Shanghai Inside: Chinesischer Feuertopf – Brandgefahr

Nebelschwaden wabern durch den Raum. Der Schweiß dringt aus allen Poren und um mich herum schnattern Shanghainesinnen im besten Alter derart angeregt, dass es eigentlich nur um Kochrezepte oder Männer gehen kann. Ich sitze in der Sauna. Ich liebe es in angeregter feucht-heißer Atmosphäre zu schwitzen. Deswegen liebe ich Hot Pot.

Xiao Feiyang, das kleine fette Schaf, ist Shanghais beliebteste Hot Pot Restaurantkette. Wie meine Sauna, ist das Xiao Feiyang immer überfüllt. Es herrschen tropische Temperaturen, die mich an Singapur kurz vor der Regenzeit erinnern und von jedem Tisch steigen die Dampfschwaden empor und ziehen der Decke entgegen. Zum Hot Pot Essen sollte man sich immer reichlich Kameradschaft suchen. Es gibt nämlich keine kleinen Portionen. Entweder es wird eine ganze Platte Fleisch bestellt oder eben gar keins. Zu zweit steht man dann vor der Wahl, entweder sehr einseitig oder sehr viel zu essen. Aber die Atmosphäre in einem Hot Pot Lokal ist auch nichts für ein romantisches Tête à Tête. Also, am besten schmeckt Hot Pot, wenn sich zehn Leute um den Tisch drängen. Der heiße Topf in der Mitte wird von unten mit Gas befeuert. In der Brühe köcheln Chilischoten, chinesische Datteln, Knoblauchzehen und allerlei Gewürze, die dem Salz und Pfeffer gewöhnten deutschen Gaumen eine völlig neue Welt eröffnen. Für Hot Pot Anfänger empfiehlt es sich einen geteilten Topf zu nehmen. Die Chilis schwimmen in der einen Hälfte, die andere Hälfte ist milder im Geschmack. Das Gelage beginnt meist mit Fleisch. Dünn geschnittenes Rind-, Lamm- und Schweinefleisch wird in dem Sud versenkt und verzehrt sobald es gar ist. Geendet wird mit Grünzeug und Nudeln. Kurz bevor der Magen mit dem Platzen droht, kommen üppige Büschel Salat, Spinat und Chinakohl in die Brühe. Dann noch dicke und dünne, lange und kurze Nudeln, Glasnudeln, Reisnudeln, gefüllte Nudeln… Wer jetzt nicht satt ist, der hat irgendwas falsch gemacht. Zwischen Fleisch und Nudeln sind der Fantasie und den persönlichen Vorlieben keine Grenzen gesetzt. Ein Hot Pot Restaurant hat ca. 10 verschiedene Sorten Tofu auf der Karte: gefrorenes, frisches, frittiertes, Tofuhaut, usw. Sehr beliebt bei Chinesen sind die mit Hackfleisch gefüllten Fischbällchen. Vorsicht bei rotem „Tofu“, es handelt sich um Entenblut.

Chinesischer Feuertopf – eine heiße, scharfe, gesellige und sättigende Angelegenheit

Beim Hot Pot Essen geht es sehr lebendig zu und das bezieht sich nicht nur auf die Esser, sondern auch auf die “zu Essenden”. In ziemlich angeregtem Zustand werden die Krabben an den Tisch gebracht. Die kleinen kommen in einem Topf. Sobald sich der Deckel abhebt, wittern sie ihre letzte Chance und so mancher kleinen Krabbe ist der rettende Sprung vom Tisch auf den Boden in letzter Sekunde geglückt. Schwieriger haben es die größeren Krabben. Auch sie füßeln um ihr Leben, da sie aber einen Holzspieß im Körper stecken haben, sind sie leichter wieder einzufangen. Kopfüber werden sie in den Feuertopf versenkt. Tierliebhaber und sensible Individuen sollten sich auf die Vielfalt an Pilzen konzentrieren. Der chinesische Feuertopf ist das einzige Essen in China, bei dem niemals Reis serviert wird. Der Schärfegrad im Mund und die Körpertemperaturen steigen mit jedem Bissen. Erreicht das Brennen an den Schleimhäuten ein kritisches Level, sollte schnellst möglichst ein Löschversuch unternommen werden. Hierfür eignet sich das leichte chinesische Bier, das aus kleinen Zahnputzgläsern getrunken wird. Natürlich nippt man in China niemals alleine an seinem Bier. Stattdessen steht der Durstige auf, brüllt ein deutliches „Gan Bei“ (Prost) in den Raum und nötigt damit seine Tischgenossen es ihm gleich zu tun. Glas leer, Hot Pot voll, weiter geht das Gelage. Die gute Nachricht: das „Kleine fette Schaf“ hat 24 Stunden geöffnet. Wer um 19 Uhr nicht bis zu einer Stunde anstehen möchte, um einen Tisch zu bekommen, kann auch ganz entspannt um 3 Uhr nachts ein Feuertopfessen zelebrieren. Den chinesischen Feuertopf kann man selbstverständlich auch zu Hause in geselliger Runde zubereiten. Die notwendigen Utensilien, alle Zutaten und das Rezept zum Hot Pot selber machen, finden Sie hier!

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Für Sie schreibt: China Tours

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