereitete Speisen an.

Konkurrenz für Alibaba: Restaurant im 7Fresh-Supermarkt (Quelle: JD.com)
Restaurant im 7Fresh-Supermarkt (Quelle: JD.com)

Der Supermarkt nutzt sogenannte „Big Data Analysen“, um das Produktangebot den Bedürfnissen seiner Kunden anzupassen. Die fortschrittliche Technologie soll dem Kunden darüber hinaus ein ganz persönliches und auch lehrreiches Shopping-Erlebnis liefern. Denn „Magic Mirrors“ zeigen automatisch auf ihrer Oberfläche, woher das Produkt stammt und welche Inhaltsstoffe sich im Produkt befinden.

Autonome Einkaufswagen

Intelligente Einkaufswagen krönen das Einkaufserlebnis, in dem sie den Kunden autonom durch den Supermarkt begleiten. Das erlaubt es, freihändig einzukaufen und sich nicht immer auf den Einkaufswagen konzentrieren zu müssen. Eine mobile App und digitale Zahlungstechnologien kommen beim Scannen und Bezahlen der Ware zum Einsatz. Der Service umfasst selbstverständlich einen Lieferservice. Waren gelangen per Lieferung innerhalb von 30 Minuten nach Hause, sofern sich dieses in einem Einzugsgebiet von drei bis fünf Kilometern befindet.

Wo sind denn die Angestellten?

Im ersten Quartal 2018 eröffnete JD.com eine weitere unbemannte Filiale im noch neuen Xiong’an Areal, das sich südlich von Peking befindet. Dort möchte die Zentralregierung einen neuen wirtschaftlichen Knotenpunkt errichten. Die 246 Quadratmeter große Filiale von JD.com soll der größte unbemannte Standort der Kette sein. Hier haben die Kunden die Möglichkeit, mit Hilfe ihres Smartphones und Gesichtserkennung ihre Produkte einzukaufen. Außerdem ist der Store mit digitalen Preisschildern ausgestattet, die eine sofortige Preisanpassung und Umstellung auf Sonderangebote ermöglichen. Den ersten unbemannten Supermarkt eröffnete JD.com in der Stadt Yantai in der Provinz Shandong.

Rasante Expansion

Wer konkurrenzfähig bleiben möchte, muss schnell wachsen. Schneller als die anderen um genau zu sein. Deshalb sind die Expansionspläne des Unternehmens sehr ambitioniert, wenn nicht sogar aggressiv. Im April des Jahres 2018 machte der Inhaber Richard Liu die Ansage, bis Jahresende neben den unbemannten Filialen und der Supermarktkette täglich 1.000 Minimärkte zu eröffnen. Das darauf basierende Modell bedient sich dem Franchise-Prinzip, womit unabhängige Geschäftspartner die Stores mit dem Label 7Fresh führen werden. Mit der Geschwindigkeit möchte das Unternehmen eine Million Minimärkte innerhalb von fünf Jahren alleine in China eröffnen. Viele der Filialen sollen ihren Platz in ländlichen Gegenden finden, um auch diese entsprechend mit dem Angebot bedienen zu können.

Und was macht Alibaba?

Das Angebot aus frischen und fertig zubereiteten Lebensmitteln sowie die intelligente Logistiktechnologie von 7Fresh zeigt ähnliche Ansätze, wie Alibaba es bereits mit der eigenen Kette Hema getan hat. Alibaba hat innerhalb von zwei Jahren 13 Hema-Filialen in Städten wie Peking und Shanghai eröffnet und eine nahtlose Integration eines online und offline Einkaufssystems geschaffen.

Auch hier können Kunden von zu Hause aus per App ihre Waren bestellen und liefern lassen. Die Zahlung erfolgt über den eigenen Bezahldienst Alipay. Alternativ haben Kunden auch die Möglichkeit, ihre Produkte direkt im Supermarkt zu genießen, wo der hauseigene Koch die frischen Lebensmittel entsprechend zubereitet. Dem Unternehmen zufolge gehört der Einkauf in einer Filiale zum unverzichtbaren Einkaufserlebnis der Konsumenten, das in der digitalen Wirtschaft durch Daten betriebene Technologien und personalisierten Service erweitert werden sollte.

Ketten wie Family Mart gehören bald vielleicht der Vergangenheit an

Von Online zu Offline

Bei dem neu entfachten Wettkampf der Unternehmensgiganten wird es für Touristen sicherlich sehr schwer, nicht auf einen der neuen Hightech-Supermärkte zu stoßen. Ähnlich wie bei den Leihfahrrädern von Mobike und Co. werden die Filialen in großer Zahl auf den Markt geworfen. Dabei soll ein neues Einkaufserlebnis enstehen. Man darf gespannt sein, wie sich das Geschäftsmodell am Ende macht. Denn so viel Zuspruch die Leihfahrräder fanden, genauso hat man sie überproduziert und die Nachfrage übersättigt. Interessant ist jedoch, dass die Konkurrenten Alibaba, JD.com und Tencent alle aus dem Online-Geschäft kommen. Mit Hilfe von Hightech wollen sie nun den Offline-Handel neu beleben und revolutionieren.

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Für Sie schreibt: Patrick Müsker

Sinologe M.A., Übersetzer,
Interkulturelle Beratung,
Delegationsbetreuung, Blog-Redakteur

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