Dunhuang: Oasenstadt an der Seidenstraße

Die Stadt Dunhuang in der Provinz Gansu wurde im Laufe der Geschichte von vielen unterschiedlichen Völkern beherrscht. Heute ist die ca. 200.000 Einwohner große Oasenstadt an der Seidenstraße vor allen Dingen für die buddhistischen Mogao-Grotten und den Mondsichelsee bekannt.

Die Provinz Gansu

Dunhuang liegt am Nordwestende der langgezogenen Provinz Gansu, im sogenannten Hexi-Korridor. Er war der vermutlich bedeutendste Durchgang nach Xinjiang und Zentralasien, auf der alten Seidenstraße in China. Der Handelsweg führt in Gansu durch Berg- und Wüstengebiete. Im Süden der Provinz liegt das tibetische Hochplateau. Der Name Hexi bedeutet „westlich des Flusses“ und bezieht sich auf den Gelben Fluss, welcher die Provinz durchfließt. Schon im Altertum wurde dieser Name für die Region verwendet.

Gelber Fluss bei Lanzhou
Der Gelbe Fluss in Gansu

Die Provinz ist vor allen Dingen für die zahlreichen wichtigen Orte entlang der Seidenstraße bekannt, die eine wichtige Bedeutung für den Tourismus haben. In Jiayuguan befindet sich das westliche Ende der großen Mauer, in Zhangye die sogenannten Regenbogenberge und der große Liegende Buddha und in Dunhuang findet man die bekannten Mogao-Grotten.
Gansu ist flächenmäßig die siebtgrößte Verwaltungseinheit Chinas. Mit insgesamt rund 27 Millionen Einwohnern erreicht es von der Bevölkerungszahl allerdings nur den 22. Platz in China.

Die Hu-Linie

Dass die Bevölkerungszahl in Gansu so niedrig ist, kann auf eine 85 Jahre alte Entdeckung zurückgeführt werden. Die sogenannte Heihe-Tengchong-Linie (auch Hu-Linie genannt) ist eine imaginäre Linie, die 1935 durch den Bevölkerungsgeographen Hu Huanyong eingeführt wurde. Die Linie wird diagonal vom Ort Heihe im Nordosten des Landes, nach Tengchong in Yunnan gezogen. Die Linie teilt das Land in annähernd gleichgroße Teile, während die Bevölkerungsverteilung große Unterschiede aufweist. Westlich der Linie liegen 57 Prozent der Fläche mit nur 6 Prozent der Bevölkerung, während im Ostteil 43 Prozent der Fläche mit 94 Prozent der Bevölkerung liegen. Auch über 80 Jahre später trifft diese Verteilung noch zu. Der Grund hierfür sind natürliche Faktoren, die eine Ansiedlung der Einwohner im Osten des Landes attraktiver machen. Die Orte westlich der Linie sind zu einem großen Teil vom Hochgebirge oder Wüsten geprägt. Die prosperierenden Städte im Osten hin zur Küste locken mit Jobs. Immer mehr Chinesen zieht es vor allem aus wirtschaftlichen Gründen deshalb ostwärts.

Oasenstadt an der Seidenstraße

Damit ist auch nicht weiter verwunderlich, dass Dunhuang eine Bevölkerung von nur rund 200.000 Einwohnern hat. Anders als in vielen rasant wachsenden Städten Chinas, ist hier die Bevölkerungszahl relativ konstant geblieben. Chongqing ist in der Kernstadt in 100 Jahren z.B. um das 14-fache gewachsen und Shanghai sogar um das 19-fache. Dunhuang hatte im zweiten Jahrhundert vor Christus 76.000 Einwohner. In den über 2.000 Jahren seither hat sich die Bevölkerungszahl nicht einmal verdreifacht.

In der Vergangenheit war die Stadt unter dem Namen Shazhou bekannt, was so viel wie “Stadt aus Sand” bedeutet. Tatsächlich ist dies ein sehr passender Name für die Oasenstadt am Ostrand der Wüste Taklamakan. Dunhuangs historische Bedeutung ist eng mit der alten Seidenstraße verknüpft. Die Stadt war einer der wichtigsten Knotenpunkte entlang der antiken Seidenstraße. Von dort aus breitete sich der Buddhismus in China aus.

Die Dünen bei Dunhuang
Die Dünen bei Dunhuang

Die Mogao-Grotten

Rund 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet sich eines der bedeutensten buddhistischen Höhlensysteme. Die Mogao-Grotten sind UNESCO-Weltkulturerbe und haben eine lange Geschichte. Im 4. Jahrhundert hat ein buddhistischer Mönch die erste der Höhlen in einen Sandsteinfelsen geschlagen. Seine Visionen wollte der Maler und Bildhauer in den Höhlen abbilden. Etwa 1.000 dieser verzierten Höhlen gab es zwischenzeitlich, daher auch der verbreitete Name “Tausend-Buddha-Höhlen”. Heutzutage sind noch etwa 500 von ihnen zugänglich.

Dunhuang: Wandgemälde in den Mogao-Grotten
Wandgemälde in den Mogao-Grotten

Im Jahre 1900 entdeckte ein daoistischer Mönch hinter einer Wand rund 50.000 Dokumente, die zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert geschrieben wurden. Die versteckten Schriften faszinierten auch westliche Forscher, die zu dieser Zeit ein großes Interesse an der Seidenstraße hatten. Der Ort an dem die Dokumente gefunden wurden, wird als Bibliothekshöhle (Library Cave) bezeichnet. Heute sind die Mogao-Grotten die vielleicht wichtigste Attraktion Dunhuangs. Weitere Informationen zu den Mogao-Grotten finden Sie hier.

Singende Dünen und der Mondsichelsee

Südlich der Stadt Dunhuang liegt eine Oase inmitten der Wüste. Der sogenannte Mondsichelsee liegt in der Kumtag-Wüste, die wiederum Teil einer der tödlichsten Wüsten der Welt ist – der Taklamakan-Wüste. Für Reisende entlang der Seidenstraße war die Oase ein wichtiger Anlaufpunkt. Bemerkenswert ist, dass der See in über 2.000 Jahren nicht durch die angrenzende Wüstenregion versandet ist. Außerdem gibt der Ort einen guten Eindruck, wie es den Händlern an der Seidenstraße einst ergangen sein muss.

In der Nähe des Sees gibt es die sogenannten singenden Dünen, die ihren Namen einem besonderen Phänomen verdanken. Durch abrutschenden Sand werden unterschiedliche Töne erzeugt. Von Wispern zu Trommelschlägen wurden den Dünen schon unterschiedlichste Geräusche zugeordnet. In jedem Fall ist es ein Phänomen, welches man gesehen und gehört haben muss.

Dunhuang: Singende Sanddüne
Mondsichelsee und Singende Sanddüne

Dunhuang ist bedeutend für die Geschichte der Seidenstraße und eine wichtige Stadt für die Ausbreitung des Buddhismus in China. Auf einer Chinareise auf den Spuren der Seidenstraße ist Dunhuang ein ganz wichtiger und sehenswerter Ort, der auf keinen Fall fehlen darf. Auf unseren Langstrecken-Rallyes entlang der Seidenstraße, auf unserer Busreise und auf vielen China Rundreisen mit Seidenstraßenbezug ist Dunhuang eine wichtige Station.

Entdecken Sie Dunhuang auf dieser Rundreise!

Niklas Juliusson

Für Sie schreibt: Niklas Juliusson

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